Unaufhaltsam läuft die Zeit ab. Bis Dienstagabend in Washington und Mittwochmorgen in Teheran gilt das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und Iran. US-Präsident Donald Trump hat erklärt, eine Verlängerung der Feuerpause sei unwahrscheinlich. Allerdings gab es auch Berichte, dass er genau das getan habe: die Deadline um einen Tag auf Mittwoch verschoben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber nicht. Und die Führung aus Teheran ließ wissen, sie habe für eine mögliche Fortsetzung des Kriegs „neue Karten“ in der Hand. Der einflussreiche Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf hatte zuvor betont, „im Schatten von Drohungen“ werde sich Iran nicht mit den USA an den Verhandlungstisch setzen.
Bis zum Dienstagnachmittag war keine der beiden Verhandlungsdelegationen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eingetroffen, wo die Gespräche stattfinden sollen. Chinas Präsident Xi Jingping forderte eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Die Iraner haben die Meerenge gesperrt. Trump reagierte darauf seinerseits mit einer Blockade, damit Schiffe auch iranische Häfen weder verlassen noch ansteuern können. Die gesamte Weltwirtschaft spürt die Folgen, weil etwa 20 Prozent des globalen Rohöls und andere wichtige Rohstoffe durch die Gewässer transportiert werden. Außenminister Johann Wadepuhl rief Iran am Rande eines Treffens mit EU-Kollegen in Luxemburg dazu auf, „nach Islamabad zu kommen und konstruktiv mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu verhandeln“.
„Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit.“
Pakistans Armeechef Asim Munir setzte sich in den vergangenen Tagen bei Trump nach Informationen in Islamabad dafür ein, die US-Blockade zu lockern. Damit konnte er aber noch nicht durchdringen, hieß es am Dienstag. Diese Sanktion in der Straße von Hormus werde erst aufgehoben, wenn Iran sich auf einen Deal einlasse, betonte Trump öffentlich. Neben der Frage nach einer friedlichen Durchfahrt durch die Straße von Hormus wird es bei den Gesprächen auch um das iranische Nuklearprogramm gehen, das Trump unterbinden will.
Der Präsident hatte nach Beginn der US-Angriffe bereits mehrmals erklärt, es habe in Iran eine Art Regimewechsel gegeben. Aber davon kann keine Rede sein. Zwar haben die USA führende Männer der iranischen Führung ausgeschaltet, darunter das geistliche Oberhaupt Ali Chamenei. Aber das Regime ist nicht kollabiert, ein Expertenrat hat dessen Sohn Modschtaba Chamenei als Nachfolger ernannt. Auch die Macht der Revolutionsgarde ist ungebrochen. Die von Trump befeuerten Hoffnungen der meisten Menschen in Iran, das Regime loszuwerden, haben sich nicht erfüllt.
Der pakistanische Politikwissenschaftler Zafar Nawaz Jaspal sieht die iranische Führung bei einer möglichen zweiten Gesprächsrunde in einer besseren Verhandlungsposition als die US-Regierung. „Trump ist mit einer Reihe von Fehlkalkulationen in diesen Krieg gegangen“, sagte der Professor der Quaid-i-Azam-Universität in Islamabad am Dienstag. Er habe die Widerstandskraft und auch die Topografie Irans unterschätzt. Sein weitgehend aus der Luft geführter Krieg könne Iran zwar massiv schaden, die Führung aber nicht bezwingen oder so schwächen, dass sich Teheran allen Forderungen beugt. Auch wenn sowohl Amerikaner als auch die Iraner an einer schnellen Öffnung der Straße von Hormus interessiert seien, agiere Iran bislang nach dem Motto: „Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit.“
18 000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz in Islamabad und Umgebung
Trump hatte am Montag gesagt, US-Vizepräsident J. D. Vance sei gemeinsam mit dem Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, auf dem Weg in die pakistanische Hauptstadt für eine neue Verhandlungsrunde. Das erwies sich als Fehlinformation. Zwar sind am Militärflughafen in der an Islamabad angrenzenden Garnisonsstadt Rawalpindi bereits US-Flugzeuge gelandet. Es handelte sich aber um technische Vorabteams, nicht die Verhandler selbst. Trump verbreitete über sein soziales Netzwerk weiterhin die Botschaft, es stehe ein umfassendes Abkommen zwischen den USA und Iran bevor. In iranischen Medien hieß es wiederum, es seien weder eine offizielle Delegation noch ein Vorabteam nach Islamabad aufgebrochen.
Islamabad und auch die angrenzende Garnisonsstadt Rawalpindi sind zumindest in Teilen in einem Lockdown. Die Regierung gab ihren Angestellten in der sogenannten roten Zone frei, Büros blieben geschlossen. Die Zufahrtsstraßen zum Serena-Hotel, in dem bereits die erste Runde der Friedensgespräche abgehalten worden war, sind weiträumig abgesperrt. Nach Angaben pakistanischer Zeitungen sind 18 000 Sicherheitskräfte in der Hauptstadtregion im Einsatz, um die möglichen Friedensgespräche abzusichern.
Für Pakistan steht als Nachbarland Irans viel auf dem Spiel. Das Land erhält zwar wegen der diplomatischen Vermittlung zwischen Iran und den USA breites Lob. Aber es ist nicht davor gefeit, in diesen Konflikt hineingezogen zu werden. Denn Pakistan hat ein umfassendes Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien geschlossen. Den Golfstaat hatte Iran im Kriegsverlauf bereits attackiert.

