Gewerkschaft Verdi:Bundesweiter Warnstreik lähmt Nahverkehr

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Warnstreiks im öffentlichen Dienst - Berlin

Streik-Anzeige an der Berliner Haltestelle Bahnhof Zoologischer Garten

(Foto: dpa)

Busse und Bahnen stehen seit den Morgenstunden in zahlreichen deutschen Städten und Regionen still. Auch die Arbeit in Altenheimen und Krankenhäusern wie der Berliner Charité ist eingeschränkt.

Im Nahverkehr und im öffentlichen Dienst finden am Dienstag Warnstreiks statt. Busse und Bahnen stehen wegen Warnstreiks seit den Morgenstunden in zahlreichen deutschen Städten und Regionen still.

Betroffen sind zum Beispiel die Region Hannover, Magdeburg, Kiel und Erfurt. Auch in Bremen, Konstanz und Freiburg legen Beschäftigte im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) die Arbeit nieder. Die Betriebe riefen ihre Kunden auf, am Dienstagmorgen auf nicht erforderliche Fahrten zu verzichten und auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

In Bayern hat Verdi in elf Städten die Beschäftigten von kommunalen Verkehrsbetrieben und privaten Omnibusunternehmen zum Arbeitskampf aufgerufen. Die Verkehrsbetriebe kündigten an, dass Busse und Bahnen deshalb den ganzen Tag über nur eingeschränkt fahren oder ganz ausfallen könnten. Warnstreiks soll es in Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Landshut, Fürth, Coburg, Bamberg, Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt geben sowie in München (hier mehr zum Streik und seinen Auswirkungen in der Landeshauptstadt). Die Nürnberger Verkehrs-Aktiengesellschaft hat einen Streikfahrplan eingerichtet: Statt U-Bahnen und Straßenbahnen fahren Busse entlang des Nachtliniennetzes. In Würzburg fallen Busse, Müllabfuhr und Straßenreinigung aus.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen rechnete Verdi vorab mit etwa 10 000 Arbeitnehmern, die sich dem Streik anschließen. So warnte das Düsseldorfer Nahverkehrsunternehmen Rheinbahn, dass Straßenbahnen, U-Bahnen und Rheinbahn-Buslinien wegen des Warnstreiks nicht fahren. Es befördert werktags normalerweise 745 000 Fahrgäste in der Region. In Köln erklärten die Verkehrsbetriebe KVB, dass bis Mittwoch 3.00 Uhr keine Stadtbahnen fahren. Im Busverkehr würden nur die Fahrten stattfinden, die nach Plan durch Subunternehmer durchgeführt werden. In Dortmund soll der Nahverkehr vollends eingestellt werden, erklärte das Verkehrsunternehmen DSW21.

In der Bundeshauptstadt Berlin streiken nicht nur die Verkehrsbetriebe BVG. Mit Beginn der Frühschicht rief Verdi auch Beschäftigte der Charité und des Vivantes-Klinikums zu einem zweitägigen Warnstreik für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen auf. Die Streikbereitschaft auf vielen Stationen der Kliniken sei groß, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Daher werde es dort vielfach nur eingeschränkten Betrieb mit weniger Personal als üblich geben. Denkbar sei zudem, dass nicht lebensnotwendige Operationen verschoben werden müssten. Das Wohl der Patienten solle aber durch den Arbeitskampf keinesfalls gefährdet werden.

Auch im benachbarten Brandenburg waren erhebliche Einschränkungen für die Bus- und Bahnkunden angekündigt. Man habe Beschäftigte der zwölf öffentlichen Nahverkehrsbetriebe zum Warnstreik aufgerufen, sagte am frühen Dienstagmorgen Jens Gröger, Verdi-Geschäftsführer für Nordostbrandenburg und dort zuständiger Verhandlungsführer. Der Warnstreik sollte den ganzen Tag dauern.

In Hamburg sind nach der Stadtreinigung, den Kitas und Krankenhäusern nun auch die Mitarbeiter der Nahverkehrsbetriebe in den Warnstreik getreten. Mit Betriebsbeginn am frühen Dienstagmorgen haben Angestellte der Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg die Arbeit niedergelegt.

In Mecklenburg-Vorpommern sind Schüler mit langem Schulweg wegen des Warnstreiks am Dienstag sogar vom Unterricht befreit, wenn ihr Bus oder ihre Straßenbahn nicht fährt.

In Hessen soll es in Frankfurt Warnstreiks bei Straßenbahnen und U-Bahnen geben, in Wiesbaden bei den Bussen der ESWE und in Kassel bei den Straßenbahnen und Bussen.

In Baden-Württemberg ist der öffentliche Nahverkehr weitgehend gelähmt. In Stuttgart fahren keine Busse oder Stadtbahnen, wie ein Verdi-Sprecher am Morgen sagte. Auch in Karlsruhe, Baden-Baden, Heilbronn, Mannheim und Heidelberg hätten die Verkehrsbetriebe die Arbeit niedergelegt. Es gab allerdings noch Ausnahmen, in Esslingen etwa würden weiterhin Schüler befördert.

Verdi und der Beamtenbund dbb fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Mitte September war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis geblieben. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 22. und 23. Oktober angesetzt. Zwar gehört auch der öffentliche Nahverkehr zum öffentlichen Dienst, mit den Tarifverhandlungen haben die Forderungen der Gewerkschaft aber nichts zu tun.

Verdi hatte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, um bundesweite Tarifgespräche für die 87 000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr durchzusetzen. Bisher verhandeln alle 16 Bundesländer einzeln.

Die Arbeitgeber stünden demnach einer solchen einheitlichen Regelung bislang ablehnend gegenüber. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lehnt eigenen Angaben zufolge die Aufnahme von bundesweiten Verhandlungen bei gleichzeitigen Tarifrunden auf Landesebene ab.

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