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Pew-Studie:Ansehen der USA in Deutschland auf neuem Tiefpunkt

Wladimir Putin, Angela Merkel, Donald Trump

Wladimir Putin, Angela Merkel und Donald Trump

(Foto: AP, Reuters, AFP)

Das Vertrauen in den russischen und chinesischen Präsidenten ist inzwischen in etlichen Ländern höher als in den US-Präsidenten, wie eine aktuelle Studie zeigt. Bundeskanzlerin Merkel dagegen genießt weltweit hohe Wertschätzung.

Von Markus C. Schulte von Drach

Das Ansehen der USA ist unter dem US-Präsidenten Donald Trump in etlichen Ländern weltweit auf den tiefsten Wert seit 20 Jahren gesunken. In Deutschland etwa haben nur noch 26 Prozent der Bevölkerung ein positives Bild von den Vereinigten Staaten.

Dort und in etlichen weiteren Ländern ist der Anteil der Menschen mit hoher Wertschätzung für die USA auf Zahlen gesunken, wie sie im März 2003 - allerdings nur vorübergehend - gemessen wurden, als die USA und ihre Verbündeten in den Irak einmarschierten.

Das zeigen Umfragen des unabhängigen Pew Research Center in Washington D.C.. Die Fachleute haben in dreizehn Ländern von Juni bis Anfang August insgesamt fast 13 300 Erwachsene telefonisch befragt.

Demnach haben etwa in Frankreich und Australien nur noch 31 respektive 33 Prozent ein positives Bild von den USA, in Kanada sind es 35 Prozent, in Großbritannien und Japan jeweils 41 Prozent.

Vertrauen in den Präsidenten hegt in Deutschland gerade einmal jeder Zehnte. Viel größer war der Anteil derjenigen, die Trump zu schätzen wussten, allerdings auch zuvor nicht. Auch in den anderen Ländern, in denen die Pew-Experten sich umgehört haben, hat das Vertrauen darauf, dass Trump in der Weltpolitik das Richtige tun wird, deutlich abgenommen. Am größten ist es mit 25 Prozent noch in Japan, während es in Südkorea 2019 noch bei 46 Prozent lag und nun auf 19 Prozent abgestürzt ist.

Vergleicht man das Vertrauen, dass die Befragten in den 13 Ländern verschiedenen Führungspersönlichkeiten entgegenbringen, so fällt auf, dass Trump mit 16 Prozent noch hinter dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin liegt. Mit deutlichem Abstand führt in der Umfrage Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Sie behält demnach ihre Spitzenposition, die sie seit 2017 innehat.

Am besten kommt Trump noch in Japan weg, wo jeder Vierte an seine Weltpolitik glaubt, Putin und Xi haben hier weniger überzeugt. In fast allen anderen Staaten vertrauen dagegen mehr Menschen dem chinesischen und russischen Präsidenten als Trump. Besonders auffällig ist das in Italien, wo 37 Prozent Putin vertrauen, und ein Viertel Xi. In den Niederlanden sind 29 Prozent der Meinung, Xi wäre vertrauenswürdig, wenn es um Weltpolitik geht.

In Deutschland etwa vertraut nur noch jeder Zehnte auf Trump, während 31 Prozent angeben, sie vertrauen darauf, dass Putin das Richtige tut, und 18 Prozent sagen das von Xi.

Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel hat besonders in den Niederlanden und Dänemark viele "Anhänger" (88 und 87 Prozent respektive), in ihrer Heimat sind vier Fünftel der Meinung, ihrem Umgang mit der Weltpolitik könne man vertrauen. Ihre schlechtesten Werte findet Merkel in Italien (50 Prozent).

Zum Teil, so die Pew-Fachleute, hat das Ansehen Trumps und der USA unter dem Umgang mit der Coronapandemie gelitten. Am besten kommen die Amerikaner noch in Spanien und Italien weg, wo jeweils noch etwa ein Fünftel der Bevölkerung ihnen einen "guten Job" in der Krise zugute hält. Insgesamt sind die meisten der Meinung, dass ihre Heimatländer gut mit der Pandemie umgegangen sind, auch die Arbeit der WHO und der EU findet mehrheitlich Zuspruch.

Dass China hier einen "guten Job" gemacht hat, sehen allerdings nur 37 Prozent, und 84 Prozent beurteilen den Umgang der USA mit dem Virus als schlecht.

Auffällig ist hier, dass in Europa vor allem Anhänger rechtspopulistischer und rechter Parteien den USA gute Arbeit attestieren. Anhänger der AfD begrüßen Trumps Politik fast sieben Mal häufiger als alle anderen Befragten in Deutschland (34 Prozent gegenüber fünf Prozent). Am meisten Vertrauen, so berichten die Pew-Experten, findet Trump eher bei Männern, auch unter Menschen mit verhältnismäßig wenig Bildung sowie unter Rechten.

Keine Überraschung ist es, dass Rechte auch eher dazu neigen, Russlands Präsident Putin und Boris Johnson, Großbritanniens Premier, zu vertrauen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn es um Merkel und Macron geht.

Die Umfrageergebnisse des Pew Research Center bestätigen frühere Studien, zeigen aber, dass US-Präsident Trump mit seiner Politik im Kampf gegen das Coronavirus seinem Ansehen und dem der USA in großen Teilen der Welt erkennbar Schaden zugefügt hat.

© SZ/bepe

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