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Vereinte Nationen warnen:Dramatische Flüchtlingswelle aus Syrien erwartet

Es sind drastische Zahlen, die die Vereinten Nationen zu Syrien veröffentlichen: 2,5 Millionen Menschen sind hilfsbedürftig, bis Ende des Jahres steht eine neue Massenflucht bevor. Der Krieg tobt unvermindert zwischen dem Assad-Regime und seinen Gegnern - am Mittwoch sterben so viele Menschen, wie an keinem Tag zuvor seit Beginn der Kämpfe.

Der Konflikt in Syrien wird nach Einschätzung der Vereinten Nationen in den kommenden Monaten zu einer drastisch steigenden Zahl von Flüchtlingen führen. "Wir bereiten uns auf bis zu 700.000 Flüchtlinge bis Ende des Jahres vor", sagte der Europa-Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Daniel Endres, der Frankfurter Rundschau. Bislang seien etwa 250.000 Syrer von der Türkei, Jordanien, dem Libanon und dem Irak aufgenommen worden.

Nach Angaben der EU kann zudem nicht ausreichend humanitäre Hilfe in Syrien geleistet werden, weil die Gewalt dort stetig zunimmt. Insgesamt sei die Zahl der Hilfsbedürftigen im Land von einer Million im März auf aktuell 2,5 Millionen angestiegen.

Skeptisch äußerte sich Endres zum Vorstoß des französischen Präsidenten Francois Hollande, Schutzzonen für die Zivilbevölkerung in Syrien einzurichten. Dies sei nur möglich, wenn die Sicherheit der Menschen vom UN-Sicherheitsrat oder von der syrischen Regierung gewährleistet werde. "Aber diese Bedingungen sind nicht gegeben", sagte Endres. Solange müssten die Menschen das Recht haben, in einem anderen Staat um Asyl nachzusuchen.

Blutiger Mittwoch

Der vor rund 18 Monaten begonnene Volksaufstand gegen die Führung von Präsident Baschar al-Assad hat sich längst zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet, der immer mehr Todesopfer fordert. In Syrien sind nach Angaben der Opposition am Mittwoch mehr als 370 Menschen getötet worden. Das berichteten die Lokalen Koordinierungskomitees in der Nacht zum Donnerstag im Internet. Diese sei die höchste Zahl von Todesopfern an einem Tag seit Ausbruch des Konflikts im März 2011, berichtete CNN.

Ingesamt sollen demnach in dem Konflikt mehr als 30.000 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter mehr als 21.000 Zivilisten. Andere Schätzungen, wie die der UN, liegen deutlich niedriger. Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht.

Eine politische Lösung ist nicht in Sicht, da China und Russland im UN-Sicherheitsrat ihre Hände schützend über Assad halten. Das Golfemirat Katar plädierte daher am Mittwoch für eine Intervention der arabischen Staaten in Syrien.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/AFP/odg/sebi

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