Venezuelas Wahlsieger Maduro:Kurskorrektur? Mit Maduro nicht zu machen

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Korrekturen am Kurs sind von Maduro nicht zu erwarten, er ist als Politiker ein hundertprozentiges Produkt des Chavismus. Den Wahlkampf führte er in einer Weise, dass manche Beobachter sich fragten, ob er Chávez' "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" mit dem Magischen Realismus des Schriftstellers Gabriel García Márquez zu einer Art Magischen Sozialismus vereinen wolle.

Neben dem elektronischen Kurznachrichtendienst Twitter, in Venezuela eines der wichtigsten Wahlkampfinstrumente, griff er nach eigener Darstellung auf eine Art spirituelles Twitter zurück. Chávez sei ihm als Vögelchen erschienen und habe ihm seinen Segen gegeben, sagte Maduro. Er nannte den verstorbenen Präsidenten abwechselnd "Vater", "Prophet" oder "Held".

Spott darüber konterte er mit den Worten: "Lassen Sie doch die Intoleranz, die Respektlosigkeit gegenüber der tiefen Spiritualität der christlichen Männer und Frauen, die wir fest an die Werte eines Führers glauben, der zu Lebzeiten die Werte Christi verkörperte." Maduro kopierte Chávez bis zu dem Punkt, dass er behauptete, auch gegen ihn sei in den USA ein Mordkomplott ausgeheckt worden.

Spätestens mit Maduros Wahlsieg kommt das Hauptmanko des Chavismus so richtig zum Vorschein. Er war auf eine Führungsfigur zugeschnitten, eben auf Hugo Chávez selbst. Potente mögliche Nachfolger, die intellektuell auf seiner Höhe waren, hat der Staatschef nie zugelassen. Minister wurden häufig ausgetauscht, im Staatsapparat machten sich Nutznießer und Hofschranzen breit, die von der Opposition spöttisch Boli-Bourgeois genannt werden - eine Anspielung an den Begriff "Bolivarische Revolution". Man erkennt sie an den aus USA importierten Geländewagen und den Urlauben in Miami.

Hauptqualifikation Loyalität

Chávez schätzte den früheren Busfahrer Maduro wegen seiner unverbrüchlichen Loyalität, weshalb er ihn zu seinem Nachfolger auserkor. In der Auseinandersetzung mit dem Oppositionskandidaten gebärdete Maduro sich nicht weniger rabiat als sein Vorgänger Chávez, nutzte den Regierungsapparat für den Wahlkampf, hielt noch am Wahltag eine Pressekonferenz ab. Als ein Hacker sein Twitter-Konto kaperte, ließ Maduro das Internet im Land abschalten.

"Ich kämpfe nicht gehen einen Kandidaten, sondern gegen den Missbrauch der Macht", sagte Rivale Capriles. Er musste sich persönliche Angriffe gefallen lassen, aus den hinteren Reihen der bolivarischen Bewegung waren mehr oder weniger offene Attacken gegen seine jüdische Herkunft aus wohlhabenden Schichten zu vernehmen.

"Mir gefallen Frauen schon", sagte Maduro - in Anspielung auf ein von Regierungsseite gerne kolportiertes Gerücht, Capriles sei homosexuell. Dass dies im Maduro-Lager als Mittel angesehen wird, einen Kandidaten schlecht zu machen (während in Argentinien und Uruguay die Homo-Ehe legalisiert wird) zeigt, dass der Sozialismus des 21. Jahrhunderts noch nicht recht in diesem Jahrhundert angekommen zu sein scheint.

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