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In eigener Sache:Das Wichtigste zur Wahl in den USA im neuen SZ-Newsletter

White House is pictured at sunset in Washington

US-Wahl 2020: Wer gewinnt den Kampf ums Weiße Haus?

(Foto: Jason Reed/Reuters)

Von Stefan Kornelius

August 1996. Wir saßen am Strand vor dem Hotel Coronado in San Diego, tranken beim Sonnenuntergang Gin Tonic und hörten einer Band zu, die überraschenderweise "California Dreamin'" von The Mamas and the Papas spielte. Es war einer meiner ersten Tage als Korrespondent in den USA, mein erster Wahlkampf, und mein erster Parteitag, den die Republikaner aus welchen Gründen auch immer im südwestlichsten Zipfel des Landes veranstalteten. Heute würde kein Republikaner mehr Zeit in Kalifornien verschwenden.

Seitdem haben die Amerikaner sechsmal einen Präsidenten gewählt. Alles Männer, ein Schwarzer. Dieser Takt der Demokratie ist aber das Einzige, was seit 1996 unverändert geblieben ist. Vieles andere hat sich verändert in den USA, vor allem, was man hochtrabend die politische Kultur nennt.

Es gibt eine klare Verbindung von den Clinton-Jahren der späten 90er zu den Trump-Tagen heute. Ihr offensichtlichstes Merkmal ist das Impeachment, das sowohl dem 42. Präsidenten als auch dem 45. zuteilwurde. Während die moralischen und menschlichen Verfehlungen des ansonsten ordentlich regierenden Bill Clinton kein Impeachment rechtfertigten, ist das bei Donald Trump eine andere Sache.

Wer gewählt wird, kann den Weg des Landes dramatisch verändern

Trump ist durchaus mit Richard Nixon gleichzusetzen, der sich seinen Spitznamen Tricky Dick ehrlich erarbeitet hat. Amtsmissbrauch, Charakterlosigkeit und die spalterische Natur verbinden beide Präsidenten. Und so ist es nicht falsch, die dunkle Seite der amerikanischen Präsidentenmacht in den 70er-Jahren zu verorten und die Polarisierung zwischen den Lagern als das giftige Erbe der Amtszeit Nixons zu sehen, die leider nicht in einem Verfahren endete.

Nun steht also wieder ein Wahlkampf an. In der kommenden Woche beginnt die Kandidatensuche bei den Demokraten in der Vorwahl von Iowa. Wer vor vier Jahren seine Wetten zugunsten von Hillary Clinton abgeschlossen hat, wird dieses Mal vorsichtiger sein. Amerika ist schwer zu lesen, Prognosen müssen heute zumindest als Geschwätz gelten.

Was freilich stimmt: Die USA stehen vor einer Schicksalswahl. Wer auch immer am 3. November gewählt wird, kann den Weg des Landes und der Welt dramatisch verändern. Trump wird eine zweite Amtszeit zur Vollendung seines Zerstörungswerks nutzen - beim Klima, in Bündnisfragen, beim Handel. Und eine potenzielle Präsidentin oder ein potenzieller Präsident der Demokraten wird derart mit den Aufräumarbeiten und der inneren Zerrissenheit der USA beschäftigt sein, dass sie oder er wenig Ambitionen haben wird, in der Welt Spuren zu hinterlassen.

Einordnungen, Trends und Fundstücke aus US-Medien

Die Süddeutsche Zeitung wird den Wahlkampf eng begleiten und einmal pro Woche, immer am Donnerstag, einen Intensivkurs zur US-Wahl in Form eines Newsletters anbieten. Darin sortieren die US-Korrespondenten und die Experten der SZ die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Wahlkampfwoche und sorgen für Einordnung, damit Sie immer den Überblick behalten.

Wir analysieren die entscheidenden Trends und arbeiten heraus, was wichtig wird. Zudem finden Sie im neuen Newsletter Leseempfehlungen - bedeutsame Stoffe nicht nur aus der SZ, sondern auch aus amerikanischen Medien. Beispielhaft dafür war in dieser Woche die exklusive Veröffentlichung der New York Times mit den Auszügen aus John Boltons Buch. Sie könnte das Impeachment oder zumindest die öffentliche Stimmung gegen Trump nachhaltig beeinflussen.

Auf einen Kitschmoment wie in San Diego hätte ich in diesem Wahljahr wenig Lust. Irgendwie ist die Leichtigkeit von damals verflogen. Vermutlich würde ich mich viel in Wisconsin herumtreiben, einem, wenn nicht gar dem Bundesstaat, in dem in diesem Jahr über die Präsidentschaft entschieden wird. Nur wenige Distrikte in einem ansonsten fest zementierten Wählerlager können schon den Ausschlag geben. In Wisconsin wird übrigens auch ein Parteitag sein, diesmal die Krönungsmesse der Demokraten. Das werden die SZ-Korrespondenten vor Ort intensiv beschreiben. Und Sie werden alles dazu in unserem Newsletter finden.

© SZ.de/saul/cat

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