USA Fünf Gründe, warum es für Trump gar nicht so schlecht läuft

Trump hat es bislang nicht geschafft, den Aufschwung mit seinen Handelskriegen zu ersticken.

(Foto: AFP)

Der Präsident gewinnt in Umfragen an Boden. Zwar hat Trump nach wie vor nicht die Mehrheit der US-Amerikaner hinter sich - aber die braucht er auch nicht.

Analyse von Thorsten Denkler, New York

Für Donald Trump läuft es gerade ganz gut. Vor allem in den Umfragen. Er hat es zwar immer noch nicht geschafft, dass mehr als die Hälfte der Amerikaner mit ihm zufrieden sind. Aber in ernstzunehmenden Umfragen steigt er erstmals deutlich über die 40-Prozent-Marke. Die Washington Post hat jetzt zusammen mit ABC News eine Umfrage veröffentlicht, wonach 44 Prozent der Wahlberechtigten mit dem Präsidenten zufrieden sind. Im April waren es noch 39 Prozent. Nur auf die registrierten Wähler bezogen ist sein Wert mit 47 Prozent sogar noch etwas besser. Im April waren es da noch 42 Prozent.

Mehr als ein Jahr vor dem Wahltag ziehen Trumps Umfragewerte erstmals spürbar an, doch damit ist nichts entschieden. Und nach wie vor liegen die wichtigsten demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur wie Joe Biden, Kamala Harris, Elizabeth Warren und Bernie Sanders knapp bis deutlich vor ihm. Aber der Abstand schrumpft. Und wohlgemerkt: Trump muss am Ende nicht die Mehrheit der Wähler hinter sich haben. Er muss wie 2016 nur eine Mehrheit im Electoral College gewinnen, dem Wahlleutegremium, das am Ende den Präsidenten wählt. Dort kommt es nur darauf an, in genügend Bundesstaaten zu gewinnen. Die Washington Post hat nachgerechnet, dass Trumps Zustimmungswerte derzeit in so vielen Bundesstaaten bei mehr als 50 Prozent liegen, dass er damit problemlos das Electoral College gewinnen würde. Das Umfragehoch des Präsidenten hat mehrere Gründe:

Die Wirtschaft boomt

Die US-Wirtschaft ist immer noch in der längsten Wachstumsphase der Geschichte. Die Arbeitsmarktdaten sind mehr als erfreulich. Und nach zwei Jahren im Amt fällt es immer schwerer, nur darauf zu verweisen, dass der ganze Aufschwung ja von Barack Obama initiiert worden ist. Auf dem Papier zumindest ist das jetzt auch Trumps Aufschwung. Und selbst seine Gegner müssen einräumen, dass Trump es bisher zumindest geschafft hat, den Aufschwung mit seinen Handelskriegen nicht zu ersticken.

Die wirtschaftliche Stabilität ist erfahrungsgemäß einer der wichtigsten Faktoren für die Wahlentscheidung in den USA. Solange es dort gut läuft, sehen weniger Menschen die Notwendigkeit, den Präsidenten nach nur einer Amtszeit zu wechseln. Von den Wahlberechtigen sind 51 Prozent mit Trumps Wirtschaftspolitik zufrieden.

Mehr Immigranten an der Grenze zu Mexiko

An der südlichen Grenze der USA steigt seit Jahresbeginn die Zahl der Immigranten, die Asyl beantragen, deutlich an. Für das laufende Jahr rechnet die US-Regierung mit knapp einer Million Migranten, die in die USA einreisen wollen. Trumps harte Haltung ist bekannt. Viele Asylsuchende müssen ihr Verfahren jetzt in Mexiko abwarten. Er nimmt sogar in Kauf, dass Kinder unter unmenschlichen Bedingungen in Käfige gesperrt werden, weil angeblich Platz und Ressourcen fehlen.

Trump-Fans unterstützen seine Position dennoch oder auch gerade deshalb. Aber auch moderate Republikaner und vermutlich selbst einige konservative Demokraten und Wechselwähler sehen mit zunehmender Sorge, dass die Grenzbehörden mit der Situation offensichtlich überfordert sind.

Trump dürfte in die Hände spielen, dass die demokratischen Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur eine klare Position scheuen. In der ersten TV-Debatte verurteilten sie Trumps Vorgehen und debattierten ernsthaft, den illegalen Grenzübertritt nicht mehr als Straftat, sondern als Bagatelldelikt zu behandeln. Grenzsicherheit aber spielte gar keine Rolle. Das ist eine offene Flanke, die Trump mit seinem ständigen Ruf nach einer Mauer gerne zu schließen versucht.

Für Trump ist die Immigrationsfrage wie ein Spiel ohne Gegner - und sein wichtigstes Thema im Werben um eine zweite Amtszeit. Sein Wahlkampfmanager Brad Parscale sagt: "Grenzschutz ist der Nummer-eins-Grund, weshalb Menschen Trump wählen." Und wenn die Demokraten da nicht liefern, wird Trump der Einzige blieben, der die Nachfrage mit einem Angebot bedient.