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Vereinte Nationen:Machtmissbrauch in UN-Behörde

Ein Prüfbericht verschärft die Krise beim Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge. Es gibt Vorwürfe, welche die höchste Ebene der Mammutbehörde mit 30 000 Angestellten betreffen.

Von Moritz Baumstieger

Der Schweizer Pierre Krähenbühl, 53, Direktor des Hilfswerks UNRWA, soll seine Freundin nach kurzer Zeit befördert haben. Die Affäre verstärkt die Probleme der Mammutbehörde.

(Foto: Thomas Coex/AFP)

Ein interner Prüfbericht erhebt schwere Vorwürfe gegen die Führung des Hilfswerks der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) - und stürzt die Behörde nach dem Zahlungsstopp der USA in eine weitere schwere Krise.

In dem zehnseitigen Dokument, das vom Ethikbüro der UNRWA erstellt und an die Zentrale der Vereinten Nationen nach New York geschickt wurde, ist von Machtmissbrauch, Missmanagement, sexuellem Fehlverhalten und Günstlingswirtschaft die Rede.

Der Prüfbericht wurde bereits im vergangenen Dezember verfasst, nun wurde er dem Sender Al Jazeera zugespielt. Die Vorwürfe betreffen vor allem die obersten Ebenen der Mammutbehörde, in der sich 30 000 Angestellte um fünf Millionen Palästinenser kümmern.

Der Schweizer Direktor Pierre Krähenbühl soll eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin gehabt haben, die ein Jahr nach seinem Amtsantritt 2014 "äußerst schnell" auf einen Chefberaterposten befördert wurde und ihn fortan auf Flugreisen in der Business Class begleitete.

Im Monat sei Krähenbühl 28 bis 29 Tage nicht im UNRWA-Hauptquartier in Jerusalem gewesen und habe dafür Tagegeld in Rechnung gestellt. Eine Stellvertreterin des 53-Jährigen soll ihrem Ehemann zudem einen gut dotierten Posten bei der UNRWA organisiert haben. Mitarbeiter mit abweichenden Meinungen seien gemobbt, einigen sogar gekündigt worden.

Der Bericht kommt zum Schluss, dass das Verhalten der Beschuldigten "ein enormes Risiko für die Reputation der UN" bedeute und dass ihre "unverzügliche Abberufung gewissenhaft geprüft" werden sollte. Ein ranghoher Mitarbeiter habe seinen Posten laut der Agentur AFP bereits räumen müssen, andere seien von sich aus gegangen. Unter Verweis auf laufende Ermittlungen wollten die UN keinen Kommentar abgeben, UNRWA-Chef Krähenbühl selbst wies die Vorwürfe zurück.

Kritik an der Behörde war zuletzt auch politisch motiviert

Für die Behörde könnte sich die Affäre als fatal erweisen. Zuletzt befand sich die UNRWA ohnehin in der Defensive, nachdem US-Präsident Donald Trump 2018 die 360 Millionen Dollar gestrichen hatte, mit denen die USA bisher ein Drittel des Etats des Hilfswerks finanziert hatten. Die Behörde sei "hoffnungslos fehlerbehaftet", hieß es damals aus Washington - eine Kritik, die auf Korruption und mangelnde Effizienz zielte, aber auch politisch auf die Legitimationsgrundlage der UNRWA: Sie ist die einzige UN-Behörde, die sich um Flüchtlinge eines einzelnen Konflikts kümmert, für alle anderen ist das Hilfswerk UNHCR zuständig. Und da sie auch die Nachkommen der etwa 750 000 Palästinenser als Flüchtlinge zählt, die 1948 im arabisch-israelischen Krieg ihre Häuser verlassen mussten, werfen ihr Kritiker vor, die Flüchtlingsfrage zum Nachteil Israels künstlich aufzubauschen.

Nach dem Rückzug der USA erhöhten europäische Staaten und Kanada ihre Beiträge, Deutschland beispielsweise von 80 auf rund 100 Millionen Euro. Diese Unterstützerfront bröckelt nun. Bis die Untersuchungen beendet sind, will etwa die Schweiz ihren Beitrag von 20 Millionen Euro zurückhalten.

© SZ vom 01.08.2019

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