USA Trump will kein Präsidenten-Gehalt

Ein "Billion-Dollar-Face": Trump sagte in einem Interview, er wisse nicht, wie viel der Präsident der USA verdient.

(Foto: REUTERS)
  • Trump wird, anders als seine Vorgänger, sein Vermögen nicht in einen sogenannten Blind Trust übertragen.
  • Der Immobilienmogul will die Leitung des Unternehmens seinen drei ältesten Kindern überlassen.
  • Grund für die Blind Trusts der Vorgänger im Präsidentenamt war die Furcht vor Interessenkonflikten.
Von Kathrin Werner, New York

Donald Trump war sich selbst nicht ganz sicher, wie viel der Präsident der Vereinigten Staaten überhaupt verdient. "Ich glaube, per Gesetz muss ich einen Dollar annehmen, also nehme ich einen Dollar pro Jahr", sagte er in einem Fernsehinterview am Sonntagabend. "Aber es wäre - ich weiß nicht einmal, wie viel es wäre. Wissen Sie, wie hoch das Gehalt ist?", fragte er die Moderatorin. 400 000 Dollar, sagte sie. "Nein, ich werde das Gehalt nicht annehmen", sagte Trump. "Ich nehme es nicht." Der Milliardär hatte schon im Wahlkampf verkündet, dass er das Geld vom Staat nicht will.

Er ist nicht der erste Präsident der USA, der auf sein Gehalt verzichtet. Auch John F. Kennedy und Herbert Hoover nahmen den Präsidentenlohn nicht an, beide waren sehr reich und spendeten das Geld an Hilfsorganisationen. Trump ist reicher als sie, er ist der mit Abstand reichste Mann, der je ins Weiße Haus einziehen wird. Es sieht so aus, als brauche er die 400 000 Dollar Jahresgehalt nicht.

Wie reich er genau ist, ist allerdings unklar. Der künftige Präsident hat anders als seine Vorgänger seine Steuererklärungen nicht veröffentlicht und verfügt über ein komplexes Geflecht von Firmen und Immobilienbeteiligungen. Trump sagte im Wahlkampf, er sei mehr als zehn Milliarden Dollar schwer. Das Magazin Forbes, spezialisiert auf Rankings der Superreichen, schätzte sein Vermögen im September auf 3,7 Milliarden Dollar - 800 Millionen Dollar weniger als ein Jahr zuvor.

Trump: "Mir ist die Hotel-Belegung egal"

Trumps Imperium schrumpft - und könnte noch weiter schrumpfen. Das liegt zum einen daran, dass der New Yorker Immobilienmarkt leicht schwächer ist als in den vergangenen Jahren, besonders Verkaufsflächen und Büroräume sind etwas billiger zu haben, und Trump besitzt viele davon, etwa den gläsernen Wolkenkratzer Trump Tower an der Fifth Avenue. Zum anderen ist der Wert seiner Marke geschrumpft. Immobilienmakler berichten, dass es schwieriger geworden ist, die Apartments in seinen Wohntürmen zu vermieten. Und auch die Buchungen in seinen Hotels gehen zurück. "Wir hatten im Frühsommer eine schwere Zeit, danach stiegen die Buchungen wieder leicht, aber es kommen andere Leute", sagte die Rezeptionistin eines Trump-Hotels. "Sie machen viele Fotos und trinken nichts aus der Minibar."

Um solche Probleme müssen sich nun Trumps Kinder kümmern. Der Immobilienmogul will die Leitung des Unternehmens seinen drei ältesten Sprösslingen Donald jr., Ivanka und Eric überlassen. Sie mache sich keine Sorgen um Auswirkungen des Wahlkampfs und der Präsidentschaft auf das Geschäft, sagte Ivanka Trump in dem Fernsehinterview, zu dem die Trump-Kinder ihren Vater begleiteten. Trump senior ergänzte: "Ich denke, was Ivanka sagen will, ist: 'Wen kümmert's? Wen kümmert's?' Das hier ist die große Liga. Wir werden unser Land retten. Mir ist die Hotel-Belegung egal. Das sind Peanuts im Vergleich mit dem, was wir tun werden."

Trump hat verkündet, dass er anders als seine Vorgänger, die über größere Geldbeträge und Firmen verfügten, sein Vermögen nicht in einen sogenannten Blind Trust übertragen will. In solchen Fonds übernimmt ein unabhängiger Treuhänder das Investmentportfolio komplett, der Eigentümer gibt sein Mitspracherecht auf und erfährt nichts. Trump will seine Kinder das Unternehmen führen lassen - sie sind nicht unabhängig. "Ich glaube, wir werden eine Menge Spaß dabei haben", sagte Eric. "Und wir werden ihn sehr stolz machen."

Donald Trump Von Mexiko kann die Welt lernen, wie mit Trump umzugehen ist
Mexiko

Von Mexiko kann die Welt lernen, wie mit Trump umzugehen ist

Schotten sich die USA ab, droht Mexiko ein Kollaps. Mit neuen Verhandlungen will Präsident Peña Nieto das Schlimmste verhindern. Ganz Lateinamerika wird ihm dabei zusehen.   Kommentar von Sebastian Schoepp

Giuliani: "Man muss Vertrauen haben in die Integrität des Präsidenten"

Grund für die Blind Trusts der Vorgänger im Präsidentenamt war die Furcht vor Interessenkonflikten. Die Politiker wollten vermeiden, dass das Volk sich fragt, ob sie Entscheidungen treffen, um dem Land zu helfen oder ihre Firmen zu fördern - zum Beispiel wenn es um Handelsverträge mit anderen Ländern geht.

Rudolph Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York und einer von Trumps Beratern, rechtfertigte die Entscheidung mit den Zukunftsaussichten der Trump-Kinder, die bereits seit Langem im Familienunternehmen arbeiten. Es sei nicht fair, ihnen ihre Jobs wegzunehmen, sagte er. "Man muss Vertrauen haben in die Integrität des Präsidenten", sagte Giuliani, der für verschiedene Regierungsämter im Gespräch ist. "Der Mann ist ein enorm reicher Mann. Ich denke nicht, dass es eine reale Sorge gibt, dass er sich bereichern will. Wenn er sich bereichern wollte, wäre er nicht zur Wahl angetreten."

An Luxus-Reisen für sich und seine Familie will Trump jedenfalls sparen in den kommenden vier Jahren. "Wir haben so viel Arbeit. Es muss so viel Arbeit erledigt werden. Und ich will sie für die Menschen erledigen", sagte er. "Also ich glaube nicht, dass wir groß in den Urlaub fahren werden."

US-Wahl Trumps Mann fürs Radikale
US-Wahl

Trumps Mann fürs Radikale

Stephen Bannon gilt als rechter Hetzer und Vater von Trumps Wahlerfolg. Nun avanciert der konservative Hardliner zu einem der wichtigsten Berater des mächtigsten Mannes der Welt.   Porträt von Sebastian Jannasch