US-Präsident Donald Trump macht den Streit um die Berufung seines Kandidaten Brett Kavanaugh zum Richter am Supreme Court zum Wahlkampfthema. Die oppositionellen Demokraten versuchen mit aller Macht, Kavanaughs Berufung im Senat zu verhindern, und fordern dabei die Aufklärung des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs in Kavanaughs Jugendzeit. Die Demokraten versuchten, "zu blockieren und zu zerstören", sagte Trump am Samstag vor jubelnden Anhängern in Wheeling (West Virginia). Die Wähler sollten ihnen dafür bei den Parlamentswahlen am 6. November die Quittung geben.
"Wir sind nur fünf Wochen von den wichtigsten Kongresswahlen unseres Lebens entfernt", sagte Trump. "Ich kandidiere nicht, aber ich kandidiere in Wirklichkeit doch." Er betonte: "Viel von dem, was wir getan haben - manche Menschen sagen, alles was wir getan haben -, steht im November auf dem Spiel." Im Streit um Kavanaughs Ernennung stehen nicht seine politischen Ansichten im Vordergrund, sondern Missbrauchsvorwürfe von mindestens drei Frauen. Der Justizausschuss des Senats empfahl am Freitag die Nominierung des 53-Jährigen mit der Mehrheit der Republikaner gegen die Stimmen aller Demokraten. Allerdings willigte Trump ein, der Bundespolizei FBI eine Woche Zeit für eine weitere Überprüfung Kavanaughs zu geben, also wegen der Vorwürfe zu ermitteln. Danach muss der Senat über die Berufung Kavanaughs entscheiden.
Am Supreme Court könnte Kavanaugh zudem Trump Macht absichern helfen, weil er mitentscheiden könnte, ob der Präsident vom Sonderermittler Robert Mueller vorgeladen werden kann. Mueller ermittelt in der Frage, ob Russland sich in die US-Wahl eingemischt hat. Vor seinem Abflug nach Wheeling hatte Trump Kavanaugh den Rücken gestärkt. "Ich denke, dass er großartig ist" und der Senat ihn bestätigen werde, sagte Trump. "Ich brauche keinen Plan B". Das FBI habe freie Hand.
In Wheeling lobte Trump auch in höchsten Tönen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. Kim und er hätten sich "verliebt", sagte Trump. "Er hat mir wunderschöne Briefe geschrieben und das sind großartige Briefe. Wir haben uns verliebt." Trump und Kim hatten sich im Juni in Singapur getroffen. Ein zweites Gipfeltreffen soll folgen. Darauf, dass die Verhandlungen mit Nordkorea stocken, ging Trump allerdings nicht ein. Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho lehnte am Samstag vor der UN-Vollversammlung eine einseitige Aufgabe seines Atomwaffenprogramms ohne mehr Vertrauen in die USA ab. Washingtons Festhalten an Sanktionen steigere das Misstrauen seines Landes, sagte Ri.