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Vatikan:"Freut euch und jubelt"

Papst Franziskus veröffentlicht eine Anleitung zum Heiligwerden. Das Dokument dürfte weniger Sprengkraft entfalten als vorige Schreiben.

Heiligsein ist nicht nur eine Sache für Heilige - heilig werden kann jeder. So sieht das jedenfalls Papst Franziskus, und so wird er es, nach allem, was man bislang weiß, auch in einem neuen Schreiben den Katholiken und allen Menschen guten Willens nahezubringen versuchen. Es trägt den Titel "Gaudete et exsultate" ("Freut euch und jubelt") und handelt, so der Untertitel, vom "Ruf zur Heiligkeit in der heutigen Zeit"; an diesem Montag soll es veröffentlicht werden. Als "Exhortatio", als "Ermunterung" kommt es mit weniger Amtsautorität versehen daher als eine Enzyklika - Franziskus hat zuletzt auch sein Schreiben "Amoris laetitia" über Ehe und Familie als Ermunterung verfasst.

Den Text hat der Papst-Vertraute und honduranische Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga vorab als "ein wunderbares Dokument" gelobt, jeder Mensch sei demnach zur Heiligkeit berufen. In verschiedenen Ansprachen hat Franziskus schon erklärt, dass für ihn Heilige nicht nur herausragende Christen wie Franz von Assisi oder Mutter Teresa seien, sondern auch die Menschen von nebenan, die in Nähe und Freundschaft zu Gott lebten und Jesus nachfolgten - ausgestattet mit Geduld, Demut, der Gabe der Unterscheidung und der Lebensfreude. Das Schreiben dürfte also eher bisherige Gedanken des Papstes zusammenfassen, als grundlegend Neues bringen; es heißt, das am 19. März unterschriebene Dokument sei mit knapp 50 Seiten kürzer als die Vorgängerschreiben. Am Montag um zwölf Uhr soll es in verhältnismäßig bescheidenem Rahmen präsentiert werden: Kein Kardinal, sondern Angelo De Donatis, der Bischofsvikar von Rom, wird die Gedanken des Papstes erläutern.

Immerhin ist nicht zu erwarten, dass "Gaudete et exsultate" neuen Ärger bei den konservativen Papstkritikern hervorruft, wie zuletzt das Familien-Schreiben "Amoris laetitia", das Türen geöffnet hat für einen barmherzigen Umgang mit Geschiedenen, die wieder geheiratet haben. Am Wochenende tagten einige der Kritiker in Rom, darunter die Kardinäle Walter Brandmüller und Raymond Leo Burke; zum Abschluss erklärten sie, eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten sei Gefahr für den Glauben und die Einheit der Kirche. Kardinal Burke sagte, der Papst könne das Kirchenrecht nur interpretieren, um es zur eigentlichen Geltung zu bringen, nicht aber, um es zu untergraben.

© SZ vom 09.04.2018

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