USA: Neuer Stabschef William Daley:Verdacht auf Kumpanei

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Obama ist offenbar anderer Meinung. Bei der Vorstellung Daleys im Weißen Haus rühmte er dessen Routine und zitierte gar aus dem Lebenslauf Daleys. Wenige Amerikaner könnten eine derartige Erfahrung vorweisen, schwärmte Obama. Er sei überzeugt, dass Daley helfen werde, die Wirtschaft anzukurbeln und Amerika voranzubringen. Die US-Handelskammer applaudierte prompt: Daley verfüge über "außergewöhnliche Erfahrung", sagte der Vorsitzende Thomas Donohue. Er war zuvor nicht mit allzu positiven Bemerkungen über Obama aufgefallen.

Dass sich der Präsident für den wirtschaftsnahen Daley entschieden hat, schlägt in Washington Wellen - ganz überraschend kam die Personalentscheidung aber nicht. Obamas bisheriger Stabschef Rahm Emanuel verabschiedet sich aus dem Weißen Haus nach Chicago, wo er Oberbürgermeister werden möchte. Dass Obama nun Daley zum neuen Stabschef beruft, sehen viele Kommentatoren als Pflege des Chicagoer Establishments. Schließlich hat Präsident Obama selbst lange in der Stadt an den Großen Seen gelebt und startete dort seine politische Karriere.

Zurück auf Null

Kritiker sprechen nun von Kumpanei - dabei ist Daley offenbar kein enger Freund des Präsidenten. "Obwohl sich beide seit langem kennen, besteht keine besondere Beziehung zwischen den beiden", schreibt die Washington Post. Daley sei ein ganz anderer Typ als die übrigen Berater Obamas, die derzeit nach und nach ausgetauscht werden. Er bringe deshalb die Fähigkeit mit, die bisherige Präsidentschaft neutral zu bewerten. Und er sei mehr als alle anderen in der Lage, mit den erstarkten Republikanern fertig zu werden - so wie einst unter Bill Clinton.

Dass sich Obama stärker an dem einstigen Präsidenten (1993 bis 2001) orientieren will, wird immer offensichtlicher. Auch bei der Wahl des Nachfolgers von Lawrence Summers als Chef des im Weißen Haus angesiedelten Nationalen Wirtschaftsrates (National Economic Council) setzt Obama auf einen Veteranen aus der Clinton-Zeit: Gene Sperling, den er voraussichtlich am Freitag auf den Posten setzen wird, hatte dieses Amt bereits damals inne.

Auch Clinton sah sich nach einem Jahr im Amt einer republikanischen Mehrheit im Kongress ausgesetzt - und schaffte dennoch die Wiederwahl, weil er Kompromisse einging. Im Hinblick auf die Wahl 2012 fahre Obama nun einen ähnlichen Kurs, analysiert die New York Times: "Anstatt den Republikanern und der Wirtschaft den Krieg zu erklären, beabsichtigt Mister Obama, die Beziehung zu beiden auf Null zu stellen."

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