USA:Trumps "guter Mann" verliert

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USA: Republikaner Charles Herbster am Abend der Vorwahlen in Nebraska

Charles Herbster räumt am Abend der Vorwahlen der Republikaner in Nebraska seine Niederlage gegen Jim Pillen ein.

(Foto: Justin Wan/AP)

Vor einer Woche konnte Donald Trump den Sieg "seines" Kandidaten in Ohio bei den Vorwahlen feiern, auch in West Virginia hat sich ein Trump-Anhänger durchgesetzt. Nebraska allerdings erteilt dem Ex-Präsidenten einen deutlichen Dämpfer.

Von Fabian Fellmann, Washington

Es war ein merkwürdiger Werbespot, mit dem Charles Herbster in den entscheidenden Tagen des Wahlkampfes das Fernsehprogramm in Nebraska flutete. Der Kandidat für das Gouverneursamt hatte zwar seinen kurzen Auftritt darin. Davor und danach aber war nur einer zu sehen und zu hören: Donald Trump. Der schloss nach knapp 30 Sekunden mit einer Segnung des Kandidaten: "ein guter Mann, ein sehr guter Mann".

Die Vorwahl unter den Republikanern in Nebraska war also ein Plebiszit über Donald Trumps Rückhalt in der Parteibasis - denn die anderen zwei aussichtsreichen Republikaner im Rennen, Jim Pillen und Brett Lindstrom, traten ohne dessen Gütesiegel an.

Trump hat aufs falsche Ross gesetzt, wie sich am Dienstagabend rasch zeigte, nachdem die Wahllokale ihre Türen geschlossen hatten. Herbster hinkte der Konkurrenz lange abgeschlagen auf dem dritten Platz hinterher, deutlich in Führung ging Jim Pillen, Universitätsfunktionär, Schweinezüchter und Favorit des Parteiestablishments von Nebraska.

Schließlich endete Herbster, seines Zeichens Rinderzüchter, auf dem zweiten Platz, eine deutliche Niederlage. Er hatte voll auf die Karte Trump gesetzt, als es ihm nicht gelang, in den Umfragen seine Konkurrenten abzuhängen. Dann schöpfte er Hoffnung, als sich vor einer Woche in Ohio Trumps Kandidat J. D. Vance in einer außerordentlich stark von Wettkampf geprägten Wahl klar durchsetzen konnte. Fortan erweckte Herbsters Kampagne den Eindruck, in Nebraska stehe Trump persönlich auf der Liste.

Frauen beschuldigten ihn als Grapscher

In der Trump-Welt ist es bekanntlich inzwischen undenkbar geworden, dass er eine Wahl verliert, oder einer seiner Günstlinge. Auch in Nebraska wittert Trump nun eine Verschwörung. Mitten im hart geführten Wahlkampf hatten acht Frauen Trumps "guten Mann" glaubhaft beschuldigt, sie begrapscht zu haben, darunter eine Senatorin der Republikaner. Trump eilte Herbster mit mehreren Kundgebungen zu Hilfe; vergeblich, wie sich nun herausgestellt hat.

Diese lokale Niederlage sollte aber nicht als Zeichen der Schwäche von Trump auf nationaler Ebene überinterpretiert werden. Nebraska hat womöglich lediglich einen Rest seines Sonderstatus bestätigt: Bis zur Wahl Barack Obamas galt die Politik hier als langweilig. Als einziger US-Staat hat Nebraska nur eine Parlamentskammer, was eine konsensorientierte politische Kultur förderte, in der sich Republikaner und Demokraten nicht allzu stark unterschieden und zusammenarbeiteten. Jene heile Welt ist aber inzwischen zu Ende. Der Kandidat Herbster zog mit seinem provozierenden Trump-Kurs auch den moderaten Pillen nach rechts, weil der keine Flanke offen lassen wollte. Also hackte plötzlich auch Pillen auf Transgender-Athleten und dem Kulturkampf an den Schulen herum.

Erfolg für Trump in West Virginia

In West Virginia, wo ebenfalls am Dienstag Vorwahlen stattfanden, setzte sich der Trump-treue Abgeordnete Alex Mooney hingegen deutlich durch. Er verdrängt mit David McKinley einen moderaten Abgeordneten. McKinley, der in Washington bisweilen mit den Demokraten gestimmt hatte, verlor so deutlich, dass die Nachrichtenagentur Associated Press das Rennen schon kurz nach Schließung der Wahllokale für entschieden erklärte - ein deutlicher Triumph für Donald Trump.

Ein weiteres Geschenk bereitete dem Ex-Präsidenten am Dienstag Elon Musk. Gelingt es diesem, Twitter zu kaufen, wird Musk Donald Trump auf der Social-Media-Plattform wieder willkommen heißen. Twitter hatte Trumps Konto zwei Tage nach dem Putschversuch vom 6. Januar 2021 gelöscht. "Es war nicht korrekt, Trump rauszuwerfen", sagte Musk auf einer Veranstaltung der Financial Times. Das sei "moralisch falsch und einfach nur dumm" gewesen.

Trump werde sich nun auf seiner eigenen Plattform, Truth Social, verschanzen, kritisierte Musk, und mit ihm werde ein großer Teil der amerikanischen Rechten dort debattieren: "Das könnte also schlimmer werden als ein einziges Forum, in dem jeder mitreden kann." Auch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey, als CEO für Trumps Rauswurf verantwortlich, redet inzwischen von einem Fehler. "Es war eine kommerzielle Entscheidung, und das hätte nicht sein dürfen", sagte er der US-Nachrichtenwebsite Axios.

In der amerikanischen Medienwelt ist die Nachricht eingeschlagen wie eine Bombe. Via Twitter hatte Trump den Tagesrhythmus der amerikanischen Politik diktiert, seit seinem Rauswurf ist es deutlich ruhiger geworden. Umso entschiedener lehnen die Demokraten Trumps Rückkehr auf Twitter ab. Die dürfte auch für Musk eine Herausforderung werden: Die Debatte darüber, wie die sozialen Medien mit ihren Algorithmen zur Verbreitung von Desinformation beitragen, wird immer heftiger. Anfang des Jahres etwa hat Twitter mit Marjorie Taylor Greene eine stramme Trump-Abgeordnete verbannt. Und Trump selbst, sollte er zurückkehren, wird mit Sicherheit alle Grenzen austesten.

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