USA:Seine Rede gleicht einer Gehirnwäsche

Er nämlich habe genau richtig auf Charlottesville reagiert. Er hat nichts zurückzunehmen. Seine Worte waren "perfekt". Aber die Medien, die hätten nicht berichtet, was er gesagt habe. Dass er nämlich alle Amerikaner liebe. Und nicht nur "Dich weil Du schwarz bist. Oder dich, weil Du aus Jäpäään! kommst. Oder dich, weil Du aus Tschaina! kommst."

Er sagt das wirklich so verächtlich, "Jäpäään" und "Tschainaa!" Wie jemand, der einem lächelnd die freundlichsten Dinge sagt und ihm gleichzeitig beide Mittelfinger entgegenreckt. Aus dem Publikum sind Lacher zu hören.

Wer denkt, der Abgang des rechten Verschwörungstheoretikers Steve Bannon als Chef-Stratege im Weißen Haus würde Trump in irgendeiner Form moderater auftreten lassen, der irrt.

Seine Botschaft: Schaut und lest keine vermeintliche Lügenpresse. Schaut und lest, was ich schaue und lese. Und das sind, er nennt sie beim Namen: der konservative Sender Fox, dort speziell die Trump ergebenen Frühstücks-Moderatoren der Sendung "Fox and Friends". Sowie den Trump-Fan Sean Hannity mit seiner gleichnamigen Sendung "Hannity", ebenfalls auf Fox, genauer Fox News.

Hannity hat mal über sich gesagt, er sei erstens kein Journalist und zweitens werde er alles tun, um Trump zum Erfolg zu verhelfen. Genau so ist auch seine Sendung. Der Mann lässt gar nichts auf seinen Präsidenten kommen. So mag es Trump.

Trump forciert an diesem Abend seinen Krieg gegen die klassischen Medien. Auf Twitter hat er sie "Feinde des amerikanischen Volkes" genannt. Hier sagt er, er glaube nicht, dass diese Journalisten ihr Land lieben. Jeder ihrer Angriffe auf ihn sei ein Angriff auf "euch", sagt er. Dabei zeigt er mit seinem Finger in das Rund der Arena. "Auf euch hart arbeitende Menschen".

Es sind die Methoden einer Gehirnwäsche: Zerstöre das Vertrauen in jene, die nicht ausschließlich gut über dich berichten. Und die Leute kaufen dir alles ab.

Trump lügt seinen Anhängern ins Gesicht

Trump lügt seinen Anhängern tatsächlich mitten ins Gesicht an diesem Abend. Und die jubeln. Einmal zeigt er auf die Kameras und behauptet, CNN hätte gerade die Live-Übertragung abgebrochen, weil die seine Wahrheit nicht ertragen könnten. Nein, CNN hat nichts abgebrochen.

Ja, es sind Lügen. Er übertreibt nicht einfach, lässt Erfolge etwas strahlender erscheinen als sie sind. Oder redet Niederlagen etwas kleiner als sie sind. Er lügt. Über die Zahl der Jobs, die er angeblich geschaffen hat, die Zahl der Unternehmen, die er in die USA zurückgeholt habe. Oder auch nur darüber, dass vor den Türen der Halle in Phoenix nur einige wenige Gegendemonstranten seien. Unbedeutende "Antifaaa!", sagt er und verdreht die Augen, als wäre er irre. Es sind zu dem Zeitpunkt in Wahrheit Tausende. Das berichtet zumindest Trumps Lieblingssender Fox News. Auf Bildern ist zu sehen, wie die Polizei Tränengas gegen sie einsetzt.

Vor allem aber lügt Trump über seine verschiedenen Äußerungen zu Charlottesville. Trump holt einen Zettel aus der Innentasche seines Jacketts. Der Zettel soll seinen Fans Akkuratesse vorgaukeln. Er zitiert sich selbst von diesem Zettel. Zitiert, was er an jenem Samstag gesagt hat, nachdem Heather Heyer von einem Rechtextremen getötet wurde. Dass er etwa "Hass, Bigotterie und Gewalt" verurteile. - "Das bin ich, der das sagt!" - Und dass alle Amerikaner ein Recht hätten, sicher zu leben. Wieder: "Das bin ich, der da spricht!" - als ob er es selbst kaum glauben könne.

Er spielt dieses Spiel weiter. Er zitiert sich selbst aus seiner Stellungnahme zwei Tage später, in dem er es endlich schafft, die Gewalt der "Neonazis, des Ku-Klux-Klan und der Weißen Nationalisten" zu verurteilen.

Die entscheidenden Sätze lässt er weg

Trump tut so, als wären es die von ihm hier vorgetragenen Sätze gewesen, die eine große Mehrheit im Land - in seinen Augen allein die Medien - gegen ihn aufgebracht hätten. Dabei gibt es an diesen Sätzen objektiv nichts auszusetzen. Aber er zitiert eben nur die Stellen, in denen er von Liebe spricht, von Einigkeit, von Respekt. Die entscheidenden Sätze lässt er weg: die, die für einen Aufschrei in weiten Teilen der US-amerikanischen Gesellschaft gesorgt haben.

Er lässt vor seinen Anhängern weg, dass er im ersten Anlauf erklärte, die Gewalt sei "von vielen Seiten, von vielen Seiten" gekommen - womit er völlig ausgeblendet hat, dass Heather Heyer von einem Rechten getötet wurde. Und er zitiert nicht, wie er im verheerenden dritten Versuch insistiert, auf Seiten der Neonazis und weißen Nationalisten seien auch ein paar "sehr feine Menschen" mitmarschiert.

Diese Sätze standen wohl nicht auf seinem Zettel.

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