bedeckt München 20°

Erste Rede zum US-Nationalfeiertag:Trump attackiert Denkmal-Stürmer

Donald Trump Nationalfeiertag

US-Präsident Donald Trump und First Lady auf der Bühne unterhalb des Mount Rushmore

(Foto: AFP)

Es sei eine "gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte" im Gange, sagt der US-Präsident zu Protesten gegen als rassistisch erachtete Denkmäler. Abstand wird bei seiner Rede am Fuße des Mount Rushmore nicht gehalten.

US-Präsident Donald Trump hat seine erste Ansprache zum Unabhängigkeitstag in diesem Jahr genutzt, um Stimmung gegen Teilnehmer der landesweiten Protestbewegung gegen Rassismus zu machen. Es sei eine "gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte" im Gange, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) vor Tausenden Zuschauern am Nationaldenkmal am Mount Rushmore im US-Bundesstaat South Dakota.

"Wütende Mobs" versuchten, Statuen der Gründerväter der USA zu Fall zu bringen. Das "starke und stolze" amerikanische Volk werde aber nicht erlauben, dass ihm Geschichte und Kultur genommen werde. Der Angriff auf die "großartige Freiheit muss gestoppt werden und wird sehr schnell gestoppt werden", sagte Trump.

Infolge des Todes des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz am 25. Mai in Minneapolis waren landesweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt entbrannt. Sie lösten auch eine Debatte über die Erinnerungskultur des Landes aus. In mehreren Städten waren bei Protesten Statuen gestürzt worden, die historische Personen darstellen, die in Verbindung mit Rassismus gebracht werden.

Unter dem "Banner der sozialen Gerechtigkeit" werde versucht, sowohl die Gerechtigkeit als auch die Gesellschaft zu zerstören, sagte Trump nun. Aus den USA solle ein Ort der "Unterdrückung, Herrschaft und Ausgrenzung" gemacht werden. Er sprach von "neuem Linksaußen-Faschismus". "Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen", sagte Trump auf einer Bühne unterhalb des Nationaldenkmals mit den monumentalen Porträtköpfen der früheren US-Präsidenten Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln.

"Dieses Denkmal wird nie entweiht werden, diese Helden werden nie entstellt werden", rief Trump der jubelnden Zuschauermenge zu. Er kündigte zudem an, er werde den Bau eines "neuen Denkmals für die Giganten unserer Vergangenheit" anordnen, einen Outdoor-Park namens "Nationalgarten der amerikanischen Helden", wie CNN berichtet.

Tausende Zuschauer - kein social distancing

Der Ton, den der US-Präsident anschlug, ließ die Veranstaltung weniger wie eine Rede zum Nationalfeiertag denn wie eine Wahlkampfveranstaltung wirken. Trump will in vier Monaten für eine zweite Amtszeit bestätigt werden. Aufgrund der drastischen Folgen der Corona-Krise in den USA liegt Trump aber derzeit in Umfragen deutlich hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden zurück.

Obwohl die Zahl der Corona-Infektionen in den USA rasant ansteigt, wurde bei der Veranstaltung keine Abstandsregelung ausgegeben. "Wir werden auf social distancing verzichten", sagte die Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, im Vorfeld bei Fox News. Kostenlose Masken sollten zwar zur Verfügung gestellt werden, wurden aber nur von wenigen Teilnehmenden getragen. In 37 von 50 Bundesstaaten in den USA legten die Infektionszahlen zuletzt deutlich zu. Allein am Donnerstag wurden mehr als 55 000 Neuinfektionen festgestellt - weltweiter Rekord.

© SZ/dpa/gal/ihe
USA Arbeitslosigkeit

Unabhängigkeitstag in den USA
:Weltmacht in Trümmern

Die Corona-Epidemie ist außer Kontrolle, die Wirtschaft am Boden, die gesellschaftliche Stimmung historisch schlecht: Amerika zahlt den Preis für Trumps Präsidentschaft.

Von Alan Cassidy

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite