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USA:Die Schlüssel zum Sieg

Die US-Wahl wird in wenigen Swing States entschieden. Doch sowohl Trump als auch Biden attackieren den Gegner in diesem Jahr auf unerwartetem Gebiet.

Von Christian Zaschke, New York

Wer wissen will, wo die US-Präsidentschaftswahl entschieden wird, muss lediglich einen Blick auf die Reisepläne der beiden Kandidaten werfen. Für Amtsinhaber Donald Trump standen am Freitag Auftritte in Michigan, Minnesota und Wisconsin auf dem Programm. Herausforderer Joe Biden nahm ebenfalls Minnesota und Wisconsin ins Visier, dazu Iowa. Am Donnerstag traten beide Kandidaten in Florida auf, in der gleichen Stadt: Tampa. In Florida ist der Wahlausgang üblicherweise notorisch knapp. Falls Trump den Staat nicht gewinnt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er Präsident bleibt. Joe Biden sagte am Donnerstag: "Wenn wir Florida gewinnen, ist es vorbei." Was er meint: Dann ist es ziemlich sicher, dass er ins Weiße Haus einzieht.

Sechs Bundesstaaten gelten als sogenannte Swing States, weil sie nicht zuverlässig demokratisch oder republikanisch wählen. Es sind Arizona, Florida, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin. In all diesen Staaten führt Biden den Umfragen zufolge, und in all diesen Staaten hat Trump 2016 gewonnen. Es würde für Biden reichen, drei dieser Staaten zu erobern, solange er keinen der Staaten verliert, die Hillary Clinton 2016 gewonnen hat. Das bedeutet, dass er eine Niederlage in Florida verschmerzen könnte. Die Hoffnungen der Demokraten liegen vor allem auf Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Dieses Trio gilt ihnen als Schlüssel zum Sieg.

In diesem Jahr sind allerdings mehr als die traditionellen sechs Swing States umkämpft. Dass Biden zum Beispiel in Iowa auftritt, liegt daran, dass beide Kandidaten dort gleichauf liegen. Er braucht den Staat im Grunde nicht. Dass er dort trotzdem Zeit investiert, gilt unter Beobachtern als Zeichen von Zuversicht. Er glaubt, er könne es sich leisten, nicht alle Ressourcen auf die für ihn entscheidenden Staaten zu konzentrieren, sondern stattdessen Trump in dessen Kernland anzugreifen. Man spricht in diesem Fall von einer offensiven Strategie.

Trump geht in Minnesota in die Offensive - wo Biden allerdings mit acht Prozentpunkten führt

Trump hingegen ist zuletzt zum Beispiel unter anderem in Georgia aufgetreten. Dieser Staat wählt normal zuverlässig republikanisch, er sollte sich Besuche dort sparen können. Den Umfragen zufolge führt Biden allerdings mit einem Prozentpunkt in Georgia. Wenn Trump dort auftritt, tut er das nicht, um Biden anzugreifen, sondern um sich zu verteidigen. In diesem Fall spricht man von einer defensiven Strategie. In die Offensive geht Trump hingegen in Minnesota. Dort führt Biden allerdings mit acht Prozentpunkten.

Auch 2016 lag Trump in den Umfragen zurück. Damals war jedoch die Zahl der unentschlossenen Wähler deutlich höher als nun. Die Mehrzahl der Stimmen der Unentschlossenen fiel 2016 an Trump, was ein Grund dafür war, dass die Umfragen auf den Kopf gestellt wurden. Ein weiterer Grund war, dass in den Umfragen weiße Männer ohne Hochschulabschluss deutlich unterrepräsentiert waren. Diese zählen zu Trumps treuesten Wählern. Die Institute versichern, sie hätten aus dem Fehler gelernt.

Trump holds rally in battleground Florida

Auch Donald Trump versuchte seine Anhänger in Tampa zu mobilisieren.

(Foto: Ricardo Arduengo/AFP)

Mehr als 75 Millionen Amerikaner haben ihre Stimme bereits abgegeben, Tendenz stark steigend. 2016 hatten lediglich 47 Millionen Menschen vor dem Wahltag abgestimmt. In entscheidenden Staaten wie Pennsylvania und Wisconsin dürfen diese Stimmen erst nach Schließung der Wahllokale am 3. November ausgezählt werden. Es könnte daher lange dauern, bis dort Ergebnisse vorliegen. In Florida hingegen werden jetzt schon alle eintreffenden Stimmen gezählt. Es wird erwartet, dass in dem Bundesstaat mehr als sechs Millionen Voten per Post abgegeben werden, bei 13,5 Millionen Wahlberechtigten. Da die Zählung bereits im Gange ist, könnte es in der Wahlnacht also vergleichsweise früh eine Tendenz aus Florida geben.

© SZ

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