Gordie Howe war einer der besten Eishockeyspieler der Welt, geboren 1928 in Kanada und gestorben 2016 in den USA. Der Kanadier hat 801 Tore in der National Hockey League geschossen, der NHL, die meisten für die Detroit Red Wings. Er ist also der ideale Namensgeber für diese neue Brücke, die sich über den Detroit River spannt und die USA und Kanada noch besser verbinden soll. Diese Gordie Howe International Bridge wäre jetzt fertig, es gibt aber gerade ein Problem. Genau: Donald Trump.
Eigentlich sollten die Fahrbahnen von Detroit nach Windsor demnächst eröffnet werden, mit einiger Verspätung. Doch dann setzte der US-Präsident am Montag vergangener Woche in seinem Netzwerk Truth Social einen längeren Beitrag ab, mit Foto der Brücke. „Ich werde die Eröffnung dieser Brücke nicht zulassen, bis die Vereinigten Staaten für alles, was wir ihnen gegeben haben, vollständig entschädigt worden sind, und, was ebenfalls wichtig ist, Kanada die Vereinigten Staaten mit der Fairness und dem Respekt behandelt, die wir verdienen“, schrieb er da unter anderem.
Immerhin bezeichnet Trump Kanada als Land
Kanada besitze „sowohl die kanadische als auch die US-amerikanische Seite“ der Brücke und habe sie „natürlich fast ohne US-amerikanische Beteiligung gebaut“, behauptet er. „Präsident Barack Hussein Obama hat ihnen dummerweise eine Ausnahmegenehmigung erteilt.“ Trump klagt auch, dass der kanadische Premier Mark Carney „einen Deal“ mit China schließen wolle – als Erstes würden die Chinesen dann „den gesamten Eishockeysport in Kanada beenden“ und den Stanley Cup abschaffen, also die NHL-Meisterschaft in den USA und Kanada.
Immerhin bezeichnet er Kanada in seinem wirren Text als Land und nicht als 51. US-Bundesstaat. Er wollte den Nachbarstaat ja schon annektieren, vielleicht will er das noch immer. Ansonsten belastet dieser Wutanfall aus dem Weißen Haus das ohnehin angespannte Verhältnis zu Ottawa noch mehr. Trump kann das bilaterale Projekt lahmlegen, wenn er zum Beispiel keine Grenzposten auf der US-Seite aufstellen lässt. Dabei ist an seinen Vorwürfen so gut wie nichts dran.
Kanadas Regierungschef Carney erklärte Trump am Telefon, dass Kanada für die Brücke bezahle, aber den Besitz mit Michigan teile. Das sei ein großartiges Beispiel der Zusammenarbeit. Tatsächlich übernimmt Kanada die gesamten Kosten von 4,7 Milliarden US-Dollar, die Provinz Ontario hat außerdem bereits einen Highway verlängert. Kanada soll dann so lange die Maut kassieren, bis die Ausgaben ausgeglichen wurden, danach werden die Einnahmen zwischen den Kanadiern und Michigan geteilt.

Verhältnis Kanadas zu den USA:Wie aus Feinden endlich Freunde wurden
Warum ist Kanada eigentlich nicht Teil der USA, wie sich das Präsident Donald Trump offenbar vorstellt? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Das Land kämpfte schon immer dagegen an, vom großen Nachbarn im Süden geschluckt zu werden.
Für die Gegner des US-Präsidenten ist der Fall ein Geschenk
Auch wurde durchaus Stahl aus den USA verbaut, obwohl Trump das Gegenteil behauptet. Die ungefähr 2,5 Kilometer lange Brücke soll an einem der meistbenutzten Grenzübergänge Nordamerikas die überforderte Ambassador Bridge aus dem Jahre 1929 entlasten, noch dazu kommen Lastwagen mit großen, mehrachsigen Anhängern nicht durch den Tunnel nebenan. Während seiner ersten Amtszeit freute sich Trump in einem Statement noch mit Kanadas damaligem Premier Justin Trudeau „auf die rasche Fertigstellung der Gordie Howe International Bridge, die eine wichtige wirtschaftliche Verbindung zwischen unseren beiden Ländern darstellen wird“.
Was geschah seither? Nun, Trump nannte Trudeau vor dessen Rücktritt gerne „Gouverneur“, und Trudeaus Nachfolger Carney wurde zu einem seiner hartnäckigsten Kritiker. Bis zum Sommer soll das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko erneut verhandelt werden – Trump spielt offenbar mit dem Gedanken, ganz auszusteigen, im Jahr der gemeinsam veranstalteten Fußball-WM. Eine entscheidende Figur für die Blockade der Brücke ist jedoch ein sehr reicher Mann namens Matthew Moroun.
Dem Milliardär aus Detroit gehört die Ambassador Bridge nach Windsor, Kanada, er versucht die Gordie Howe Bridge seit vielen Jahren zu verhindern oder wenigstens den Betrieb zu verzögern. Durch den Warenverkehr dort werden täglich um die 300 Millionen Dollar umgesetzt. Kurz vor Trumps Einspruch traf sich Moroun in Washington mit US-Handelsminister Howard Lutnick, wie die New York Times berichtet, danach soll Lutnick Trump angerufen haben.
Für die Gegner des US-Präsidenten ist der Fall vor den Zwischenwahlen im Herbst ein Geschenk. Michigan, regiert von der demokratischen Gouverneurin Gretchen Whitmer, gehört zu den umkämpften Swing States, und der Ärger über Trump scheint in diesem Grenzgebiet gerade enorm zu wachsen. „Die Gordie Howe Bridge ist ein unglaublich wichtiges Infrastrukturprojekt für Michigan“, teilte die Senatorin Elissa Slotkin aus Michigan auf X mit. „Die Drohung von Präsident Trump, es zu torpedieren, ist für die Wirtschaft unseres Bundesstaates verheerend.“ Man darf davon ausgehen, dass die Demokraten in Michigan den populären Namen Gordie Howe im Wahlkampf gelegentlich erwähnen.
In einer früheren Fassung wurden versehentlich Baukosten von 4,7 Millionen Dollar genannt, richtig sind 4,7 Milliarden Dollar.

