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Vereinigte Arabische Emirate:"Geduld, Weisheit und Deeskalation"

Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan bei Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Scheich Mohammed bin Zayed al-Nahyan treffen sich im Schloss Bellevue.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Die Emirate präsentieren sich als verlässlichen Partner für Berlin - auch in der Iran-Krise.

Gleich zwei Mal hat Mohammed bin Zayed al-Nahyan am Mittwoch in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen. Auf ein Gespräch sollte am Abend noch ein Dinner mit dem Kronprinzen der Vereinigten Arabischen Emirate folgen, den die New York Times zum "mächtigsten arabischen Herrscher" ausgerufen hat. "MbZ", wie der 58-Jährige auch genannt wird, ist nach Deutschland gekommen, um die bilateralen Beziehungen "zu vertiefen und auszubauen", sagte Sultan Ahmed al-Jaber der Süddeutschen Zeitung. Der Staatsminister, zuständig für strategische Fragen, gilt als rechte Hand des Kronprinzen, der ihn zum Sondergesandten für die Beziehungen zu Deutschland ernannt hat. "Die Vereinigten Arabischen Emirate sehen Deutschland als ihren logischen und natürlichen strategischen Partner in Europa", sagt er. "Und wir glauben auch, dass Deutschland erkennen sollte, dass die Emirate Deutschlands natürlicher und logischer strategischer Partner in unserer Region sind."

Diesem Wunsch ist die Bundesregierung gewogen, wie aus der 46 Punkte umfassenden gemeinsamen Erklärung hervorgeht, die am Abend veröffentlich wurde. Darin heißt es, beide Seiten wollten auf "eine noch umfassendere strategische Partnerschaft" hinarbeiten. Eng sind die Beziehungen sind ohnehin: Die Emirate sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands in der arabischen Welt, mehr als 900 deutsche Firmen haben Niederlassungen dort. Angesichts der "vielen Gemeinsamkeiten zwischen unseren beiden Ländern", etwa als wirtschaftliche Zugpferde ihrer Regionen, sollten "wir die offensichtlichen Möglichkeiten nutzen", sagt al-Jaber, der auch die nationale Ölgesellschaft Abu Dhabis (Adnoc)

leitet. Das ist sein neuester Job, und so rattert er eine ganze Liste von Vorschlägen herunter: "Zum Beispiel sind erneuerbare Energien in beiden Ländern ein wichtiges Thema." Deutschland und die Emirate könnten gemeinsam eine Führungsrolle bei deren Entwicklung und Einsatz einnehmen. Al-Jaber holte schon die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (Irena) in die Emirate: Sie sitzt in Masdar, einer Öko-Planstadt in der Wüste, die durch traditionelle arabische Bauweisen und moderne Technologien CO₂-neutral sein soll.

Auch moderne Landwirtschaft nennt der Staatsminister - und den Klimawandel. Dessen Folgen machen seinem Land, einem wichtigen Ölproduzenten, bereits heute zu schaffen. Wie wenige andere Förderländer haben die Emirate allerdings die Öleinnahmen genutzt, um ihre Wirtschaft zu diversifizieren. Andere Bereiche für stärkere Kooperation sieht al-Jaber in der Informationstechnologie, so bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Beim Thema Jemen oder Iran gebe es allerdings auch "falsche Wahrnehmungen", so al-Jaber

Gegenseitigen Nutzen aus den Beziehungen hält al-Jaber auch in der Außenpolitik für denkbar, einem Bereich, in dem es zuletzt immer wieder Meinungsverschiedenheiten gab. So hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Treffen mit dem Kronprinzen am Dienstag die Beteiligung der Emirate am Krieg in Jemen angesprochen, deretwegen die Bundesregierung ein Waffenembargo verhängt hat. Merkel sprach mit ihm ausführlich über die Sicherheitslage am Golf. Solange es einen offenen Dialog gebe und man transparent und direkt miteinander rede, seien gelegentliche Meinungsverschiedenheiten unter guten Partnern kein Problem, sagte al-Jaber. Beim Thema Jemen oder Iran gebe es allerdings auch "falsche Wahrnehmungen" und einen Mangel an Verständnis oder an Informationen über die Situation. Er betont, die Emirate seien zusammen mit Saudi-Arabien in Jemen auf Bitten der international anerkannten Regierung präsent: "Das Ziel der Emirate ist eine politische Lösung."

An einer neuen militärischen Konfrontation um die strategisch bedeutende Hafenstadt Hodeidah habe sein Land "kein Interesse" - eine Position, die westliche Diplomaten für glaubhaft halten. Man müsse aber, sagte al-Jaber, Extremismus, Terrorismus und die mit Iran verbündete Huthi-Miliz bekämpfen. "Wir können nicht zulassen, dass Jemen ein zweites Syrien wird oder eine weitere Plattform für Iran, um sein Vordringen in die Region voranzutreiben." Ein Angriff der Huthis auf den Flughafen der saudischen Stadt Abha am Mittwoch dürfte diese Haltung bestärken. Dabei wurden nach Angaben aus Riad 26 Menschen verletzt. Die Huthis teilten in ihrem TV-Sender mit, sie hätten einen Marschflugkörper auf Abha gefeuert.

"Iran ist unser Nachbar", sagte al-Jaber. Die Emirate würden am meisten profitieren, wenn Iran sich als friedlicher und positiver Partner in der Region zeigen würde. Dafür müsse das Regime aber "seine expansionistische Politik und die Einmischung in die Angelegenheiten arabischer Staaten" beenden. Die Emirate seien "sehr geduldig" mit Iran gewesen und würden das weiter sein. Als Beispiel nannte al-Jaber Angriffe auf Schiffe vor Fujairah. Anders als die USA und Saudi-Arabien haben die Emirate Iran nicht öffentlich der Sabotage bezichtigt. "Wollen wir irgendeine Eskalation? Überhaupt nicht. Unsere Position bezüglich Iran bleibt: Geduld, Weisheit und Deeskalation", sagte al-Jaber. Eine militärische Konfrontation mit Iran sei "nicht auf unserer Agenda". Er sei zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen werde, sagte er. "Wir werden alles tun, um dieses Ergebnis zu vermeiden."