Die US-Regierung und das iranische Regime begegneten sich gegen Ende dieser Woche auf zwei verschiedenen Ebenen. Zum einen beschossen sie einander. Zum anderen gingen die Versuche weiter, den Konflikt diplomatisch zu lösen. In den Äußerungen des amerikanischen Präsidenten lagen nur Stunden zwischen einem „sehr nahen“ Abkommen mit Iran und der anderen Option, die Donald Trump als „bombing the shit out of them“ beschrieb. Sachlich übersetzt: ein weiterer großer Bombenangriff. Und wieder zurück zum nahenden Abkommen.
Am Donnerstag sagte US-Präsident Donald Trump für den Abend angekündigte Angriffe auf Iran ab und begründete das wieder einmal damit, dass ein Durchbruch in den Verhandlungen kurz bevor stünde. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social schrieb er, dass Streitpunkte im Detail von allen beteiligten Parteien gebilligt worden seien, darunter die USA, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und auch von der Führungsriege Irans. Trump erklärte, wann und wo ein Abkommen unterzeichnet werde, werde in Kürze bekanntgegeben.
In der Nacht zuvor hatte die US-Armee wieder Ziele in Iran bombardiert. Aus Karadsch nahe Teheran wurden Explosionen gemeldet, aber die meisten Ziele lagen im Süden des Landes, also am Persischen Golf, in der Nähe der Straße von Hormus. Offenbar wollte Trump, dass das iranische Regime die Meerenge nicht mehr so einfach als Druckmittel benutzen kann. Daher lässt er militärische Infrastruktur in ihrer Nähe angreifen. Laut New York Times zerstörten die amerikanischen Bomben auch einen Trinkwasserspeicher.
Iran reagierte wie üblich mit Drohnen und Raketen. In den Golfstaaten Kuwait und Bahrain wurde Luftalarm ausgelöst, in beiden Ländern sind US-Soldaten stationiert. Auch das jordanische Militär sagte, es habe iranische Raketen abgeschossen. Unklar blieb, ob die iranischen Angriffe irgendwo Schaden anrichteten.
Möglichst vorteilhaft aus dem Krieg hervorzugehen, darum geht es beiden Seiten
Der gegenseitige Beschuss war nicht das erste Mal, dass die Kriegsparteien die seit dem 6. April geltende Waffenruhe gebrochen haben. Und so erschien in dieser Woche beides möglich: Iran und die USA finden zu einem Vertragstext, der die Waffenruhe untermauert. Oder die Kampfhandlungen gehen weiter und intensivieren sich so sehr, dass sie einem neuen Krieg gleichen.
Das Nahost-Portal Amwaj zitierte am Donnerstag einen iranischen Offiziellen, wonach „der Text“ endlich „bereit“ sei, also eine Übereinkunft mit der US-Regierung. Am Mittwochabend sei der Entwurf vor allem dank der Vermittler aus Katar fertig geworden. Die waren dafür nach Teheran gekommen. Nun gehe es darum, dass das Papier abgesegnet werde – in Iran vom dortigen Nationalen Sicherheitsrat, in den USA vom Weißen Haus.
Allerdings klang die iranische Rhetorik am Donnerstag wieder nach Krieg. Nach den nächtlichen US-Angriffen sei die Waffenruhe „sinnlos“, hieß es aus dem Außenministerium in Teheran. Das Regime verkündete, die Straße von Hormus sei geschlossen. Der Aussage widersprach das amerikanische Militär zwar, die Webseite „Hormuz Strait Monitor“ dokumentierte aber, dass in den vergangenen 24 Stunden nur zwei Schiffe die Meerenge passiert hatten. Vor dem Krieg lag die Zahl der Schiffe pro Tag bei ungefähr 60.
Zwischen den Vereinigten Staaten und Iran geht es darum, wer aus dem Konflikt möglichst vorteilhaft hervorgeht. Aus iranischer Sicht ist die aktuelle Phase fast ebenso entscheidend wie der Krieg selbst. Das Regime fürchtet, dass seine wichtigsten Waffen, also die Drohnen und Raketen und die Straße von Hormus, an Wirkung verlieren. Dass die Weltwirtschaft sich an einen höheren Ölpreis gewöhnt, während die iranischen Angriffe auf US-Basen in der Region kaum Schaden anrichten – und die USA das Land ohne zu zögern bombardieren, fast wie vor der Waffenruhe.
38-mal hat Trump schon verkündet, eine Einigung sei „sehr nahe“
In Teheran wurden daher auch Stimmen lauter, die ein aggressiveres Vorgehen fordern, vor allem gegen die Energieinfrastruktur der Golfstaaten oder auch direkt gegen US-Schiffe in der Nähe. Das deutete eher auf eine Eskalation hin.
Der US-Präsident andererseits schimpfte zunächst, das Abkommen dauere „zu lange“. Am Mittwochabend behauptete er, die USA hätten zuletzt „jeden Tag Millionen Barrel an Öl“ durch die Meerenge von Hormus gebracht, ohne dass Iran davon gewusst habe.
Doch auch Trumps Energieminister Chris Wright wusste davon nichts, so gab er zu, als er im Kongress zu einer Befragung erschien. Er konnte die Aussage des Präsidenten nicht bestätigen. Der rede eben oft „casually“, so Wright: locker also, lässig.
Das Dilemma des Präsidenten ist weniger lässig: Er kann weitere Luftangriffe auf Iran befehlen, auch härtere. Am Donnerstag hatte er zunächst gedroht, die USA könnten die iranische Insel Kharg besetzen, über die das Land 90 Prozent seiner Ölexporte abwickelt. An der iranischen Position würde all das nicht viel ändern. Trotz aller Ungeduld und trotz des Drucks aus Israel setzte Trump deshalb bisher auf eine diplomatische Einigung. Eine, die ihm einen Weg aus dem Konflikt erlaubt.
Nun könnte vielleicht endlich ein Abkommen für ein Kriegsende unterzeichnet werden. Wenn Trump diesmal richtig liegt. Laut einer CNN-Zählung hatte er schon zuvor 38-mal gesagt, es sei „sehr nah“.
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