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Vatikanbank:Ewiges Rumoren in der Bank Gottes

Die Finanzen des Vatikans bekommt auch Franziskus nicht in den Griff. Das Geldinstitut produziert weiter Skandale.

Der Bau im Vatikan wirkt schroff und abweisend. Und genauso sollte der Torrione Niccolò V auch wirken, als er 1453 errichtet wurde: als Wachtturm und Bollwerk gegen Eindringlinge. Seine runden Mauern sind neun Meter dick. Dass die katholische Kirchenführung ihre Bank, das Istituto per le Opere di Religione, besser bekannt unter seinem Akronym IOR, 1942 ausgerechnet in diesem Bau bei der Porta Sant' Anna untergebracht hat, ist bezeichnend. Hinter den Mauern wurden jahrzehntelang dubiose Geschäfte gemacht. Das IOR führte Nummernkonten mysteriöser Leute. Es wusch Geld für die Mafia und half bei Steuerhinterziehung. Die "Bank Gottes", wie man sie nennt, produziert regelmäßig Skandale. Eine sehr unfromme Adresse.

Kaum war er Papst, versprach Franziskus, er werde die Finanzen des Vatikans von Grund auf reformieren. Damit hatte schon sein Vorgänger begonnen: 5000 Konten des IOR wurden unter Benedikt XVI. geschlossen, manche davon waren hoch suspekt. Der deutsche Papst holte neue Manager. Zunächst war da der italienische Banker Ettore Gotti Tedeschi und dann, als der wegen Justizermittlungen gehen musste, der Deutsche Ernst von Freyberg. Beide sorgten für etwas mehr Transparenz. Das war aus der Sicht von Franziskus nicht genug. Als der Argentinier übernahm, war die Zukunft des IOR ungewiss.

Seine Brandreden gegen die Kurie kreisten immer - und nicht unwesentlich - um den Umgang des Vatikans mit dem Geld. Ziel war es, die Führung in den Finanzausschüssen auszuwechseln. Es sollten in Zukunft weniger Manager von außen mitreden, weniger Kapitalisten sozusagen, dafür mehr geistliches Personal mit hoffentlich ehrlichem Sinn für die eigentlichen Aufgaben: die Finanzierung der Missionen, die Verwaltung der Ordensvermögen und des riesigen Immobilienparks.

Eine Führungskraft wird von Gendarmen nach draußen begleitet

Ein glückliches Händchen hatte aber auch Franziskus nicht: Zum wichtigsten Mann, dem eigentlichen "Superwirtschaftsminister" des Vatikans, beförderte er den australischen Kardinal George Pell, der sich nun in der Heimat in einem Prozess wegen Pädophilie verantworten muss. Pell ist suspendiert. Übernommen hat ein Vertrauter von Franziskus, der norditalienische Kirchenrechtler Luigi Mistò, zunächst übergangsweise. Neuer Verwalter der Immobilien wurde ein Bischof aus Argentinien, den der Papst eigens dafür nach Rom holte. Und zum Direktor des IOR machte Franziskus Gianfranco Mammì, der seit 1992 für die Bank arbeitet.

Von Mammì heißt es, er genieße das totale Vertrauen des Papstes. Die Bilanzen scheinen wieder in Ordnung zu sein. Doch ruhig ist es deswegen nicht geworden. In den vergangenen Monaten mussten beim IOR mehrere Führungskräfte gehen, und wie immer, wenn es in der Bank rumort, berichteten italienische Medien ausführlich. Der Vize des Generaldirektors etwa, Giulio Mattietti, wurde von den Gendarmen des Vatikans hinausbegleitet. Er soll den Boden des Stadtstaats nie mehr betreten dürfen. Niemand weiß genau, warum.

Unlängst erhielten ausgewählte Adressaten der Kirche zwei anonyme Briefe, in denen viel präzises Insiderwissen stecken soll. Es sind Klageschriften gegen den Direktor, den Banker des Papstes. Nur Machtintrigen? Oder schon der Beginn eines neuen "Vati-Leaks"?