bedeckt München 21°

UN-Jubiläum:Merkel: "Wer meint, allein besser zurechtzukommen, irrt"

German Chancellor Merkel holds a video news conference with EU Council President Michel and EU Commission President von der Leyen, in Berlin

"Unser Wohlergehen ist ein geteiltes. Und unser Leid auch": Angela Merkel zum 75. Gründungstag der UN.

(Foto: REUTERS)

In ihrer Grußbotschaft zum 75. Geburtstag der Vereinten Nationen kritisiert die Kanzlerin nationale Alleingänge scharf. Deutschland sei bereit, Verantwortung zu übernehmen - "gerne auch in einem erweiterten Sicherheitsrat".

Kanzlerin Angela Merkel hat zum 75. Geburtstag der Vereinten Nationen (UN) deren Einigkeit und Reformbereitschaft beschworen. "Die Vereinten Nationen können letztlich nur so gut sein, wie ihre Mitglieder sich einig werden", sagte die CDU-Politikerin in einer kurzen Videobotschaft zum Festakt anlässlich des Jubiläums in New York. "Zu oft ist der UN-Sicherheitsrat blockiert, wenn es auf klare Entscheidungen ankommt. Wir brauchen Reformen." Die UN müssten sich weiterentwickeln, um die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen zu können.

Merkel ging mit Blockierern hart ins Gericht. Länder wie Russland und China nannte sie dabei aber ebenso wenig beim Namen wie den US-Präsidenten Donald Trump, der wiederholt nationale Alleingänge einer internationalen Konfliktlösung vorgezogen hat. Zu oft "müssen die Vereinten Nationen hinter ihren Idealen zurückbleiben, weil immer wieder Interessen einzelner Mitglieder verhindern, dass das Ordnungssystem so funktioniert, wie es müsste", sagte Merkel. "Doch wer meint, allein besser zurechtzukommen, der irrt. Unser Wohlergehen ist ein geteiltes. Und unser Leid auch. Wir sind eine Welt."

Die Corona-Pandemie zeige beispielhaft, "dass globale Probleme über Ländergrenzen hinweg und auf allen Ebenen Verständigung und Zusammenarbeit erfordern". Gerade auch bei schwierigsten Sicherheitsfragen, die sich etwa in Libyen oder bei der "Tragödie in Syrien stellen, gilt es trotz aller Rückschläge alles dafür zu tun, gemeinsame und damit tragfähige Antworten zu finden".

Merkel lässt Wunsch nach Reform des Sicherheitsrats anklingen

Deutschland sei bereit, weiterhin Verantwortung zu tragen, "gerne auch in einem erweiterten Sicherheitsrat", sagte die Kanzlerin. Hintergrund ist der deutsche Wunsch auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, in dem das Land derzeit als nichtständiges Mitglied für zwei Jahre vertreten ist.

Merkel würdigte die Arbeit der Vereinten Nationen bei der Friedenskonsolidierung etwa in Afghanistan und in Mali, aber auch deren Beteiligung an der Verfolgung von Kriegsverbrechen sowie im Kampf gegen Armut und bei der Ausrottung der Pockenkrankheit. So habe die UN großen Anteil daran, "dass heute nur noch halb so viele Menschen in extremer Armut leben wie vor 20 Jahren", führte sie aus. Ein Problem, vor dem die gesamte Menschheit gemeinsam steht, nannte Merkel diesmal nicht: den Klimawandel.

Den sprach zum Auftakt der Veranstaltung UN-Generalsekretär António Guterres an. Es brauche eine effektive Zusammenarbeit, um Problemen wie Klimawandel, Ungerechtigkeit, Armut, Hass und der Benachteiligung von Frauen zu begegnen.

Ursprünglich war erwartet worden, dass US-Präsident Donald Trump eine aufgezeichnete Rede senden würde. Stattdessen veröffentlichte die US-Regierung jedoch lediglich eine Ansprache der Vize-Botschafterin bei den UN, Cherith Norman Chalet. Sie wies auf die Bedeutung der UN hin, betonte jedoch vor allem den Reformbedarf. "Für die Trump-Regierung ist dieses Jubiläum ein wichtiger Moment, um die vielen Erfolge der Vereinten Nationen zu markieren - aber dies mit klaren Augen zu tun und einer erneuten Entschlossenheit, dieses wichtige Gremium seinen Zweck erfüllen zu sehen."

© SZ/dpa/Reuters/jobr/mcs
Wladimir Putin, Angela Merkel, Donald Trump

Pew-Studie
:Ansehen der USA in Deutschland auf neuem Tiefpunkt

Das Vertrauen in den russischen und chinesischen Präsidenten ist inzwischen in etlichen Ländern höher als in den US-Präsidenten, wie eine aktuelle Studie zeigt. Bundeskanzlerin Merkel dagegen genießt weltweit hohe Wertschätzung.

Von Markus C. Schulte von Drach

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite