USAEin pflichtbewusster Soldat, Codename „Rosine“

Lesezeit: 2 Min.

Dan Caine bei einer Zeugenaussage zum Verteidigungsbudget im Sommer 2025 in Washington.
Dan Caine bei einer Zeugenaussage zum Verteidigungsbudget im Sommer 2025 in Washington. KAYLA BARTKOWSKI/Getty Images via AFP

Dan Caine war bereits im Ruhestand, als ihn Präsident Trump zum Chef der mächtigsten Streitkräfte der Welt machte. Als solcher müsste der ehemalige Kampfpilot die Befehle Trumps befolgen, auch wenn es ein Angriff auf Venezuela wäre.

Von Peter Burghardt

Den Oberbefehlshaber der US-Truppen kennt jeder, er heißt Donald Trump. Aber wer ist der Mann, der in seinem Auftrag die mächtigsten Streitkräfte der Welt leitet? Der als solcher also Folge leisten müsste, wenn der Präsident zum Beispiel anordnen würde, nicht nur wie zuletzt vermeintliche Drogentransporte, sondern tatsächlich auch Venezuela anzugreifen? Immerhin kreuzt in der Karibik vor der Küste des südamerikanischen Landes eine stattliche Flotte von Kriegsschiffen, darunter der weltweit größte aller Flugzeugträger.

Nun, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs heißt Dan Caine, stammt aus dem Bundesstaat New York, war Kampfpilot und bei der Nationalgarde – und wäre unter normalen Umständen in Rente. Er ist 57 Jahre alt und hatte im Dezember 2024 den Ruhestand angetreten. Allerdings nur kurz. Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus beschloss Trump, Charles Q. Brown Jr. zu feuern und ihn im Februar 2025 durch den eigentlich pensionierten General zu ersetzen.

Beide Generäle flogen früher bei der Air Force. Caine hat 2800 Stunden in Kampfjets vom Typ F-16 hinter sich, 150 Stunden im Kriegseinsatz, er war zweimal auf Mission im Irak. Doch der Kommandant Brown war noch erfahrener, dekorierter und anders als Caine außerdem Vier-Sterne-General. Nur: Er wurde von Joe Biden ernannt, hat afroamerikanische Wurzeln und galt Trump als zu woke.

Die Personalie Caine ist wie so vieles bei Trump ungewöhnlich. Erstmals musste ein Kandidat für diesen Posten wieder in den aktiven Dienst versetzt werden und wurde erst nach seiner Ernennung mit dem vierten Stern ausgestattet. Warum ausgerechnet er? Caine scheint den damaligen Präsidenten bei dessen Besuch 2018 im Irak schwer beeindruckt zu haben. „Sir, mein Name ist Raisin“, habe ihm Caine damals gesagt, erzählte Trump unter Gelächter bei einem Konservativen-Gipfel 2019.

Wie die Frucht, habe er gefragt, also die Rosine? „Ja, Sir, Raisin“, soll Caine geantwortet haben. „Caine. Raisin Caine.“ Dieses „Raisin“, bei ihm oft „Raizin“ geschrieben oder „Razin“, war sein Codename im Cockpit. Das gefiel Trump offenbar. Noch besser gefiel ihm, was Caine demnach zum Gefecht gegen die Reste der Terrorgruppe IS zu sagen hatte. Warum das zwei Jahre lang dauere, erkundigte sich Trump demnach. „Sir, wir können es in einer Woche vollständig erledigen“, erwiderte Caine laut dieser Version.

Die Antworten Caines sind vermutlich nicht immer in Trumps Sinne

In Wirklichkeit sprach er von vier Wochen, wie es später hieß. Unklar ist auch, wie weit seine Zuneigung für Trump geht. Missverständliche Aussagen jedenfalls lässt Caine nicht unkommentiert stehen. Bei einer Rede Trumps 2024 klang es zunächst so, als zitiere er Caine mit folgenden Sätzen: „Ich liebe Sie, Sir.“ Und: „Ich würde für Sie töten, Sir.“ Eine Maga-Kappe habe dieser „Sergeant“ aufgesetzt. „Trump ernennt ‚Killer‘ mit Maga-Kappe zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs“, titelte dann nach Caines Ernennung das Magazin The Daily Beast.

Hört man sich den Vortrag allerdings noch mal an, dann bezieht sich Trump da auf einen ungenannten „Sergeant“, nicht den General Caine. „Ich glaube, der Präsident hat eigentlich von jemand anderem gesprochen“, erläuterte Caine bei seiner Anhörung vor dem Senat. Offiziell sind die hohen Mitglieder der US-Streitkräfte überparteilich. Das merkte Trump zum Beispiel, als er Ende September vor Generälen und Admirälen sprach und kaum einer klatschte.

Auch waren Caines Antworten auf Fragen von Senatoren wohl nicht immer in Trumps Sinne. Ob es eine „Invasion“ in US-Städten gebe, wie Trump behauptet, weshalb er die Nationalgarde und einmal sogar Marines aktiviert hatte? Er sehe derzeit „keine ausländischen, staatlich unterstützten Kräfte, die einmarschieren“, sagte Caine. Und als sich ein anderer Senator erkundigte, ob er glaube, dass Wladimir Putin in der Ukraine haltmachen werden, erklärte Caine: Nein, das glaube er nicht.

Aber Befehle des Präsidenten wird Dan Caine ausführen. Mit Trump und anderen Regierungsmitgliedern sollen kürzlich mögliche Angriffsziele in Venezuela besprochen worden sein.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

MeinungEinsatz vor Venezuela
:Amerikas Soldaten begehen in Trumps Auftrag gerade Mord und Totschlag

SZ PlusKommentar von Reymer Klüver
Portrait undefined Reymer Klüver

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: