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USA:Trump gibt die Schuld den anderen

Der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro war mit seinem Mitarbeiterstab zu Gast in Trumps Golfresort Mar-a-Lago. Mehrere Personen, die an dem Abend dabei waren, wurden später positiv auf das Coronavirus getestet.

(Foto: AP)
  • Ein Test von US-Präsident Trump auf das Coronavirus ist nach Angaben seines Arztes negativ ausgefallen.
  • Trump hatte vor einer Woche direkten Kontakt mit Bolsonaros Pressesprecher, der später positiv auf das Virus getestet wurde.
  • Am vergangenen Mittwoch wandte Trump sich in einer Fernsehrede an die Nation. Statt für mehr Sicherheit sorgte er für mehr Verwirrung.

Von Hubert Wetzel , Washington

Am Samstag vor einer Woche war in Mar-a-Lago, dem Golfresort von Donald Trump in Florida, viel los. Der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro war mit seinem Mitarbeiterstab zu Gast, am Abend wurde der Geburtstag von Kimberly Guilfoyle gefeiert, der Freundin des Sohnes des US-Präsidenten. Ebenfalls anwesend, wenn auch ohne Einladung, war Sars-CoV-2, bekannt als das Coronavirus. Mehrere Personen, die beim Party-Wochenende in Mar-a-Lago dabei waren, wurden inzwischen positiv auf das gefährliche Virus getestet.

Das ist der Grund, warum in Washington in den vergangenen Tagen heftig darüber spekuliert wurde, ob das Virus nicht vielleicht schon längst auch den mächtigsten Menschen der Welt erwischt haben könnte. Immerhin hatte Trump in Mar-a-Lago direkten Kontakt mit Bolsonaros Pressesprecher Fabio Wajngarten, der später positiv auf das Virus getestet wurde. Nachdem der Druck, Klarheit zu schaffen, immer größer geworden war, teilte Trump selbst am Samstagmittag mit, dass er sich habe testen lassen, das Ergebnis aber noch nicht kenne. Einige Stunden später gab der Arzt des Präsidenten dann jedoch Entwarnung: "Der Test ist negativ", schrieb er in einer Presseerklärung.

Was das Weiße Haus im Ernstfall mit der Information gemacht hätte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, ist allerdings eine andere Frage. Trump ist 73 Jahre alt. Das Risiko zu sterben liegt in dieser Altersgruppe bei acht Prozent. Es ist also gut möglich, dass Donald Trump einfach sehr großes Glück gehabt hat.

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Ob das auch in politischer Hinsicht gilt, ist noch nicht klar. Das wird - wenig überraschend - vor allem davon abhängen, wie schwer die Krise die Amerikaner trifft. Das wiederum aber hängt auch maßgeblich davon ab, wie ernst Trump die Bedrohung durch das Virus nimmt.

Trump blieb lange Zeit merkwürdig passiv

Dass Trump sich zunächst keine großen Sorgen um Corona gemacht und sich dann bemüht hat, das Risiko kleinzureden, ist offensichtlich. "Wir haben alles total unter Kontrolle", sagte er am 22. Januar in einem Interview - einen Tag nachdem der erste Fall in den USA bekannt geworden war. Einen Monat später, als es in den Vereinigten Staaten bereits Infizierte gab, twitterte er: "Das Coronavirus ist in den USA gut unter Kontrolle." Am 27. Februar versicherte der Präsident: "Es wird eines Tages verschwinden, wie ein Wunder." Zwei Tage später starb der erste Corona-Patient in den USA.

Doch obwohl spätestens zu diesem Zeitpunkt klar war, dass die USA auf eine gewaltige Corona-Krise zusteuern, ist der Präsident lange Zeit merkwürdig passiv geblieben. Noch am 10. März sagte er über das Virus: "Es wird weggehen. Bleibt nur ruhig. Es wird weggehen." Praktisch alle Schutzmaßnahmen wurden bisher von lokalen Behörden oder einzelnen Bundesstaaten verfügt, nicht von der Bundesregierung in Washington. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass in manchen Gebieten alle Schulen geschlossen sind, während sie in New York City noch offen haben.

Auch Trumps öffentliche Auftritte waren nicht dazu angetan, dass die Amerikaner ihren Präsidenten als entschlossenen, kompetenten Krisenmanager sehen können. Am vergangenen Mittwoch wandte Trump sich in einer Fernsehrede an die Nation. Er las die Ansprache monoton vom Teleprompter ab - schaffte es aber trotzdem, drei nennenswerte sachliche Fehler in der knapp zehnminütigen Rede unterzubringen. Statt mehr Sicherheit erzeugte Trump dadurch mehr Verwirrung. Am Tag darauf stürzte der Dow-Jones-Aktienindex um satte zehn Prozent ab.

Diese Scharte wollte der Präsident, der die Aktienmärkte zum Maßstab für den Erfolg seiner Präsidentschaft gemacht hat, am Freitag wieder auswetzen. Um zu zeigen, dass er etwas tut, rief er am Freitag in einer Pressekonferenz in Washington den nationalen Notstand aus. Das erleichtert es den US-Bundesstaaten, an Hilfsgelder aus dem Bundeshaushalt zu kommen. Zudem versprach er, dass es im Land bald genügend Test geben werde, um mehr Menschen mit Verdacht auf eine Corona-Infektion überprüfen zu können. Die Wall Street quittierte das mit einem Kurssprung von zehn Prozent. Erst später stellte sich heraus, dass der Präsident wohl wieder einmal etwas übertrieben hatte, wie er das ja oft tut.

Auch ein anderes Verhalten in der Krise ist wieder typisch für Trump: Schuld haben immer andere. Dass die Pandemie-Einheit im Nationalen Sicherheitsrat während seiner Amtszeit aufgelöst wurde? Davon wisse er nichts, sagte Trump. Dass Krankenhäuser auch nach Wochen nicht genügend Corona-Tests haben? "Dafür übernehme ich keinerlei Verantwortung", so der Präsident. Statt dessen wirft er der Vorgängerregierung vor, das Land nicht auf eine Epidemie vorbereitet zu haben. Und bisher scheint dieses Abwiegeln Trump nicht geschadet zu haben. In den aktuellen Umfragen ist sein Beliebtheitswert allenfalls leicht gesunken, von 44 auf 42 Prozent. Das bedeutet: Bisher halten die Amerikaner, die Trump mögen, zu ihm. Ob das so bleibt, wenn die Corona-Krise die USA voll trifft, wird für den Präsidenten zur politischen Überlebensfrage werden.

© SZ.de/dit
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March 12, 2020, Washington, District of Columbia, USA: President Donald Trump waits for the arrival of Irish Prime Mini

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