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John Bolton:Der "kontroverseste UN-Botschafter, den die USA je hatten"

Wenn Trump jetzt für die kommenden Verhandlungen mit Nordkorea einen Stichwortgeber sucht, ist Bolton voll auf seiner Wellenlänge. Bolton hatte schon 2003 den damaligen nordkoreanischen Regimeführer Kim Jong-il als "tyrannischen Diktator" bezeichnet, unter dem seine Untertanen in einem "höllischen Albtraum" lebten. Das ist nicht unwahr. Aber der Zeitpunkt war interessant gewählt, kurz vor Abrüstungsgesprächen mit Nordkorea. Pjöngjang erklärte kurz darauf, Bolton nicht als Mitglied der Verhandlungsdelegation der USA anzuerkennen. Maximale Eskalation, dass kann Bolton gut.

Nachdem die Demokraten seine Nominierung zum UN-Botschafter im März 2005 im ersten Anlauf verhinderten, setzte Präsident Bush ihn mit einem Trick durch: Er nominierte Bolton erneut - zu Beginn der Sommerpause des Senats. Eine Zeit, in der er jede Position in seiner Regierung besetzten durfte, ohne erst ein Nominierungsverfahren im Senat abwarten zu müssen. Bolton hatte danach faktisch eineinhalb Jahre Zeit, sich zu bewähren. Erst bis zum Ende des folgenden Kalenderjahres musste der Senat die Nominierung bestätigen.

Iran spurt nicht? Bomben helfen. Nordkorea will nicht? Krieg anfangen

Bolton nutzte die Zeit, sich den Ruf des kontroversesten Botschafters zu erwerben, den die USA je zu den Vereinten Nationen geschickt hatten, wie der Economist damals schrieb. Jedes Ziel versuchte er mit dem Vorschlaghammer durchzusetzen. Lob bekam er allerdings für seinen Widerstand gegen eine Neuordnung der Menschrechtskommission. Bolton hatte laut bemängelt, dass dort Vertreter menschenverachtender Regime versuchen wollten, sich reinzuwaschen. "Wir wollen einen Schmetterling", sagte er. "Aber wir werden nicht eine Raupe mit Lippenstift bemalen und das dann Erfolg nennen."

Im Dezember 2006 trat Bolton zurück. Er hatte in seiner kurzen Amtszeit alles getan, um die Demokraten gegen sich aufzubringen. Die noch ausstehende Bestätigung seiner Nominierung war aussichtslos geworden. Nach seiner Amtszeit arbeitete er beim konservativen Thinktank American Enterprise Institute. Er wurde zu einem gerngesehenen Gast bei Fox News, Trumps Lieblingssender. Angeblich soll der US-Präsident da auf ihn aufmerksam geworden sein. Und was er sah, gefiel ihm.

Harte Haltung gegen alles und jeden. Das ist Boltons Kernbotschaft. Iran spurt nicht? Bomben helfen. Nordkorea will nicht? Krieg anfangen. Bolton hat den Iran-Atom-Deal noch nie für eine gute Idee gehalten. Und Verhandlungen mit Nordkorea sind ihm ein Dorn im Auge.

Es gibt keine Hinweise, dass Bolton sich geändert hätte

Nach seinem Wahlsieg war Trump noch nicht so begeistert. Die Washington Post berichtete damals, Trump habe der Schnurrbart von Bolton nicht gefallen. Sonst hätte er vielleicht Außenminister werden können. Der Schnurrbart stört Trump offenbar nicht mehr. Und wohl auch nicht, dass Bolton mit den Thesen der "Konter-Dschihadisten" sympathisiert hat, einer Gruppe extremer Islam-Gegner. Sie gehen davon aus, dass die US-Regierung von Islamisten unterwandert ist. Und dass das islamische Recht langsam, aber sicher das US-Rechtssystem vereinnahmt. Auch Barack Obama wurde von Bolton als Muslim bezeichnet.

Es gibt keine Hinweise, dass sich an der Haltung von Bolton bis heute irgendetwas geändert hätte. Seit Anfang 2018 hat er mehr als 20 Mal auf Fox News wildeste Thesen verbreitet.

Wenn er so weitermacht, dann dürfte es schwer für ihn werden, Drähte ins Außenministerium zu spannen. Vielleicht will er das auch gar nicht. Ihm wird nachgesagt, er hasse das Außenministerium. Normalerweise ist das nicht gerade eine Trumpfkarte für eine Bewerbung um den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters. Aber was ist schon normal unter Donald J. Trump?

© SZ.de/csi/bepe/cat

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