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Machtkampf in Venezuela:Nahrungsmittel könnten den Umbruch bringen

Das Gefühl, dass es bröckelt im Staate Maduro, wurde am Samstag durch einen prominenten Seitenwechsel verstärkt. Der Luftwaffengeneral Francisco Yánez gab per Videobotschaft bekannt, er werde fortan die Befehle des "legitimen Übergangspräsidenten" Juan Guaidó befolgen. "90 Prozent der Streitkräfte" hätten sich inzwischen "gegen den Diktator und auf die Seite des Volkes" gestellt, fügte er an. Das mag übertrieben sein, aber Yánez ist der erste hochrangige General, der sich öffentlich gegen Nicolás Maduro ausspricht. Jetzt wird mit Spannung erwartet, ob er damit weitere Dissidenten animiert. Ohne die Loyalität der Armeeführung wäre die Regierung Maduro wohl sofort erledigt.

Es war schon vorher klar, dass dieser 2. Februar 2019 nicht irgendein Tag in der venezolanischen Geschichte sein würde. Exakt 20 Jahre zuvor hatte der 2013 verstorbene Hugo Chávez sein Amt als venezolanischer Präsident angetreten, es ist der Tag, an dem der Chavismus traditionell seine Macht demonstriert. Diesmal ging es vor allem um Schadensbegrenzung. Zwar ließ sich auch Maduro in der Hauptstadt von einer großen Menge feiern. Darunter waren aber erstaunlich viele Senioren, die mit Bussen herbeigekarrt worden waren.

Mit derlei politischen Butterfahrten dürfte es schwer werden, die krisengeplagten Venezolaner doch noch einmal für eine Zukunft mit Maduro zu begeistern. Und auch dessen Ankündigung, noch in diesem Jahr vorgezogene Parlamentswahlen auszurichten, ist keineswegs ein Versöhnungsangebot an die Demokraten im Land, sondern ein weiterer Affront. Im Parlament besitzt die Opposition seit den letzten freien Wahlen, die es in Venezuela gab, eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Genau deshalb hat Maduro es ja entmachtet.

Guaidó, der Präsident dieses Parlaments, begeisterte seine Zuhörer am Samstag vor allem mit der Ankündigung von humanitären Hilfstransporten. Sie sollen in Kürze über Kolumbien, Brasilien und "eine Karibikinsel" ins Land gebracht werden, sagte er. Der Vorstoß ist einerseits dringend notwendig und andererseits wohl eine ultimative Machtprobe. Maduro hat sich bislang stets gegen humanitäre Hilfe gewehrt, weil es aus seiner Sicht keine humanitäre Krise, keinen Hunger und keinen Gesundheitsnotstand gibt.

Fest steht, dass kein Hilfstransport ohne Kooperation der venezolanischen Streitkräfte die Grenze passieren kann. Guaidó kalkuliert offenbar so: Wenn die sehnlichst erwarteten Nahrungsmittel und Medikamente erst einmal zum Greifen nahe sind, dann wird die Armee der venezolanischen Bevölkerung nicht mehr verwehren können, sie auch zu verteilen. Dann aber hätte sie de facto die Führungsrolle Guaidós anerkannt.

© SZ.de/lho/fued
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