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Krise in Venezuela:Guaidó setzt auf die Verzweiflung vieler Venezolaner

Die offizielle Begründung dafür lautet, dass der Oppositionsführer eine Ausreisesperre verletzt habe, als er Ende Februar durch Lateinamerika tourte. Theoretisch könnte er nun jederzeit verhaftet werden. Guaidó nimmt das jedoch gelassen hin, was vor allem daran liegen dürfte, dass die US-Regierung nach wie vor hinter ihm steht. "Natürlich wollen sie mich im Gefängnis sehen", sagte er am Montag bei einer Kundgebung in San Bernadino in der Nähe der Hauptstadt. "Aber darum müssen wir uns keine Sorgen machen."

Auch Guaidó versucht, die chaotische Lage rund um die Stromausfälle für sich zu nutzen. "Wir werden wieder Wasser und Strom haben, wenn der Thronraub vorbei ist", sagte er in San Bernardino. Er bezeichnet Maduro gern als "usurpador", zu deutsch Thronräuber. An diesem Samstag will Guaidó "Operation Freiheit" starten, er meint damit eine Serie von Demonstrationen, um Maduro endlich davonzujagen. Weil der Oppositionsführer damit zuletzt kaum vorankam, dürfte ihm jeder Venezolaner recht sein, der nun aus Verzweiflung zu ihm überläuft.

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Der regimetreue Rechnungshof untersagt dem venezolanischen Oppositionsführer die Ausübung politischer Ämter für 15 Jahre. Guaidó will das nicht anerkennen - und ruft zu neuen Demonstrationen auf.

Schon vor Wochen hatte Maduro angekündigt, er werde Beweise dafür vorlegen, dass die USA die Stromausfälle verursacht hätten, durch Cyberattacken auf das Wasserkraftwerk am Guri-Stausee, das 80 Prozent des Landes mit Energie versorgt. Er schickte dann seinen Informationsminister Jorge Rodríguez ins Staatsfernsehen, um die "Beweise" zu präsentieren. Sie bestehen im Wesentlichen aus einem Tweet des republikanischen US-Senators Marco Rubio, der kurz nach dem ersten großen Stromausfall bereits darüber berichtete. "Wie konnte er davon wissen?", fragte Rodríguez, obwohl zu diesem Zeitpunkt längst Berichte in der Welt waren.

"Beweis" Nummer zwei lieferte der Staatssender Telesur in einem eigenen Beitrag. Der Opposition nahestehende Venezolaner hätten bereits Tage zuvor auf Twitter von einem "Blackout" gesprochen, heißt es da. Wer eine Minute recherchiert, findet jedoch heraus, dass es nicht um einen bevorstehenden Stromausfall ging - sondern um das Gerücht, dass die Regierung das Internet abschalten könnte, um die Opposition zu gängeln. Später behauptete Maduro dann noch, die "Attacken" seien aus Chicago und Houston gekommen.

Bei Menschen wie Esperanza García hat die Propaganda nicht verfangen. "Diese Leute ruinieren das Land", sagt sie über die Regierung. So sehen es auch einige Mitarbeiter der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft Corpoelec, die darauf hingewiesen haben, dass jahrelang kaum in die Infrastruktur investiert wurde und nötige Wartungsarbeiten unterblieben, weil dafür schlicht die Mittel fehlten. Im Wasserkraftwerk am Guri-See waren Experten zufolge nur elf der zwanzig Turbinen in Betrieb. All das sei letztlich die Folge der gigantischen Korruption des Führungszirkels um Maduro, der Milliarden öffentlicher Gelder ins Ausland geschafft haben soll.

Sie habe nur einen Wunsch, sagt Esperanza García in Villa del Rosario, bevor sie sich verabschiedet. "Mein Gott, das muss bald aufhören." Dann humpelt sie weiter, um endlich Essen zu kaufen.

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