USA US-Regierung will Ölbohrungen in vielen Schutzgebieten erlauben

Küste vor Anchorage, Alaska: Die Trump-Regierung weitet die Gebiete für Ölbohrungen massiv aus.

(Foto: AP)
  • Die US-Regierung will zahlreiche geschützte Gebiete für Bohrungen nach Gas und Öl freigeben.
  • Die betroffenen Bundesstaaten und Umweltschützer kritisieren die Pläne heftig.
Von Johannes Kuhn

"Energie-Dominanz" hat sich Donald Trump gewünscht, sein Innenminister Ryan Zinke ging sogar noch weiter: "Wir werden die stärkste Energie-Supermacht", versprach er. Der Preis dafür: Die USA wollen künftig an fast allen Küstenteilen Lizenzen zu Offshore-Bohrungen nach Öl und Gas vergeben.

Der vorgestellte Fünfjahresplan sieht vor:

  • Erstmals nach mehr als drei Jahrzehnten sollen im Pazifik vor der Küste Kaliforniens wieder neue Förderlizenzen vergeben werden. Dort hatte 1969 eine schwere Ölpest mit drei Millionen Gallonen ausgelaufenem Öl den Strand der Küstenstadt Santa Barbara verseucht. Dies hatte zur Geburt der amerikanischen Umweltbewegung geführt und zu einem Stopp der Lizenzvergabe.
  • Auch für bislang ausgesparte Teile der Atlantik-Küste von Virginia bis hinauf nach Maine sollen Ölfirmen Bohrlizenzen erhalten.
  • Wie bereits angekündigt sollen auch vor Alaskas Arktikküste, einem besonders sensiblen Lebensraum, Bohrungen stattfinden dürfen.
  • Auch im ohnehin stark angezapften Golf von Mexiko werden die Gebiete nach Osten vor die Küste Floridas ausgeweitet.

Alle betroffenen Gouverneure sind gegen neue Bohrungen

Damit werden die unter Trumps Vorgänger Barack Obama ausgewiesenen Schutzzonen aufgelöst. Der Plan sei noch nicht finalisiert, man werde zunächst zwei Monate lang die Meinung der Öffentlichkeit einholen, erklärte Zinke. Allerdings stehen einige US-Ministerien im Verdacht, nur wohlmeinende Kommentare auf ihren Webseiten zu veröffentlichen.

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In allen betroffenen Bundesstaaten sind die Gouverneure gegen neue Offshore-Ölbohrungen, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Die 87 Tage dauernde Ölkatastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko 2010 ist noch in lebendiger Erinnerung.

Die Staaten fürchten um Naturschutzgebiete, die Fischfang-Branche und bei Unfällen nicht zuletzt um die Strände und den dort angesiedelten Tourismus. Floridas republikanischer Gouverneur Rick Scott erklärte, es sei "dringend notwendig, Florida aus solchen Gedanken auszuschließen." Paul Ryan, der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, sprach dagegen von "guten Nachrichten" und neuen Arbeitsplätzen.

47 Millionen Hektar für die Ölindustrie

Umweltorganisationen zeigten sich entsetzt, zumal die US-Regierung erst vor wenigen Tagen zahlreiche Bohrturm-Sicherheitsstandards ausgesetzt hatte, die nach der BP-Ölkatastrophe 2010 Pflicht wurden. "Diese Meeresgewässer sind nicht Donald Trumps Spielplatz", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Umweltgruppen wie Sierra Club und Natural Resources Defense Council.

Die Ölindustrie hätte durch die neuen Regelungen dagegen Zugang zu einem Gebiet, das insgesamt mehr als 47 Millionen Hektar Fläche umfasst. Weil die Bohrungen teuer sind und in den neuen Regionen jenseits des Golfs erst eine Transport-Infrastruktur geschaffen werden muss, könnte sich das Ersteigern von Lizenzen womöglich erst bei einem höheren Ölpreis lohnen. Alleine die Erschließung der Atlantik-Regionen dürfte mehr als ein Jahrzehnt dauern, so die Schätzung von Experten.

Die Bundesstaaten kontrollieren zudem die ersten 5,6 Kilometer vor der Küste und könnten dort zum Beispiel den Bau von Pipelines blockieren oder durch Gesetze den Öltransport an Land erschweren.

Zunächst werden allerdings ohnehin zahlreiche Klagen erwartet, die sich bis zur nächsten Präsidentschaftswahl 2020 hinziehen könnten. Ein demokratischer Nachfolger könnte die Gebiete theoretisch dann wieder umwidmen.

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