Süddeutsche Zeitung

Verfolgung der "Charlie Hebdo"-Attentäter:Minutenprotokoll der Angst

Tausende Polizisten und Soldaten suchen nach dem Angriff auf Charlie Hebdo nach den Attentätern. Der Präsident Hollande ruft die höchste Terrorwarnstufe aus, Anwohner in verdächtigen Gebieten dürfen ihre Häuser nicht mehr verlassen. Nun sind die Attentäter gefunden - und tot. Eine vorläufige Chronologie der Ereignisse:

Mittwoch, 7. Januar - Angriff auf Charlie Hebdo

11.30 Uhr: Mit Schnellfeuerwaffen dringen zwei Männer in das Redaktionsgebäude. Sie erschießen zwölf Menschen. Unter den Toten sind die vier Karikaturisten Charb (ein ausführliches Porträt), Cabu, Wolinski und Tignous. Auch ein Polizist, der Charb bewachen sollte, stirbt. Elf Menschen werden verletzt. Bei weiteren Schießereien wird ein Polizist getötet. Die Täter können fliehen.

12.30 Uhr: Frankreich ruft die höchste Terrorwarnstufe für den Großraum Paris aus.

12.46 Uhr: Staatspräsident François Hollande trifft am Tatort ein und nennt das Attentat einen "Akt außerordentlicher Barbarei".

Gegen Mittag: Auf Twitter und Facebook verbreitet sich eine Welle der Solidarität unter dem Hashtag #jesuischarlie - "Ich bin Charlie". Ein Bild wird zum Symbol der Solidarität (Interview mit dem Designer). Die Täter sind nach wie vor auf der Flucht.

14.11 Uhr: Im Élysée-Palast in Paris beginnt eine erste Krisensitzung.

Am Abend: Mehr als 100 000 Menschen versammeln sich in ganz Frankreich unter dem Motto "Je suis Charlie". Die mutmaßlichen Täter sind inzwischen identifiziert. Es handelt sich um Saïd und Chérif Kouachi. Beide sind französische Staatsbürger, in Paris geboren (mehr dazu hier).

23.00 Uhr: Die Attentäter werden nordöstlich von Paris in der Stadt Reims vermutet. Eine Spezialeinheit der französischen Polizei ist vor Ort im Einsatz. Ein junger Mann stellt sich der Polizei. Sein Name war in den Sozialen Medien aufgetaucht. Ihm wurde eine Komplizenschaft unterstellt. Er beteuert jedoch seine Unschuld.

Donnerstag, 8. Januar - Auf der Flucht

09.30 Uhr: Im Pariser Süden ereignet sich eine weitere Schießerei, bei der eine Polizistin getötet und ein weiterer schwer verletzt wird. Ein Zusammenhang mit dem Attentat wird zunächst nicht bestätigt.

10.30 Uhr: Die flüchtigen Attentäter von Charlie Hebdo sollen in Département Aisne im Nord-Osten Frankreichs, eine Tankstelle überfallen haben.

12.00 Uhr: Frankreich trauert mit einer Schweigeminute im ganzen Land (eine Reportage).

Nachmittag bis Abends: Die Polizei sucht zunächst in Nordfrankreich nach den beiden Attentätern. 88 000 Beamten sind im Einsatz, darunter 1150 Soldaten.

Ab 19 Uhr: Das Fahndungsgebiet wird auf das Dorf Corcy und ein Waldstück bei Longpont in Aisne eingeengt. Dort sollen die bewaffneten Brüder ihr Fahrzeug zurückgelassen haben.

Freitag, 9. Januar - Polizei tötet Attentäter

10.00 Uhr: Die Attentäter verschanzen sich in einer Druckerei in Dammartin-en-Goële.

11.30 Uhr: Die Polizei fordert die Bewohner der Gemeinde Dammartin-en-Goële auf, ihre Häuser wegen des Einsatzes nicht mehr zu verlassen.

11.53 Uhr: Präsident François Hollande betont, dass alles getan werden müsse, um die Sicherheit der Franzosen zu gewährleisten.

12.30 Uhr: Die Polizei umstellt die Druckerei und versucht, mit den Islamisten in Kontakt zu treten, um eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen.

13.36 Uhr: Es wird bekannt, dass es am östlichen Stadtrand von Paris zu einer weiteren Schießerei mit Geiselnahme in einem Geschäft für koschere Lebensmittel gekommen ist. Der Geiselnehmer soll nach französischen Medienberichten aus derselben Pariser Dschihad-Gruppe stammen, wie die beiden mutmaßlichen Charlie-Hebdo-Attentäter.

Am Nachmittag: In Dammartin-en-Goële halten sich die beiden gesuchten Brüder weiter verschanzt. Im Osten von Paris werden wegen der anderen Geiselnahme weite Teile des sonst belebten Stadtteils lahmgelegt. "Im Augenblick müssen wir alle in unseren Klassen bleiben", berichtet ein Schüler. Es gibt verschiedene Berichte über zwei Tote.

17.00 Uhr: In Dammartin-en-Goële sind Rauchwolken zu sehen. In einer Übertragung im französischen Fernsehen sind zudem Schüsse zu hören. Die beiden Terrorverdächtigen seien getötet worden, bestätigen die Behörden später. Eine angebliche Geisel entkommt.

17.15 Uhr: Die Polizei beendet auch die zweite Geiselnahme in Paris. Fünf Menschen, darunter ein Verdächtiger, sterben.

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