bedeckt München 14°

Venezuela:Das "Imperium" droht mit Schlag

Erst Nordkorea, jetzt Venezuela: US-Präsident Donald Trump hat eine militärische Option gegen das Regime Maduro ins Spiel gebracht. Die Nachbarländer sind dagegen.

Erst Nordkorea, jetzt Venezuela: US-Präsident Donald Trump hat eine militärische Option auch in dem südamerikanischen Land ins Spiel gebracht. "Wir haben viele Optionen für Venezuela, einschließlich einer militärischen, falls nötig", sagte er am Freitag im Urlaubsdomizil in New Jersey. Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro warnt seit Langem vor einer US-Intervention, er rechtfertigt damit viele seiner autoritären Maßnahmen.

Maduro hatte zuletzt eine Verfassungsgebende Versammlung wählen lassen und damit das demokratisch gewählte Parlament faktisch entmachtet. Oppositionelle und zahlreiche Staaten werfen ihm vor, ein autoritäres System zu errichten. Peru wies den venezolanischen Botschafter aus, Chiles Außenminister sagte, Venezuela sei auf dem Weg in die Diktatur. Ein militärisches Eingreifen, wie es Trump ins Spiel bringt, geht den meisten Regierungen der Region jedoch eindeutig zu weit. Die konservativ regierten Länder Kolumbien, Mexiko und Peru verurteilten Trumps Drohungen. "Wir lehnen militärische Mittel und Gewaltanwendung im internationalen System ab", teilte das kolumbianische Außenministerium am Wochenende mit. Die links regierten Staaten sind sowieso auf der Seite des Venezolaners. "Jetzt weiß die Welt: Jene, die gegen Maduro sind, streben nur ein militärisches Eingreifen des Imperiums an", sagte Boliviens Präsident Evo Morales.

Von militärischen Planspielen der US-Regierung ist nichts bekannt. "Das Pentagon hat keine Befehle erhalten", zitierten Medien einen Sprecher des Verteidigungsministeriums. Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino sagte zu Trumps Worten: "Das ist ein verrückter Akt, ein Akt des Extremismus." Außenminister Jorge Arreaza sagte: "Das ist eine direkte Bedrohung des Friedens, der Stabilität, der Unabhängigkeit, der regionalen Einheit, der Souveränität und des Rechts auf Selbstbestimmung." Kritik an Trumps Drohung kam auch aus den eigenen Reihen. "Der Kongress wird natürlich keinem Krieg in Venezuela zustimmen", sagte der republikanische Senator und einer von Trumps schärfsten innerparteilichen Kritikern, Ben Sasse, dem Washington Examiner.

Analysten kritisierten, Trump spiele mit seiner Kriegsrhetorik der Regierung Maduro in die Hände. Der Präsident beschuldigt die Opposition seit Langem, gemeinsam mit Washington gegen ihn zu konspirieren. Trumps Äußerungen liefern nun einen scheinbaren Beweis. Kurz zuvor hatte sich Maduro noch um ein Gespräch mit Trump bemüht. Allerdings erteilte ihm das Weiße Haus eine Abfuhr. "Präsident Trump wird gerne mit dem Führer Venezuelas sprechen, sobald die Demokratie in diesem Land wiederhergestellt ist", hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses. Gegen mittlerweile zwanzig Personen der venezolanischen Führungselite wurden Sanktionen verhängt. Trotz aller Differenzen sind die USA der wichtigste Abnehmer von Erdöl, ohne die Exporte in die USA droht die Staatspleite.

© SZ vom 14.08.2017 / SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema