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Vatikan:Lame duck

Kardinal Gerhard Ludwig Müller warnt die katholische Kirche in einem neuen Vatikan-Buch vor der "Selbstabschaffung".

Der Herder-Verlag kündigt ein "persönliches und zugleich theologisch pointiertes Buch" an. "Beim Schlendern" durch Rom seien dem Autor einige Gedanken gekommen zum Zustand der katholischen Kirche. Und Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation und wortgewaltiger Kritiker von Papst Franziskus, liefert durchaus sehr Pointiertes. "Die Selbstsäkularisierung der Kirche nach dem Modell des liberalen Protestantismus ist nicht der erste Schritt ihrer Modernisierung, sondern der letzte vor ihrer Selbstabschaffung", schreibt er laut epd in dem Buch "Römische Begegnungen", das am Montag erscheint und 160 Seiten umfasst. Die vom Papst angestrebten Reformen in der Kirche könne es nur "als Erneuerung in Christus" geben, mahnt der 71 Jahre alte Theologe: "Papst und Bischöfe müssen sich an ihm und nicht an den Meinungen der Massen-Medien orientieren." Mehr Glaube und Zeugnis, weniger Politik, Intrigen und Machtspiele seien das Gebot der Stunde. Früher sei das Ziel von Katholiken die Nachahmung Christi gewesen, schreibt Müller. "Heute ist Mainstream und political correctness angesagt." Nach Ansicht des Kardinals handelt die katholische Kirche unter Franziskus nach dem Leitsatz "Lieber in einer vollen Talkshow als einsam vor dem Tabernakel". Der Streit zwischen einem traditionalistischen und einem modernistischen Flügel habe die Kirche zu einer "lame duck" ("lahmen Ente") gemacht.

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