bedeckt München

USA:Kreml hält Schuldzuweisung für verfrüht

Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in Washington wurden russische Militärs von dem bevorstehenden Angriff informiert. Damit habe ausgeschlossen werden sollen, dass russische Soldaten Opfer des Raketenangriffes werden, hieß es seitens des Pentagons. Auch dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zufolge haben die USA die Mitglieder der Anti-IS-Koalition vor dem Luftangriff informiert.

Außenminister Rex Tillerson sagte hingegen, dass es vor der Operation keine Absprache oder Koordinierung mit Moskau gegeben habe.

Der UN-Sicherheitsrat hatte sich in der Nacht erneut nicht auf eine Resolution gegen Syrien einigen können. Ein Vorschlag von Frankreich, Großbritannien und den USA scheiterte an Russland.

Tillerson hatte Moskau vor den Luftschlägen am Donnerstag aufgefordert, die Unterstützung für Assad zu überdenken. Er sprach sich für eine Absetzung von Assad aus. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow nannte den Chemiewaffenangriff zwar ein "gefährliches und monströses Verbrechen". Es sei aber falsch, jetzt schon Schuldzuweisungen anzustellen.

Assad weist jede Verantwortung für den Chemiewaffenangriff zurück. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, unbegründete Vorwürfe würden nicht weiterhelfen. Bei den Vereinten Nationen hatte Russland zuvor vor "negativen Konsequenzen" gewarnt, sollten die USA militärisch in den Konflikt eingreifen. Russland hat Bodentruppen in Syrien und greift Rebellen auch aus der Luft an.

Bisher konzentrierte sich Trump in seiner Syrien-Politik auf den Kampf gegen die Extremisten-Miliz Islamischer Staat. Der Chemiewaffenangriff habe ihn jedoch zum Überdenken veranlasst. Trump steuert damit auf einen Konflikt mit Russland und dem Iran zu, die beide Assad unterstützen.

Hinweise auf Nervenkampfstoff Sarin

Nach Angaben der türkischen Regierung ist sicher, dass bei dem Angriff in der Region Idlib Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Das habe die Autopsie von drei Opfern ergeben, sagte Justizminister Bekir Bozdağ in der zentralanatolischen Stadt Kırıkkale.

Mehr als 30 Opfer waren zur Behandlung über die Grenze in die Türkei gebracht worden. Die Untersuchungen nahmen türkische Rechtsmediziner im Beisein von Experten der Weltgesundheitsorganisation und der Organisation zum Verbot chemischer Waffen vor. Das Gesundheitsministerium teilte später mit, es gebe Hinweise auf den Nervenkampfstoff Sarin.

Umstritten bleibt, wie die Giftstoffe freigesetzt wurden. US-Geheimdienste gehen laut Medien davon aus, dass das Gift von einem Flugzeug oder Hubschrauber der syrischen Armee abgeworfen wurde. Das russische Verteidigungsministerium hatte hingegen mitgeteilt, die giftige Substanz sei bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe auf ein Gebäude freigesetzt worden, in dem "Terroristen" Chemiewaffen hergestellt hätten. Militärexperten halten diese Erklärung jedoch nicht für besonders glaubwürdig.

© SZ.de/kler/rtr/dpa/afp/ap/joku/ewid

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite