USA: Pastor Jones und der Koran:Sieben Tage Ruhm

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Pastor Terry Jones mag nicht viel begriffen haben von der Welt, so viel aber schon: Dreist kommt weiter.

Detlef Esslinger

Der Pastor aus Amerika mag nun zufrieden auf sein Werk blicken: Zu sieben Tagen Ruhm hat er es gebracht. Der Verteidigungsminister rief an, der Präsident und die halbe Welt haben sich mit ihm befasst, und schließlich sind Menschen gestorben, ohne dass er ein Wort der Trauer oder zumindest der Beklommenheit dazu hätte finden müssen. Ziemlich viel Spektakel hat da jemand ausgelöst, dessen Verein weniger Mitglieder hat, als es braucht, um einen Bus zu füllen. Sein Dove World Outreach Center, das kennt man jetzt.

Small Florida Church Pastor Rethinks Burning Of Koran On 9/11 Anniversary

Pastor Terry Jones wollte öffentlich den Koran verbrennen - und hat damit viel Aufmerksamkeit erzielt.

(Foto: AFP)

Ist es nicht bizarr, dass dieser Trick immer wieder funktioniert? Ein Mister namens Terry Jones aus Gainesville, Florida, hat also etwas gegen den Bau einer Moschee am Ground Zero. Wie kann er sicherstellen, dass die Welt davon Kenntnis nimmt? Es am Sonntag in der Predigt sagen? Ungeeignet, da kriegen es nur die 41 Mitglieder seiner Gemeinde mit; maximal. Ein Buch schreiben? Nun ja, Bücher werden heutzutage von so vielen geschrieben, damit fällt man auch nicht mehr groß auf. Aber vielleicht mal ein Buch physisch vernichten, per Feuer, ein Buch der Bücher gar?

Der Pastor Jones mag nicht viel begriffen haben von der Welt, so viel aber schon: Man sei so dreist wie irgend möglich. Man drücke diese Dreistigkeit in einem Spektakel aus wie noch nie - und im Nu wird man von dieser Welt mit Mikrophonen und Ü-Wagen geschmückt. Der deutsche Pfarrer Friedrich Schorlemmer empfahl den Medien, den sogenannten Amtskollegen aus Florida zu ignorieren. Aber eher konvertiert ein Alligator in den Sümpfen dort zum Christentum, als dass es ein Brandstifter, ein Kreuzzügler mit seiner wahnsinnigen Idee, mal nicht in die Öffentlichkeit schafft.

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