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Shutdown in den USA:"Trump macht uns zu Gefangenen seines politischen Spiels"

Behördenmitarbeiterinnen in Detroit protestieren gegen den Shutdown

(Foto: AP)
  • Ganze 23 Tage sind Teile der US-Regierung wegen des Streits um das Geld für den Bau einer Mauer zu Mexiko schon lahmgelegt. Der jetzige Shutdown ist der längste der US-Geschichte.
  • Die Haushaltssperre bringt viele Amerikaner in eine sehr prekäre Lage, vermutlich sind mehr als vier Millionen Menschen betroffen.
  • Bei den Betroffenen ist die Wut groß.

Den ersten Arbeitstag im Museum hatte Hirut Tsigie vor 25 Jahren. Die gebürtige Äthiopierin arbeitet bis heute in der Cafeteria der National Gallery of Arts in Washington, doch seit Neujahr muss sie zu Hause bleiben. Wegen des Shutdowns bleiben die Museen in den USA geschlossen, wer dort arbeitet, erhält keinen Lohn. Was das für Tsigie heißt, erklärt sie am Telefon: "Ich muss entscheiden, welche Rechnungen ich bezahlen kann und welche nicht. Die Miete? Die Kreditkarte?"

Tsigie ist keine Staatsangestellte. Die 57-Jährige aus Maryland arbeitet für das private Catering-Unternehmen, das die Cafeteria des Museums betreibt. Auch die Putzfrauen und Sicherheitsleute des Hauses sind bei externen Firmen angestellt. Sie alle betrifft der Shutdown - die nationale Haushaltssperre - sogar noch stärker als die Beamten.

Diese erhalten den entgangenen Lohn nach dem Ende der Haushaltsblockade rückwirkend erstattet, die Angestellten privater Firmen hingegen nicht. "Wenn ich keine Stunden mache, erhalte ich auch kein Gehalt", sagt Tsigie. Sie hat zwei Kinder, die beide noch zu Hause sind. "Wir leben als Familie von Gehaltscheck zu Gehaltscheck", sagt sie. "Die Situation ist sehr belastend."

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Auch wenn dies für ihn eine "leichte Lösung" wäre. Der Shutdown ist inzwischen zum längsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten geworden. Fluglotsen klagen gegen die Regierung.

Ganze 23 Tage sind Teile der US-Regierung nun schon lahmgelegt, weil Präsident Donald Trump auf 5,7 Milliarden Dollar für den Bau einer Grenzmauer zu Mexiko besteht. Es ist Geld, das ihm die Demokraten im Kongress nicht zugestehen wollen. Das macht den jetzigen Shutdown zum längsten in der US-Geschichte. Um die Mauer ohne Einwilligung der Abgeordneten bauen zu können, erwägt Trump seit Tagen sogar, den Notstand auszurufen.

Wer die Miete nicht pünktlich zahlt, dem droht der schnelle Rauswurf

Für ihn bleibt der Shutdown abstrakt, ein taktisches Instrument in der Hand seiner politischen Gegner. Für viele Amerikaner hat die Haushaltssperre aber sehr reale Folgen. Ohne die Gehaltschecks, die sie in der Regel alle 14 Tage erhalten, geraten viele in eine prekäre Lage, Erspartes haben sie oft nicht. Und wer in den USA seine Miete nicht pünktlich zahlt, dem droht schon binnen weniger Tage der Rauswurf aus der Wohnung.

Auch Tresha Taylor muss in diesen Tagen schwierige Entscheidungen treffen. Die 50-Jährige arbeitet für ein Unternehmen, das US-Diplomaten ausbildet. Ihr letztes Gehalt erhielt sie am 21. Dezember, doch die Rechnungen kommen weiterhin. "Ich habe inzwischen begonnen, Möbel zu verkaufen." Taylors Arbeitgeberin ist eine von vielen in der Umgebung der Hauptstadt.

Schon lange lagern US-Ministerien und Amtsstellen zahlreiche Aufträge an private Dienstleister aus. Je länger die Haushaltsblockade andauert, desto schmerzhafter wird sie auch für diese Firmen. "Manche Angestellte werden ihre Jobs verlieren, selbst wenn der Shutdown vorüber ist", sagt Taylor.