USA und Russland:Trumps Sohn hoffte auf Moskaus Hilfe

Donald Trump jr.

Steht nun auch im Feuer der Russland-Affäre: Donald Trump jr.

(Foto: AP)
  • Donald Trump jr. hat seinen E-Mail-Verkehr im Vorfeld eines Treffens mit der russischen Anwältin Natalja Weselnizkaja publik gemacht.
  • Daraus geht hervor, dass ihm belastende Informationen über Hillary Clinton in Aussicht gestellt wurden, die von der russischen Regierung stammen sollen.
  • Das Treffen mit Weselnizkaja zeigt, dass der innere Kern des Trump-Lagers bereit war, auf Moskaus Hilfe zurückzugreifen, um Clinton zu schaden.

Von Sacha Batthyany, Washington

Die Russland-Affäre hat nun auch den ältesten Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Junior, erwischt. Er hat nicht nur verschwiegen, während des Wahlkampfes russische Vertreter getroffen zu haben, so wie schon der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn und der Justizminister Jeff Sessions vor ihm. Trump Junior, der für seinen Vater im Wahlkampf oftmals Reden in konservativen Gegenden hielt, weil er dort besonders gut ankam, traf sich mit russischen Informanten, die ihm belastende Informationen über Hillary Clinton versprachen.

Damals, im Juni 2016, stand sein Vater schon unter dem Schutz des Secret Service. Als Donald Trump jr. einwilligte, die ihm unbekannten Gesprächspartner im Trump Tower zu treffen, beging er nicht zuletzt ein Sicherheitsrisiko. Doch der Sohn und Wahlkampfhelfer des Präsidenten ging das Risiko ein. Aus den E-Mails, die Donald Trump Jr. auf Druck veröffentlichte, um der New York Times zuvorzukommen, geht hervor, wie begierig er auf die Informationen war, egal von wem sie stammen.

Donald Trump Junior, genannt Don, wurde von einem britischen PR-Berater Rob Goldstone angeschrieben, ob er Interesse an "hoch sensiblen Informationen" habe, die Hillary Clinton schaden könnten. Die Informationen, so Goldstone, seien Teil eines Versuchs der russischen Regierung, die Kandidatur seines Vaters zu unterstützen. "Wenn es das ist, was Sie sagen, dann liebe ich es", antwortete Trumps Sohn, der in den E-Mails keine Bedenken zeigte, sondern seine Freude kaum zu unterdrücken vermochte, "im Spätsommer" gegen Clinton etwas in der Hand zu haben.

Das Trump-Lager war bereit, auf Moskaus Hilfe zurückzugreifen

Goldstone und Trump jr. vereinbarten die Details für das Treffen im Juni 2016, bei dem auch der damalige Wahlkampfberater Paul Manafort und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner anwesend waren. Auf Seiten der Russen nahm die Anwältin Natalia Weselnizkaja teil.

Seit Monaten hört man aus dem Trump-Team, es gebe keine Verstrickungen mit russischen Behörden - die veröffentlichten E-Mails zeichnen nun ein anderes Bild. Das Treffen mit der Anwältin und wie es zustande kam, beweisen zwar nicht, dass es Absprachen zwischen Kreml und Trumps Wahlkampfteam gab. Doch sie zeigen, dass der innere Kern des Trump-Lagers bereit war, auf Moskaus Hilfe zurückzugreifen, um Clinton zu schaden.

Gemäß amerikanischen Medien könnte das Treffen für Donald Trump jr. nicht zuletzt strafrechtliche Folgen haben, dennder Logan Act aus dem Jahr 1799 verbietet es US-Bürgern, dass sie ohne Zustimmung der Regierung mit ausländischen Staatsoberhäuptern oder ihren Vertretern über amerikanische Interessen verhandeln.

Trump jr., der die Twitter-Manie seines Vaters teilt, versuchte anfänglich, die Vorwürfe zu entkräften. Es handle sich, so twitterte er, um nichts als "heiße Luft" - doch wieso hat er dann das Treffen erst zu verleugnen und später zu vertuschen versucht? Erst als der mediale Druck zunahm, schrieb er, er sei wohl nicht der Einzige, der an Informationen über die Gegenseite interessiert war. Er erwähnte einen Bericht des Nachrichtenmagazins Politico, wonach ukrainische Behörden Hillary Clinton kontaktiert hätten.

Trump lobt seinen Sohn für Transparenz

Die Anwältin Weselnizkaja erklärte unterdessen, sie habe nie für die russische Regierung gearbeitet. Auch habe sie keine belastende Informationen gegen Clinton gehabt, als das Treffen in New York stattfand, sagte sie den Fernsehsendern NBC und MSNBC. Es sei um das Adoptionsverbot für Amerikaner in Russland gegangen.

Bekannt ist, dass der Brite Rob Goldstone, der das Gespräch mit der Anwältin einfädelte, im Auftrag eines Popstars aus Russland namens Emin Agalarov handelte, dessen Familie mit Trump Geschäftsbeziehungen hatte. Aras Agalarov, Vater des Sängers und bekannt als "Donald Trump Russlands", ist ein reicher Immobilienspekulant mit direktem Draht zu Wladimir Putin. Er unterstützte 2013 den "Miss-Universe"-Wettbewerb in Moskau, dessen Markenrechte Trump gehörten. Medien zufolge plante die Agalarov-Familie zudem, ein Trump-Hotel in Moskau zu bauen.

Der US-Präsident, der beim G-20-Treffen lange mit Wladimir Putin sprach, lobte am Dienstag in einer Erklärung die "Transparenz" seines Sohns. Eine Sprecherin hatte zuvor gesagt, er habe nichts gewusst von dem Treffen und den E-Mails.

© SZ vom 12.07.2017/fie
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