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Krise mit Nordkorea:Weiß Trump, was er tut, wenn er den Konflikt mit Nordkorea sucht?

Denn erstens fehlt Trump für eine solide Außenpolitik ganz einfach der Apparat. Der Präsident hat in seinen ersten sechs Amtsmonaten das Außenministerium praktisch abgewrackt. Das einst so stolze Haus ist demoralisiert, die meisten Führungsposten sind nicht dauerhaft besetzt.

Gerade hat sich Trump öffentlich bei Präsident Wladimir Putin für den Rauswurf von 755 amerikanischen Botschaftsangestellten in Russland bedankt. Er wolle ohnehin Personal loswerden, so Trump. Selbst wenn Nordkorea morgen kapitulieren und Verhandlungen über seine Atomwaffen anbieten würde - es gäbe in Washington keine ranghohen, fachkundigen Diplomaten, die diese Gespräche führen könnten.

Im siebten Stock des State Department wurstelt derweil einsam ein Mann namens Rex Tillerson vor sich hin. Er ist dem Titel nach Außenminister, hat aber in der Außenpolitik wenig zu sagen. Während Trump mit Krieg droht, versichert er, die Amerikaner müssten keine Angst haben und könnten "ruhig schlafen". So sind die Zeiten: Der amerikanische Außenminister wünscht allseits eine gute Nacht.

Und es gibt noch ein zweites Problem:

Und es gibt noch ein zweites Problem: Nach 200 Tagen Trump'schem Chaos weiß man schlicht nicht mehr, inwieweit der Präsident die Realität überhaupt noch zur Kenntnis nimmt. Das freilich wäre die erste - und zwingende - Voraussetzung, um wirkungsvoll Außenpolitik zu machen, und sei es dadurch, dass man der Welt den unberechenbaren Irren vorspielt. Doch Trump hat sich selbst in einen so dichten Kokon aus bizarren Lügen, Behauptungen, Illusionen und allerlei ebenso wüsten wie leeren Drohungen eingesponnen, dass ihm der Blick auf die Wahrheit versperrt ist.

Ein Beispiel: Es mag sein, dass Trump glaubte, in der Nato herumwüten und den Zweck der Allianz anzweifeln zu müssen. Nur so, dachte er, ließen sich die Verbündeten dazu bringen, mehr Geld für ihre Verteidigung auszugeben. In Wahrheit aber - und da kollidierte Trumps Madman-Strategie mit der Realität - untergrub der Präsident so Washingtons wichtigstes Bündnis. Er spielte Amerikas Rivalen Russland in die Hände, um Schulden einzutreiben, die nur in seiner Fantasie existierten. Trump wollte unberechenbar sein, aber er beschädigte nur seine Glaubwürdigkeit und die der USA.

Nordkorea ist nun ein weiteres Beispiel: China kann sicher mehr Druck auf Pjöngjang ausüben. Aber kann es Nordkorea wirklich zwingen, seine Atomwaffen und Raketen aufzugeben? Und wird Peking das eher tun, wenn es fürchten muss, dass ein US-Angriff bevorsteht? Oder beeindrucken gar Trumps Drohungen Kim Jong-un derart, dass er aufgibt? Sollte der amerikanische Präsident sich tatsächlich auf einen Madman-Wettbewerb mit dem nordkoreanischen Diktator einlassen?

Die Frage ist also, ob Trumps Strategie irgendwie an die Realität gekoppelt ist - an die echte Realität, nicht an die John-Wayne-Filmkulisse, in der Trump sich offenbar wähnt. Wenn die Antwort Ja lautet, war sein Gerede von Feuer und Zorn vielleicht ein cleverer Zug; wenn nicht, dann könnte es in eine Katastrophe führen, wie die Welt sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Das wäre echter Irrsinn. Bei Richard Nixon endete die Sache übrigens so: Schon einige Stunden bevor er zurücktrat, wurden ihm vorsichtshalber die Abschusscodes für die US-Atomwaffen weggenommen. Seine Minister hielten den Präsidenten für zu verrückt.

© SZ vom 12.08.2017

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