USA Nordkorea provoziert mit neuem Raketentest

US-Vizepräsident Pence warnt Pjöngjang, die Zeit der "strategischen Geduld" sei jetzt vorbei.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Nur wenige Stunden vor dem Eintreffen von US-Vizepräsident Mike Pence in Südkorea hat das kommunistische Nordkorea am Sonntag eine Mittelstreckenrakete getestet. Der Probeabschuss war nicht erfolgreich, die Rakete explodierte wenige Sekunden nach dem Start. Dennoch dürfte der Test die ohnehin belasteten Beziehungen zu den USA weiter verschlechtern.

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt den Flugzeugträger Carl Vinson vor die Küste Koreas beordert. Amerikanische Medien berichteten, die US-Regierung sei zu einem Präventivschlag bereit, sollte sie zur Überzeugung gelangen, dass Nordkorea einen weiteren Atomtest vorbereite. Die Propaganda Pjöngjangs warnte, im Falle einer amerikanischen Attacke werde es "mit Nuklearwaffen zurückschlagen".

Die am Sonntag erfolgte neuerliche Provokation hatten Experten schon für Samstag in Form eines Atomtests erwartet, als Nordkorea den 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung feierte. Bei der Militärparade in Pjöngjang präsentierte das Regime zwar eine neue Langstreckenrakete, in der Vergangenheit entpuppten sich solche bei Paraden gezeigten Waffen jedoch bei genauerer Analyse als Attrappen.

Der chinesische Militärexperte Luo Fuqiang spekulierte auf Phoenix TV, Pjöngjang habe den Test am Montag absichtlich scheitern lassen. Damit hätten sowohl Nordkorea als auch die USA ihren früheren Ankündigungen zum Trotz ihr Gesicht wahren können. Der frühere britische Außenminister Malcolm Rifkind dagegen behauptete gegenüber der BBC, die USA seien in der Lage, solche Tests mit Cyber-Methoden zu sabotieren. US-Senator John McCain mochte das nicht glauben.

Vizepräsident Pence besuchte unterdessen am Montag die innerkoreanische Grenze. Im Grenzdorf Panmunjom, wo 1953 der Waffenstillstand ausgehandelt wurde, warnte er Nordkorea, es solle Trumps Geduld nicht testen. Die Entschlossenheit der USA, Südkorea beizustehen, sei nie stärker gewesen. Die Zeit der strategischen Geduld sei zu Ende, Washington würde auf jede Provokation des Nordens "überwältigend und effektiv" reagieren. Mit Südkoreas Interims-Präsident Hwang Kyo-ahn vereinbarte er, die Stationierung des Raketenabwehrsystems THAAD zu beschleunigen. Wie die Trump-Administration befürchten auch die Konservativen in Seoul, der nächste Präsident Südkoreas, der am 9. Mai gewählt wird, könne THAAD ablehnen. Sie wollen deshalb vollendete Tatsachen schaffen. Allerdings wird das System laut vieler Experten nicht in der Lage sein, Südkoreas Hauptstadt gegen einen Angriff des Nordens zu schützen. Derweil setzt China Südkorea wirtschaftlich unter Druck, die THAAD-Stationierung zu stoppen, weil dessen Radar wohl auch in der Lage wäre, tief nach China hineinzuhorchen.

Peking warnte am Wochenende erneut, die Lage auf der koreanischen Halbinsel sei explosiv. Das chinesische Außenministerium rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf und schlug erneut Gespräche zur Beilegung des Nordkorea-Konfliktes vor. Zu ihnen solle auch Moskau beitragen