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USA:Trumps Angriffe festigen Omars Anhängerschaft

Omar sind Morddrohungen nicht fremd. Vergangen Monat ist ein Trump-Fan im Bundestaat New York festgenommen worden, weil er gedroht hatte, Omar zu erschießen. Sie war kürzlich auch das Ziel einer Bombendrohung, als sie auf einer Veranstaltung in Los Angeles reden sollte.

Manchen Ärger hat sie allerdings selbst verschuldet. Zweimal musste sie sich von Parteifreunden den Vorwurf gefallen lassen, sich antisemitisch geäußert zu haben. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses sah sich gar genötigt, eine Resolution verabschieden zu lassen, in der Antisemitismus klar verurteilt wird. Omar entschuldigte sich in aller Form für ihre Äußerungen.

Trumps Angriffe auf sie mögen seine eigene Basis aufstacheln. Sie machen aber eine neue Abgeordnete auch zu einer Person von nationalem Interesse - und festigen zugleich Omars Anhängerschaft. Im ersten Quartal 2019 konnte sie über 800 000 Dollar an Spenden einsammeln. Das ist die Währung, mit der die politischen Parteien in den USA Einfluss messen. Omar gehört mit der Summe zu den Top-Spendensammlern unter den Demokraten im Repräsentantenhaus. Sie hat - bisher zumindest - keinen Grund zur Bescheidenheit.

Geboren wurde Ilhan Omar am 4. Oktober 1981 in Mogadischu, Somalia, als jüngstes Kind von sieben Geschwistern. Ihr Vater war Lehrer, ihre Mutters starb, als sie zwei war. Als in Somalia der Bürgerkrieg ausbrach, floh ihre Familie bald ins benachbarte Kenia. Vier Jahre verbrachte sie dort in einem Flüchtlingscamp. 1995 erreichte die Familie die USA und beantragte Asyl. Ihr Vater baute der Familie als Taxifahrer und später als Post-Mitarbeiter in Minnesota eine bescheidene Existenz auf. Für Omar war es der Beginn einer schweren Reise. Erstmals in ihrem Leben sei sie damit konfrontiert worden, als schwarze Muslima "anders" zu sein, sagt sie.

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Im Jahr 2000, im Alter von 17 Jahren, wurde Omar US-Staatsbürgerin. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entschloss sie sich, weiter ihr Kopftuch, den Hijab, zu tragen. Als Zeichen ihrer Identität. Eine Identität, die sie bis dahin immer wieder in Frage gestellt sah.

Sie war vielen Demütigungen ausgesetzt nach ihrer Ankunft in den USA. Sie ist eine Treppe hinuntergeworfen worden, wurde gemobbt wegen ihres Kopftuchs, ihre wurde Kaugummi in die Kleidung geklebt. Ihr Vater hat ihr damals gesagt: "Sie tun dir das an, weil sie sich auf irgendeine Weise von deiner bloßen Existenz bedroht fühlen."

Omar will nicht unsichtbar sein

Omar hat das nur weiter motiviert. Sie hat um ihre Rechte gekämpft, darum, als Gleiche und unter Gleichen angesehen zu werden. Und sie hat es damit weit gebracht. Sie ging zum College, studierte, ging in die Politik, hebelte einen Amtsinhaber aus dem Sitz im Parlament von Minnesota und zog 2018 schließlich in den Kongress ein.

"Sie ist eigentlich ein Paradebeispiel für den sogenannten amerikanischen Traum", sagt die Politologin Larycia Hawkins aus Virginia. "Aber für viele weiße Christen in den USA ist sie ein amerikanischer Albtraum".

Das gilt auch für viele Juden in den USA. Regelmäßig greift Omar die israelische Regierung für ihre Politik gegenüber Palästina an. Im Wahlkampf 2018 hielt sie sich noch zurück. Als die Wahl vorüber war, machte sie schnell klar, dass sie die Boykott-Bewegung gegen israelische Produkte (BDS) unterstützt. In der jüdischen Gemeinschaft der USA sind viele deshalb nicht gut auf sie zu sprechen. Und es gibt selbst unter den Demokraten Bestrebungen, ihr in ihrem Wahlkreis einen besonders starken Vorwahlgegner gegenüberzustellen.

Der Satiriker Stephen Colbert hat sie in seiner "Late Show" mal gefragt, ob es gerade in der ersten Legislaturperiode nicht besser sei, den Ball flach zu halten. Omars Antwort: "Frauen wurde immer gesagt, sie sollten sich ruhig verhalten, unsichtbar sein, unhörbar." Aber sie sei nicht da, um leise zu sein. Sie sei nicht da, um unsichtbar zu sein. Sie sei da, um "für gute Unruhe" zu sorgen.

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