Vatikan Franziskus - ein Magnet für den Tourismus, Roms wichtigstes Geschäft

Papst Franziskus im Dezember 2017 bei der Ankunft zu seiner wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan.

(Foto: dpa)

In der Stadt der Päpste ist der bescheidene und redselige Pontifex beliebt, wie es kaum einer seiner Vorgänger je war. Er schert sich nicht ums Protokoll - zum Leidwesen seiner Sicherheitskräfte.

Von Oliver Meiler, Rom

Ein Exemplar des Kalenders hängt noch immer da, etwas verwittert, oben rechts an einem vollbepackten Zeitungsstand im alten Zentrum Roms: "Der Papst", Ausgabe 2017. Neben den nackten Mädchen. Er lächelt warm. In der Auslage liegt auch Il mio Papa, ein Heft mit vielen bunten Fotos und wenig Text für 1,20 Euro, das fast nur von Franziskus handelt. Von seinen Reisen in aller Herren Länder, von seinen Begegnungen mit Gläubigen im Vatikan, seinen Überraschungsbesuchen bei den Letzten in den Vorstädten. Es ist so etwas wie Gala, nur monopersonal, ein Fanmagazin. "Ich kriege jede Woche zwei Exemplare", sagt der Zeitungshändler, "verkaufen kann ich aber meistens nur eines, das andere schicke ich zurück." 50 Prozent. Doch ob das ein Gradmesser für Beliebtheit ist?

Die Römer und die Päpste - das ist ja nicht nur eine Beziehung zwischen Gläubigen und ihrem Oberhaupt. Der Pontifex wohnt in der Stadt. Man erlebt ihn schier täglich in der einen oder anderen Form. Fix sind das mittwöchliche Gebet und die sonntägliche Morgenmesse auf dem Petersplatz. Das tangiert das Stadtleben nicht, liefert aber oft Schlagzeilen. Mal ist aber auch der Verkehr blockiert, weil der Santo Padre unterwegs ist zu einer der großen Basiliken. Oder zu einer Konferenz. Oder zum Optiker an der Via del Babuino, auch das kam schon vor. Oder er hebt einen Menschen, dem die Kirche die postume Gabe der Wunderwirkung zuschreibt, in den Heiligen- oder wenigstens in den Seligenstand, was dann ganz viele Pilger aus dem Herkunftsland des jeweils Geehrten in die Stadt treibt.

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Der Papst ist eben auch dies: ein Magnet für den Tourismus, das wichtigste Geschäft der Stadt. Je beliebter der Pontifex, desto florierender das Business. Entscheidend ist die Masse, denn Pilger gelten als geizig, als Billigtouristen. Es gibt recht verlässliche Zahlen für den Appeal eines Papstes, sie stammen von der vatikanischen Gendarmerie. Bei jeder Veranstaltung schätzt sie die Anzahl der Anwesenden, notiert und addiert. Am Ende des Jahres erscheint die Statistik dann auf der Webseite des Vatikans, unterteilt in vier Kategorien: Generalaudienzen, Sonderaudienzen, Messen, Gebete. Da kommt eine Menge zusammen.

Vergleicht man, wie viele Menschen seit Beginn des Jahrtausends zu den Auftritten der Päpste strömten, die in dieser Zeit die Kirche regierten, dann ist Franziskus, wenn man das so sagen darf, von den dreien die Nummer 1. Und zwar ziemlich deutlich. Nur Johannes Paul II. zog einmal mehr Menschen an als der Argentinier, doch das war im Jahr 2000, dem großen Jubeljahr der Kirche, außer Konkurrenz gewissermaßen. Damals zählten die Gendarmen 8,5 Millionen Pilger. Im Jahr darauf waren es 2,5 Millionen.

In den Jahren mit Benedikt XVI. kamen jeweils zwischen zwei und drei Millionen, außer im ersten Jahr, da waren es 3,2 Millionen. Franziskus startete 2013 mit 6,6 Millionen, hielt sich im Folgejahr auf 5,9 Millionen. Dann knickte die Kurve kurz ein, auf 3,2 Millionen, bevor sie 2016, zum kleinen "Giubileo" der Barmherzigkeit, wieder auf vier Millionen Besucher stieg. Trotz Terrorängsten.