Gut eine Woche vor Beginn des Amtsenthebungsverfahrens im US-Senat gegen den früheren Präsidenten Donald Trump sind offenbar die Anwälte des Teams ausgestiegen, das ihn im Impeachment-Prozess verteidigen sollte.
Fünf Verteidiger hätten die Zusammenarbeit mit Trump am Samstag aufgekündigt, berichteten mehrere US-Medien. Zu ihnen sollen zwei Anwälte gehören, welche die Verteidigung des Ex-Präsidenten im Senat in Washington hätten führen sollen. Der Nachrichtensender CNN berichtete, es habe Uneinigkeit gegeben über die Strategie für das Verfahren.
Trump will sich damit rechtfertigen, bei der Wahl sei betrogen worden
Unter Berufung auf einen Informanten aus der Umgebung der Anwälte heißt es bei CNN, Trump habe verlangt, dass die Verteidiger ins Zentrum ihrer Argumentation die längst auch gerichtlich vielfach widerlegte Behauptung stellen sollten, es habe bei der Präsidentenwahl im November massenhaft Betrug gegeben. Die Anwälte hingegen hätten den Schwerpunkt auf die Frage legen wollen, ob ein Präsident nach Ausscheiden aus dem Amt noch in einem Impeachment-Verfahren verurteilt werden kann. Am 20. Januar hatte der Demokrat Joe Biden die Präsidentschaft übernommen.
Das von den Demokraten angestrengte Amtsenthebungsverfahren, das am 6. Februar beginnen soll, beruht auf dem Vorwurf der "Anstiftung zum Aufruhr", weil Trump am 6. Januar seine Anhänger, die an die Version der "gestohlenen Wahl" glaubten, aufgestachelt und ermutigt habe zur gewaltsamen Stürmung des Washingtoner Kapitols am selben Tag. In dem Zusammenhang kamen fünf Menschen um, Senatoren und Abgeordnete mussten stundenlang um ihre Sicherheit fürchten, im Parlamentsgebäude wurden Verwüstungen angerichtet.
Bei einem Schuldspruch könnte der Senat Trump verbieten, erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren. Dass es dazu kommt, gilt jedoch als unwahrscheinlich, denn außer den 50 demokratischen Senatoren müssten auch mindestens 17 Republikaner dafür stimmen.
Im Zusammenhang mit der Erstürmung des Kapitols sind unterdessen zwei Angehörige der rechtsradikalen Gruppe "Proud Boys" vor einem Bundesgericht in Washington angeklagt worden. Das US-Justizministerium teilte mit, den 31 und 43 Jahre alten Männern werde unter anderem Verschwörung und illegales Eindringen in besonders geschützte Gebäude vorgeworfen.
