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Venezuela:Bürgermeister von Caracas verhaftet

A supporter of Caracas Mayor Antonio Ledezma holds a poster of him with chains during a protest demanding his release in Caracas, Venezuela, Friday, Feb. 20, 2015. Demonstrators are condemning last ni

Demonstranten in Caracas fordern die Freilassung von Antonio Ledezma.

(Foto: AP)
  • In Venezuela wird der regimekritische Bürgermeister von Caracas verhaftet.
  • Abgeblich soll er einen Putschversuch geplant haben, wie Präsident Maduro im Fernsehen mitteilt. Ob es tatsächlich einen Umsturzversuch gab, ist fraglich.
  • Maduro beschuldigt auch die Luftwaffe des Landes, die USA und Kolumbien, in die angebliche Verschwörung verstrickt zu sein.

Der Bürgermeister von Caracas hat noch eine letzte Nachricht absetzen können: "Es sieht so aus, als sei mein Büro in diesem Moment von zahlreichen Polizisten umstellt", schrieb Antonio Ledezma in seinem bislang letzten von insgesamt 38 500 Tweets.

Dann war er weg. Funkstille. Die Polizisten, bei denen es sich offenbar um Einsatzkräfte des Inlandsgeheimdienstes Sebin handelte, hatten ihn mitgenommen. Bei der Blitzaktion sollen örtlichen Medien zufolge Schüsse in die Luft abgegeben worden sein.

Wenig später trat am Donnerstagabend der venezolanische Präsident Nicolás Maduro vor die Kameras. Er redet fast eine Stunde lang. Über einen imperialistischen Wirtschaftskrieg, der gegen sein Land geführt werde, über einen angeblich vereitelten Putsch gegen seine Regierung, über den fröhlichen Straßenkarneval, über dies und das.

Zwischendurch bestätigte Maduro auch die Festnahme des Regimekritikers Ledezma. Er bezeichnete den gewählten Bürgermeister der Hauptstadt als "Vampir" und fügte an: "Für jeden Faschisten kommt der Tag."

Weder die Ehefrau noch der Anwalt wissen etwas über den Aufenthaltsort von Ledezma

Etwa zur selben Zeit meldete sich Ledezmas Ehefrau Mitzy Cappriles über den offiziellen Twitter-Account ihres Man-nes. "Sie haben ihn geschlagen und ohne richterlichen Befehl festgenommen", schrieb sie. Gleich drei Mal wiederholte sie: "Ich mache Nicolás Maduro verant-wortlich für das Leben meines Mannes." Weder sie noch der Anwalt ihres Mannes sollen darüber informiert worden sein, wo der Verhaftete hingebracht wurde.

Maduro hält Ledezma für einen der Anführer des mutmaßlichen Putschversuches vom Freitag vergangener Woche. Der Bürgermeister werde sich wegen "Vergehen gegen die Verfassung und gegen den Frieden im Land" vor Gericht verantworten müssen, teilte der Präsident mit.

Ledezma bestreitet, dass es einen Putschversuch gab

Ob es diesen Putschversuch jemals gegeben hat, ist mehr als fraglich. Ledezma bestritt das zuletzt vehement. Er erinnere sich an mindestens zwölf mutmaßliche Umsturzpläne, die Maduro selbst erfunden habe. Die jüngsten Anschuldigungen seien nur ein weiterer Versuch, das Volk von der Korruption und der gravierenden Wirtschaftskrise in Venezuela abzulenken. Der 59 Jahre alte Ledezma wurde 2009 zum Bürgermeister von Caracas gewählt und 2013 im Amt bestätigt.

Tatsächlich hatte der rechtskonservative Politiker in der zurückliegenden Woche ein Manifest verbreiten lassen, in der er eine nationale Übereinkunft für eine Übergangsregierung gefordert hatte. Ziel sei es, die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren.

Das Schreiben wurde unter anderem auch von dem Oppositionspolitiker Leopoldo López unterzeichnet, der seit einem Jahr in Haft sitzt. López wird von Maduro beschuldigt, ein CIA-Agent zu sein und hinter den blutigen Aufständen gegen seine Regierung vom Februar 2014 in Caracas zu stecken. Damals waren 40 Menschen umgekommen.

Am Donnerstag gab es auch Berichte über Unruhen im Militärgefängnis Ramo Verde, wo López gefangengehalten wird. Dessen Frau Lilian Tintori teilte mit, sie fürchte mehr denn je um das Leben ihres Mannes. Er sei in seiner Zelle mit Kot und Urin beworfen worden. Danach habe man ihm Strom und Wasser abgestellt, damit er sich nicht waschen könne.

Präsident spricht von Plänen, ihn aus der Luft zu töten

Nicolás Maduro wiederholte derweil vor den Fernsehkameras seine Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Putschisten. Angeführt von Antonio Ledezma und von Teilen des Militärs habe es konkrete Pläne gegeben, den Präsidentenpalast Miraflores sowie den staatlichen Fernsehsender Telesur aus der Luft zu bombardieren und ihn, den Präsidenten, zu töten.

Mehrere Angehörige der venezolanischen Luftstreitkräfte wurden bereits am vergangenen Wochenende festgenommen. Das mutmaßliche Putsch-Flugzeug wurde laut Maduro aus den Vereinigten Staaten geliefert. Auch Kolumbien und Spanien seien an der "dauerhaften Destabilisierung" Venezuelas beteiligt. Washington wies die Vorwürfe als "haltlos und falsch" zurück. Amnesty International und Human Rights Watch fordern, López und Ledezma umgehend freizulassen.

© SZ vom 21.02.2015/cmy
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