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Sicherheitspanne in Afghanistan:US-Soldaten - beschützt vom Feind?

Beim Sicherheitspersonal für Militärbasen in Afghanistan ist das Pentagon offenbar nicht wählerisch: Einem Senatsbericht zufolge sollen Afghanen mit Verbindungen zu den Taliban als Wachleute angeheuert worden sein.

1322 US-Soldaten sind bislang in Afghanistan gestorben. Und mit jedem toten Soldaten ist die Unterstützung in der Heimat für die Operation Enduring Freedom gesunken. Mit dem Krieg am Hindukusch sind längst keine Sympathien mehr zu gewinnen - und so dürften die jüngsten Enthüllungen über Sicherheitspannen am Golf äußerst ungelegen kommen für Obama, dessen Popularitätswerte ohnehin sinken.

Nach einem Bericht der New York Times sollen Militärstützpunkte der Amerikaner in Afghanistan teilweise von privaten afghanischen Wachleuten beschützt worden sein, die Verbindungen zu den Taliban und zum iranischen Geheimdienst haben.

Das Wachpersonal werde von US-Militärs und westlichen Sicherheitsunternehmen in Zusammenarbeit mit afghanischen Warlords rekrutiert, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Untersuchungen des Senats in Washington. Das Pentagon übe so gut wie keine Aufsicht darüber aus, wer für die Sicherheit auf den Militärbasen angeheuert werde.

Weil die Militärs auf einem großen US-Luftwaffenstützpunkt im Westen des Landes nicht einmal die Namen der für die Bewachung des Stützpunkts zuständigen afghanischen Sicherheitsdienstleister gewusst hätten, habe man ihnen die Spitznamen "Mr. White" und "Mr. Pink" verliehen, berichtet das Blatt unter Berufung auf die Untersuchung. Beides sind Figuren des Quentin-Tarantino-Films Reservoir Dogs aus dem Jahr 1992.

Mr. White und Mr. Pink seien von 2007 an 18 Monate für die Sicherheit des US-Luftwaffenstützpunkts in Shindand nahe Herat veranwortlich gewesen. In dieser Zeit habe es eine Serie gewaltsamer Zwischenfälle gegeben. Zwischen den Kräften der beiden Warlords sei es zu Kämpfen gekommen. Schließlich sei Mr. White von Mr. Pink getötet worden, der sich danach zu den Taliban geflüchtet habe.

Dem Bericht zufolge habe man daraufhin Mr. Whites Bruder, "Mr. White II", angestellt, um die Sicherheit des Stützpunkts weiter zu gewährleisten. Später sei herausgekommen, dass dieser Verbindungen zu den Taliban hatte. Auch seien die Männer des geflohenen Mr. Pink weiter beschäftigt worden - im Wissen, dass dieser nun mit den Aufständischen zusammenarbeitete.

Vorfälle wie dieser bedeuteten nicht nur eine Gefährdung amerikanischer Soldaten auf den Stützpunkten. Eine Folge sei auch, dass US-Gelder in die Hände von Warlords mit Verbindungen zu den radikal-islamischen Aufständischen fließen, heißt es laut New York Times in dem Senatsbericht.

Demnach gibt es mehr als 26.000 private Wachleute in Afghanistan, von denen 90 Prozent für das US-Militär oder die amerikanischen Regierung arbeiten. Fast alle hätten Verbindungen zu örtlichen Warlords und anderen mächtigen afghanischen Akteuren, die sich außerhalb des Einflusses des amerikanischen Militärs und der afghanischen Regierung befänden.