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USA: Republikaner:Der Plan Palin

Ex-Gouverneurin Sarah Palin veröffentlicht ein neues Buch, hält sich aber ansonsten überhaupt nicht an den Fahrplan für Präsidentschaftsanwärter. Will sie überhaupt ins Weiße Haus? Ein Erklärungsversuch.

Erst die Autobiographie, dann das Buch über Werte, Ziele, Visionen - das war die Formel fürs Weiße Haus. Die beiden letzten US-Präsidenten hielten sich an diesen publizistischen Fahrplan: Mit A Charge To Keep bewarb sich George W. Bush 1999 fürs höchste Amt im Staat. Und auch Barack Obama veröffentlichte nach seiner Bestseller-Autobiographie das Zweitwerk Hoffnung wagen, in dem er seine Ideen für Amerika skizzierte.

Sarah Palin

Daumen hoch - aber wofür genau? Ob Sarah Palin eine Präsidentschaftskandidatur plant, ist offen. Ihr Tun spricht jedenfalls nicht gerade dafür.

(Foto: dpa)

Und jetzt Sarah Palin.

Vergangenes Jahr war ihre Lebensgeschichte in Going Rogue nachzulesen, diese Woche erscheint nun America by Heart. Reflections on Family, Faith and Flag. Zu Deutsch: Gedanken zu Familie, Glaube und Flagge. Damit wird die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin vermutlich die Bücher von Rolling Stone Keith Richards und Ex-Präsident George W. Bush von der Spitze der Bestsellerliste verdrängen - und zum wiederholten Male die Frage aufwerfen: Kandidiert sie? Oder kandidiert sie nicht?

"Es gibt keine Über-Strategie", antwortet darauf Fred Malek, einer von Palins Beratern im New York Time Magazine. Malek war bereits den Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford zu Diensten und weiß, wie man jemanden auf die Kandidatur vorbereitet. Seinen Plan unterbreitete er auch der Gouverneurin von Alaska, nachdem die Wahl 2008 für die Republikaner so katastrophal verlorengegangen war: Liefere eine gute Leistung als Gouverneurin ab! Kandidiere für eine zweite Amtszeit! Entwickle Kompetenz und ein Spezialgebiet! Reise ins Ausland! Bilde ein Netzwerk in der republikanischen Führungsebene!

Palin tat nichts davon. Nur zwei Wochen nach seinem Gespräch mit der Politikerin, erzählt Malek leicht frustriert, trat sie überraschend von allen Ämtern zurück. Seitdem verblüfft sie das republikanische Establishment immer wieder. Etwa, indem sie frei von der Leber weg twittert, ohne einen rechtlichen Berater dazwischenzuschalten. Oder indem sie - für eine Millionengage - einwilligt, eine achtteilige Reality-TV-Sendung über ihre Heimat und ihre Familie zu drehen. Erfahrene politische Berater hätten ihr von all dem abgeraten. Aber Palin hat kaum Berater, sie vertraut nur wenigen. Manche behaupten sogar, sie höre ausschließlich auf ihren Mann Todd. Ihr Apparat ist strukturlos, einen Chef gibt es nicht. Im Zweifel regelt die 46-Jährige alles selbst. Das führt zu immensen Verzögerungen, zu Ineffizienz und strategisch fragwürdigen Entscheidungen.

Helferin der "Hexe"

Ein gutes Beispiel dafür sind die Wahlempfehlungen, die Palin vor den Kongresswahlen Anfang November abgegeben hat. Mit ihrer Unterstützung für so skurrile Kandidaten wie "Hexe" Christine O'Donnnell oder Sharron Angle, die sich für einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung aussprach, verhalf sie diesen ins Rampenlicht. Sich selbst schadete sie aber eher. Manche ihrer sogenannten Endorsements waren mutig und ungewöhnlich, zum Beispiel die Unterstützung für Nikki Haley, die nun Gouverneurin im wichtigen Vorwahlstaat South Carolina wird. Bei anderen wiederum sprach die Konservative sich erst so spät aus, dass es für die Empfohlenen keinen Unterschied mehr machte - ein Beispiel ist ihr Votum für den aufgehenden Stern der Republikaner, Floridas neuen Senator Marc Rubio.

Besonders strategisch wirkte Palins Unterstützung für Terry Bandstad in Iowa und Kelly Ayotte in New Hampshire, denn diese beiden Bundessstaaten läuten traditionell die amerikanische Vorwahlsaison ein. Ayotte hatte außerdem noch einen Gegenkandidaten aus dem Lager der Tea Party, jener erzkonservativen Bewegung, an deren Spitze sich Palin im Sommer setzte und als deren Galionsfigur sie seitdem gilt. Trotzdem empfahl sie die moderate Ayotte - "sie wollte halt auf der Siegerseite stehen", erklärt es ein Experte lakonisch in der New York Times.

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