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Vaterschaftstest:"Es gibt gute Gründe für die Heimlichkeit"

Florian Dietz ist Fachanwalt für Familienrecht in Stuttgart und hat Argumente für und wider den heimlichen Vaterschaftstest.

SZ: Herr Dietz, Sie haben schon einmal einen ähnlich gelagerten Fall begleitet wie den, der heute in Karlsruhe verhandelt wurde. Was war da?

Bundesverfassungsgericht, Vaterschaftstest

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Es verweigert heimlichen Vaterschaftstests jegliche rechtliche Wirksamkeit, akzeptiert aber das Recht zweifelnder Väter an der Klärung der Vaterschaft.

(Foto: Foto: dpa)

Dietz: Es ging um einen Vater, der zweifelte, ob das Kind seiner Partnerin auch sein Kind war. Er wollte das Verhältnis zur Mutter nicht belasten und ließ heimlich einen Test machen - mit dem Ergebnis, dass er zu fast hundertprozentiger Sicherheit nicht der Vater war. Er focht die Vaterschaft vor Gericht an und hatte damit Erfolg. Seit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Jahr 2005 ist das leider nicht mehr möglich.

SZ: Aber kann man die Richter nicht verstehen, die den heimlichen Vaterschaftstest verbieten?

Dietz: Es geht um konkurrierende Rechte: das Recht des Kindes auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht des Mannes, zu wissen, ob er der Vater ist. Da wurde das Recht des Kindes über das des Mannes gestellt, denn bislang ist es so, dass ohne Zustimmung der Mutter ein Vaterschaftstest kaum möglich ist. Es gibt auch manchmal gute Gründe für die Heimlichkeit. Ein Mann will seine Beziehung nicht gefährden, und wenn der Test zeigt, dass er der Vater ist, wirft er ihn weg und schweigt.

SZ: Justizministerin Brigitte Zypries hat einen Gesetzentwurf angekündigt, der legale Tests leichter machen soll. Werden dann zunehmend Männer zu Ihnen kommen, die sagen: Ich möchte diesen Test durchsetzen?

Dietz: Eine neue Regelung halte ich für überfällig. Es wird danach keine Flut von Männern, die Klarheit haben wollen, in unsere Kanzlei strömen. Aber die Zahl dürfte zunehmen.

SZ: Wann raten Sie zu einem solchen Test, wann raten Sie ab?

Dietz: Ich frage die Männer, wie groß ihre Sorgen sind. Leichtfertig sollte man das nicht machen.

SZ: Ist nicht der Keim des Misstrauens selbst dann gesät, wenn ein Mann sagt: Schatzi, ich glaube dir ja, aber zur Sicherheit lasse ich das Kind mal testen?

Dietz: Ich bin nun selber Vater eines Kindes, vertraue meiner Frau und würde deshalb einen solchen Test nicht machen, klar. Aber es geht ja meist um Beziehungen, die nicht zum Besten stehen. Es geht um Unterhaltsforderungen, um das Erbrecht des Kindes, um Klarheit in einer bedrückenden Situation, um die rechtliche Gleichbehandlung aller Beteiligten.

Und man muss sich klar machen: Es geht hier nicht um ein Massenphänomen. Es geht um einzelne, meist schwierige Fälle. Es wird keine Massenbewegung hin zum Vaterschaftstest geben.