Vereinigte Staaten:Aus, Hasso!

Lesezeit: 2 min

Warum in den USA viele Drogenhunde zu Frührentnern werden.

Von Kathrin Werner

Aries blickt stolz in die Kamera, die großen Ohren gespitzt, die Zunge hängt ihm lang aus dem Mund, die Muskeln zeichnen sich unter seinem glänzenden Fell ab. Er sieht aus, als könne er sofort lossprinten. Aries ist bereit für seinen nächsten Einsatz. Doch das Foto, für das der siebenjährige Hund hier posiert, ist sein Abschiedsbild. Aries, von Beruf Drogenspürhund, geht in Pension. Genauer gesagt: in Frühpension.

Die Polizei von Tucumcari, einem 5000-Einwohner-Städtchen an der Route 66 im US-Bundesstaat New Mexico, hat seine Pensionierung angekündigt und trauert ihm auf Facebook hinterher. Und so wie in Tucumcari müssen derzeit viele Strafverfolgungsbehörden in den USA ihre Drogenhunde in Frührente schicken. Grund dafür ist die Legalisierung von Marihuana in mehreren Bundesstaaten. Wer älter ist als 21 Jahre, darf in New Mexico, Virginia und Connecticut seit wenigen Tagen kleinere Mengen Cannabis bei sich führen und auch selbst anbauen. Mehr als ein Drittel aller Amerikaner lebt inzwischen in Bundesstaaten, in denen Kiffen nicht mehr verboten ist.

Umtrainieren kann man die Hunde nicht

Für die Drogenhunde ist das ein Problem. Und zwar nicht nur, weil ihre Arbeit weniger gebraucht wird, sondern vor allem, weil sie nicht zwischen Gras und anderen Drogen unterscheiden können. Wenn sie aber anschlagen, wenn jemand seinen völlig legalen Joint in der Hosentasche trägt, und die Polizisten den Menschen dann durchsuchen, verletzen sie seine Persönlichkeitsrechte. Aries zum Beispiel kann Marihuana, Methamphetamine, Heroin, Kokain und Ecstasy erschnüffeln, aber nicht sagen, was er gefunden hat. Umtrainieren kann man die Tiere nicht. "Das bedeutet, dass es das Einfachste war, die Hunde nicht mehr für diesen Zweck einzusetzen", sagte Steve Hebbe, der Polizeichef der Stadt Farmington in New Mexico, dem lokalen Fernsehsender KOB4. In Farmington werden Hasso und ein weiterer Hund deshalb in Rente geschickt.

In all den Bundesstaaten müssen die Behörden nun neue Spürhunde kaufen und so trainieren, dass sie auf alle Drogen außer Marihuana reagieren. Das Ministerium für öffentliche Sicherheit in New Mexico warnte schon Anfang des Jahres, dass im Grunde alle Hunde ersetzt werden müssen - und dass dies allein für die neun Hunde bei der bundesstaatlichen Strafverfolgungsbehörde fast 200 000 Dollar kosten werde. Hinzu kommen die Kosten in den einzelnen städtischen Polizeistationen, die die Kommunen tragen.

Allerdings stehen dem auch neue Einnahmen gegenüber, weil Marihuana-Geschäfte und allerlei Zubehör-Start-ups entstehen. Allein die Steuereinnahmen daraus sind verlockend für die Gouverneure der Bundesstaaten. Die Teillegalisierung in New York soll zum Beispiel jährlich 350 Millionen Dollar einbringen. Da lassen sich die Kosten für die Hunde verschmerzen.

Um Aries müsse man sich jedenfalls keine Sorgen machen, betont die Polizei von Tucumcari, ihm stehe ein schöner Ruhestand bevor. "Keine Drogen mehr, kein Spurenlesen und keine langen Schichten", teilte die Behörde mit. Sein Halter verspricht ihm stattdessen viel Zeit zum Spielen, Bauchkraulen und so viele Eistüten, wie sein Herz begehrt.

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