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USA:Schauspielerin bekennt sich wegen Giftbriefs an Obama schuldig

Sie verschickte mehrere Rizin-verseuchte Briefe: Eine US-amerikanische Schauspielerin hat zugegeben, Giftanschläge auf Präsident Obama und andere Politiker versucht zu haben. Ihr Motiv könnte mit der Diskussion um strengere Waffengesetze zusammenhängen - oder mit Eheproblemen.

Es klingt nach einer Szene aus der Fernsehserie "Breaking Bad", ist aber Realität: Eine Schauspielerin verschickt Briefe an US-Präsident Barack Obama und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, die mit dem tödlichen Gift Rizin präpariert sind. Im Juni wird die 36-Jährige deshalb festgenommen. Nun hat sie sich schuldig bekannt.

US-Schauspielerin Shannon Guess Richardson habe bei einer Gerichtsanhörung den Gebrauch biologischer Waffen zugegeben, sagte die Staatsanwaltschaft von Texas. Der 36-Jährigen drohe bei einem Schuldspruch lebenslange Haft. Richardson spielte kleinere Rollen in den TV-Serien "The Walking Dead" und "Vampire Diaries".

Die Drohbriefe an Obama und Bloomberg mit Rizin-Spuren wurden im Mai abgefangen. Das Gift lähmt die Atemwege und kann bei Verschlucken bereits in kleinsten Dosen tödlich wirken. Das Protein findet sich in den Samenschalen des Wunderbaums und gilt als eines der gefährlichsten natürlich vorkommenden Gifte.

Empörung über Waffengesetze und Beschuldigung des Ehemannes

Zum Motiv Richardsons war zunächst nichts bekannt. Die Briefe enthielten der Polizei zufolge Drohungen gegen Obama und Bloomberg, die auf die politische Diskussion über Waffenverbote bezogen waren. Beide Politiker machen sich für strengere Waffengesetze stark. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet zudem, dass die Schauspielerin einen weiteren Drohbrief mit dem Pflanzengift an einen Aktivisten für schärfere Waffengesetze schickte. In dem mit Schreibmaschine getippten Brief voller Rechtschreibfehler an Bloomberg hieß es unter anderem: "Ihr werdet mich und meine Familie töten müssen, bevor Ihr meine Waffen bekommt. Was in diesem Brief ist, ist nichts im Vergleich zu dem, was ich für Euch plane."

Die Debatte war durch den Amoklauf an der Grundschule von Newtown im Bundesstaat Connecticut im vergangenen Jahr neu angeheizt worden. Damals wurden 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen. Bemühungen um eine Reform des Waffenrechtes im Kongress scheiterten bislang.

Bereits im April war ein Kampfsportlehrer festgenommen worden, der beschuldigt wird, mit dem tödlichen Eiweißstoff Rizin präparierte Schreiben an Präsident Barack Obama und den Republikaner Roger Wicker geschickt zu haben. Die Briefe waren in den Poststellen des Weißen Hauses und des Kapitols abgefangen worden. Experten gingen deshalb davon aus, dass es sich bei den neuen Briefen um Nachahmungstaten handelte.

Medienberichten zufolge hatte die Texanerin zunächst ihren Ehemann beschuldigt, die Giftbriefe verschickt zu haben. Möglicherweise verfasste sie die Schreiben einzig in der Absicht, ihrem Mann zu schaden und ihm ein Verbrechen anzuhängen. Nathan Richardson habe sich scheiden lassen wollen, schreibt die Washington Post unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Associated Press.

Richardson habe das Rizin selbst aus Pflanzen gewonnen, schreibt die Zeitung. Die nötigen Utensilien habe sie online bestellt. Rizin gilt als relativ leicht herzustellen. Das macht das Pflanzengift nicht nur für Terroristen oder die Macher von "Breaking Bad" interessant, sondern auch für Amateure wie Richardson.

© Süddeutsche.de/AFP/ebri/mane
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