Vereinigte Staaten:Homo-Ehe legalisiert

US-Verfassungsrichter stellen Schwule und Lesben gleich, künftig darf ihnen in keinem Bundesstaat die Heirat verwehrt werden.

Von Hubert Wetzel

In einer historischen Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof der USA die Homo-Ehe in allen 50 Bundesstaaten für legal erklärt. Die amerikanische Verfassung garantiere auch gleichgeschlechtlichen Paaren überall im Land ein Recht auf Eheschließungen, urteilten die Richter der am Freitag veröffentlichten Entscheidung zufolge.

US-Präsident Barack Obama nannte das Ergebnis einen großen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung. "Amerika sollte sehr stolz sein", sagte er. Das Gericht hat damit in einer der am härtesten umkämpften politischen Streitfragen eine Entscheidung gefällt. Fünf der neun Richter stimmten für die Legalisierung, vier dagegen. Da das Gericht in zwei ideologische Lager gespalten ist, kommen derart enge Entscheidungen bei politisch aufgeladenen Fällen öfter vor. Dabei haben die Richter der liberalen Mehrheit ein durchaus konservatives Argument vorgebracht: Die Ehe sei ein Stützpfeiler von Familie und Gesellschaft. Die Geschlechter der Ehepartner spiele in dieser Hinsicht keine Rolle. Zudem gebiete es das Recht auf individuelle Freiheit, seinen Lebenspartner selbst wählen zu können.

Derzeit können gleichgeschlechtliche Paare in 36 der 50 US-Staaten heiraten. In den anderen - vor allem in den konservativen Südstaaten - ist ihnen das zum Teil per Verfassung verwehrt. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs ist das nicht mehr möglich. Zudem müssen dem Urteil zufolge alle Bundesstaaten die Eheschließungen aus anderen Staaten anerkennen.

Der Fall ist der zweite Rückschlag für die Republikaner und konservative Organisationen vor dem Gericht binnen weniger Tage. Am Donnerstag hatte das Gericht die von Konservativen attackierte Gesundheitsreform von Obama gebilligt. Während die republikanischen Präsidentschaftsbewerber darüber insgeheim wohl sogar froh waren - sie haben keine realistischen Alternativpläne -, dürfte das Urteil zu den Homo-Ehen in rechten politischen Kreisen einen Proteststurm auslösen. Der Kampf gegen die Homo-Ehe gehört vor allem für den sozialkonservativen Flügel der Republikaner und rechtsreligiöse Organisationen zum Selbstverständnis und ist eine stetige Quelle von Spenden. Für Homosexuellen-Organisationen ist das Urteil hingegen das Ende eines langen Ringens.

Jonathan Contreras, Bonnie Casillas

Freude vor dem Gerichtshof.

(Foto: Jacquelyn Martin/AP)
© SZ vom 27.06.2015
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