Vatikan:Über Kreuz mit Budapest

Papst Franziskus im Vatikan

Erstmals seit seiner Magenoperation im Juli wieder auf Reisen im europäischen Ausland: Papst Franziskus.

(Foto: Andrew Medichini/dpa)

Drei Tage Slowakei und ein Kurzbesuch in Ungarn: Warum der Papst bei seiner nächsten Auslandsreise Premier Orbán die große gemeinsame Bühne in Budapest verwehren will.

Von Oliver Meiler, Rom

Papst Franziskus tritt am Sonntag eine viertägige Reise an, die ihn zunächst kurz nach Ungarn und dann drei Tage in die Slowakei führen wird. Über die Kürze seines Aufenthalts in Budapest, wo er den 52. Eucharistischen Weltkongress mit einer Messe beschließt, wurde zuletzt viel geredet - insgesamt wird er nur sieben Stunden dauern.

Vorübergehend war nicht einmal sicher, ob der Papst die ungarischen Staats- und Regierungsspitzen, Präsident János Áder und Premier Viktor Orbán, treffen würde. Der Vatikan und Budapest sind oft über Kreuz, wenn es um Migration und den Umgang mit Minderheiten geht. Für den nationalistischen und populistischen Kurs von Orbán, selbst Protestant, ist das Oberhaupt der katholischen Kirche zu liberal.

"Ich weiß nicht, ob ich auch ihn sehen werde", sagte Franziskus mit Blick auf ein mögliches Treffen mit Orbán in einem Interview, das er dem spanischen Radiosender Cope Anfang September gegeben hatte. "In dem Salon werden mehrere Behördenvertreter sein, ich reise nicht mit einer Gästeliste. Ich warte mal, dass er auf mich zukommt, dann schaue ich ihm in die Augen." Mittlerweile ist klar, dass es dieses Treffen des Papstes mit dem ungarischen Premier tatsächlich geben wird - gewissermaßen nebenbei, im Museum der Schönen Künste, wo Franziskus vor den Teilnehmern des Weltkongresses und einer Vertretung der jüdischen Gemeinde reden wird. Danach hält er die Messe auf dem Heldenplatz.

Nur keine Nacht in Ungarn

Viel mehr als eine Stippvisite wird es also nicht sein, obschon Orbán nun von einer "enormen Ehre" spricht. Die Maschine des Papstes verlässt Rom unüblich früh, nämlich schon am Sonntagmorgen um 6 Uhr - damit es reicht, noch am selben Tag weiterzureisen nach Bratislava. Abflug aus Budapest: 14.40 Uhr. Nur keine Nacht in Ungarn - aber warum? In der Deutung der Vatikanisten will Franziskus so verhindern, dass Orbán seinen Aufenthalt in Budapest politisch instrumentalisieren kann. Recht rätselhaft mutet es an, dass der Papst danach ganze drei Tage in der Slowakei verweilen will und dabei in vier Orten haltmacht. In der Stadt Košice wird er die Roma-Siedlung Luník IX besuchen. Es ist dies seine erste Auslandreise seit seiner Darmoperation im Juli - und erst die zweite seit Beginn der Pandemie. Die erste hatte ihn im vergangenen März in den Irak geführt.

© SZ/plin
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