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Papst Franziskus:Ungläubiges Staunen auf dem Petersplatz

Papst Franziskus

Franziskus bat bei der Generalaudienz um Vergebung für die Skandale. Aber was meinte er? Rund um die Synode herrscht jedenfalls nicht nur Harmonie.

(Foto: dpa)
  • Papst Franziskus bittet auf dem Petersplatz um Vergebung für die Skandale im Vatikan.
  • Bei der Syndode über Ehe, Familie und Kirche, die derzeit in Rom stattfindet, gibt es schwierige Diskussionen zwischen konservativen und fortschrittlichen Kräften.

Bei der Generalaudienz gibt es jetzt mal wieder den typischen Franziskus: Der Papst bittet um Vergebung für die Skandale, "die sich in der letzten Zeit in Rom und im Vatikan ereignet haben".

Die Gläubigen auf dem Petersplatz schauen sich am Mittwoch ungläubig an: Was meint er? Den Bürgermeister der Stadt, der zurücktreten musste? Den Priester aus der Glaubenskongregation, der sich just an dem Tag zu seiner Homosexualität bekannte, als im Vatikan die Bischofssynode zusammentrat, die über Ehe, Familie und Sexualität reden soll? Oder jenen Brief von angeblich 13 konservativen Kardinälen, die der Synode und damit indirekt dem Papst vorwerfen, der Ablauf der Versammlung sei sowieso vorherbestimmt, Richtung Aufweichung der Lehre?

Am Montag ist eine frühe Fassung dieses Briefes bekannt geworden, den wohl der australische Kurienkardinal George Pell dem Papst überreicht hat. Der Brief, mehr aber noch, dass er weitergegeben wurde, zeigt: So nett, wie oft betont wird, geht es rund um die Synode doch nicht zu. Vor allem konservative Bischöfe fürchten, dass kommende Woche eine Richtungsentscheidung gegen sie fällt.

Wie bewertet die Kirche Sexualität außerhalb der Ehe?

Federico Lombardi, der Sprecher des Vatikans, hat zwei Stunden lang beim täglichen Pressebriefing auch keine Antwort. Weil er ehrlich ahnungslos ist oder die Anspannungen und Aufgeregtheiten rund um das Treffen nicht noch weiter anheizen will?

Die Synode der insgesamt 400 Bischöfe, Erzbischöfe, Kardinäle, drei Dutzend ausgewählter Ehepaare und einer Reihe von Beobachtern tritt in diesen Tagen in ihre entscheidende Phase, sagen viele Teilnehmer. Da werden die Debatten anstrengend genug, da braucht es keine Störung von außen. Denn es geht um mehr als um die Detailfragen. Es geht um das Bild der Kirche von Mann und Frau, darum, wie sie Sexualität außerhalb der katholischen Ehe bewertet, um das Verhältnis von Lehre und Seelsorge, Anspruch und Wirklichkeit.

In den vergangenen Tagen haben die Synodenteilnehmer in nach Sprachen zusammengesetzten Gruppen über die theologischen Grundlagen beraten; die Teilnehmer beschreiben die Diskussionen als manchmal schwierig, aber insgesamt fair.

Zwischenstufen nicht gleich verdammen

An diesem Mittwoch nun haben die insgesamt 13 Gruppen (drei französische, vier englische, drei italienische, zwei spanische und eine deutsche) die Zusammenfassung ihrer Debatten vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit erregte die deutsche Sprachgruppe: Hier trafen der Kurienkardinal Walter Kasper und Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, aufeinander; Kasper gilt als Protagonist der Reformer, Müller als ein Wortführer der Bewahrer.

Doch ausgerechnet diese Gruppe einigte sich, moderiert vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn, einstimmig auf eine Zusammenfassung, die vielen als vorbildlich gilt. Barmherzigkeit und Wahrheit schließen sich nicht aus, heißt es dort. Die Kirche müsse lernen, Menschen auf dem Weg zur Ehe zu begleiten, ohne Zwischenstufen gleich zu verdammen. Notwendig sei eine "personal ausgerichtete Seelsorge". Sie solle auch die "Gewissensfähigkeit" des Menschen wertschätzen und seine Verantwortung stärken.

In den kommenden Tagen geht es um die Konsequenzen aus den Grundsätzen. Am 24. Oktober soll das Schlussdokument fertig sein.

© SZ vom 15.10.2015

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