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USA:Kein Interesse

Präsident Donald Trump poltert und droht wie immer auf Twitter, eine militärische Auseinandersetzung mit Teheran am Persischen Golf aber meidet er bisher - die Frage ist allerdings, wie lange noch.

EA-18G Growler launches off the flight deck of USS Abraham Lincoln in the Gulf

Die USA haben ihre militärische Präsenz zwar verstärkt, eine direkte Konfrontation mit Iran aber bisher vermieden - startender Jet auf dem im Persischen Golf patrouillierenden Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln".

(Foto: Michael Singley/U.S. Navy/Reuters)

Vor ein paar Tagen schien es noch so, als sei die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und Iran vorerst gebannt. Im Juni hatten die Länder am Rand einer militärischen Konfrontation gestanden, nachdem Iran eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen hatte. US-Präsident Donald Trump autorisierte damals einen Vergeltungsschlag, brach die Aktion aber in letzter Minute ab - ein Signal, dass er an Verhandlungen mit Teheran mehr Interesse hat als an einem Waffengang. Dieser Eindruck verstärkte sich vergangene Woche mit der Entlassung von Sicherheitsberater John Bolton, dem führenden Iran-Falken im Weißen Haus. Bolton, so lautet eine Darstellung der Vorgänge, sei gegangen, weil der Präsident die Sanktionen gegen Teheran habe lockern wollen, um Verhandlungen über ein neues Atomabkommen zu ermöglichen. Sogar ein Treffen Trumps mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani bei der UN-Vollversammlung in New York kommende Woche wurde nicht mehr ausgeschlossen.

Der Angriff auf die saudischen Ölanlagen hat dieser Phase der Entspannung zunächst wohl ein Ende gesetzt. Allerdings ist, wie so oft bei Trump, nicht vollkommen klar, was der Präsident tatsächlich will. Zumindest sind einige seiner öffentlichen Botschaften widersprüchlich.

Während die Regierung in Saudi-Arabien bis Montag niemanden für die Attacke verantwortlich machte, preschte Washington recht schnell mit Schuldzuweisungen vor. Am Samstag trat Außenminister Mike Pompeo vor die Presse und bezichtigte Teheran direkt. Kurz danach veröffentlichte Washington Satellitenaufnahmen der beschädigten Anlagen in Saudi-Arabien. Der Umfang, die Präzision und die Himmelsrichtung, aus der die Attacke geführt wurde, sprächen für eine iranische Rolle, hieß es. Ähnlich äußerte sich dann auch der Präsident. "Saudi-Arabiens Ölförderung wurde attackiert", twitterte Trump am Sonntag. Er benannte Iran zwar nicht explizit als Schuldigen, schrieb aber, die USA wüssten, wer verantwortlich sei. Dann folgte ein Satz, den man grob etwa so übersetzen könnte: "Wir haben unsere Waffen durchgeladen und gesichert, warten auf Bestätigung."

Hardliner wie Lindsey Graham drängen den Präsidenten zum Losschlagen

In Washington wurde das durchaus als militärische Drohung verstanden. Der republikanische Senator Lindsey Graham, ein ausgewiesener Iran-Hardliner, wollte diese Gelegenheit offenbar nicht verstreichen lassen und warb umgehend für einen amerikanischen Vergeltungsangriff auf Ölanlagen in Iran. Viele Demokraten, aber auch skeptische Republikaner warnten den Präsidenten hingegen eindringlich davor, für Saudi-Arabien und dessen Öl in den Krieg zu ziehen. Das schien zu wirken: Am Montag twitterte Trump, dass die USA ja eigentlich als mittlerweile größter Energieproduzent der Welt kein Interesse mehr an Öl und Gas aus dem Nahen Osten hätten. Und noch ein paar Stunden später sagte er, dass er bestimmt nicht vorhabe, einen Krieg anzufangen.

Allerdings ist Trump wohl klar geworden, dass in dieser Lage eine Zusammenkunft mit iranischen Vertretern politisch unpassend wäre. Empört behauptete er daher am Sonntag, die Medien hätten die erfundene Nachricht in die Welt gesetzt, er sei zu einem Treffen "ohne Bedingungen" mit Teheran bereit gewesen. "Das ist eine falsche Aussage (wie üblich!)", twitterte er. Der Vorwurf schlug freilich postwendend auf Trump zurück. Die Washingtoner Journalisten mussten nur ein paar Sekunden suchen, um Zitate von Pompeo und Trump zu finden, in denen beide von einem möglichen Treffen des Präsidenten mit Iranern sprachen - "ohne Vorbedingungen". Zuzugeben, dass dieses Angebot eventuell etwas naiv und verfrüht gewesen sein könnte, würde jedoch nicht dem Verhaltensmuster Trumps entsprechen.

Es ist aber auch nicht ersichtlich, dass sich die Grundeinstellung Trumps gegenüber der Region und der Rolle der USA dort geändert hätte. Der Präsident hat, nach allem, was man weiß, nach wie vor kein Interesse daran, in einen neuen Krieg im Nahen Osten verwickelt zu werden. Das lehnen auch viele seiner Anhänger ab, die Saudi-Arabien ohnehin nicht trauen. Boltons Entlassung wurde gerade in rechtsnationalen Kreisen als Beleg gefeiert, dass der Einfluss der verhassten "Neocons" endlich gebrochen ist, welche die USA in die ewigen Kriege in Afghanistan und im Irak getrieben haben.

Zudem hat Trump recht: Amerikas Abhängigkeit von nahöstlichem Öl ist wegen der höheren heimischen Förderung drastisch zurückgegangen. Preisanstiege auf dem Weltmarkt, die durch Produktionsausfälle in Saudi-Arabien entstehen, kann Trump durch die Freigabe von Öl aus der strategischen Reserve der USA abfedern.

Insofern gibt es derzeit keinen überzeugenden Grund, warum Trump Krieg gegen Iran führen sollte. Das würde sich ändern, wenn Teheran Israel oder US-Truppen in der Region angreift.