Donald Trump hat eine Ansage gemacht. Aber die Frage bleibt, ob die Iraner sich ihr beugen werden. Am Montagabend lautete die Antwort: zunächst einmal nicht. Der US-Präsident sagte der New York Post, sein Vize J. D. Vance, sein Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner seien auf dem Weg in die pakistanische Hauptstadt Islamabad, um mit Iran über ein Ende des Krieges zu verhandeln. Eine iranische Nachrichtenagentur, die der Revolutionsgarde nahesteht, meldete daraufhin, an der iranischen Position, von den Gesprächen fernzubleiben, habe sich nichts geändert.
Seit die US-Marine im Golf von Oman in der Nacht von Sonntag auf Montag ein iranisches Frachtschiff enterte und unter ihre Kontrolle brachte, sind die diplomatischen Annäherungen weiter ins Stocken geraten. Ein Schiff unter iranischer Flagge habe versucht, „unsere Seeblockade zu durchbrechen – was für die Besatzung nicht gut ausging“, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.

Das Treffen im Serena-Hotel war historisch
Aus Iran kamen daraufhin am Montag scharfe Reaktionen: „Die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran werden bald zurückschlagen und Vergeltungsmaßnahmen gegen diesen Akt bewaffneter Piraterie und gegen die amerikanische Armee ergreifen“, teilte der Generalstab mit. Und ein Sprecher des Außenministeriums legte nach: Iran werde sich nicht mit den USA an einen Verhandlungstisch setzen. Schließlich hielten sich die Amerikaner nicht an die Abmachungen aus dem Waffenstillstandsabkommen. Trump seinerseits warf Iran vor, sich nicht an die Vereinbarung gehalten zu haben.
Die Feuerpause zwischen den USA und Iran hatten die pakistanische Regierung und Armee mit beiden Kriegsparteien ausgehandelt. Sie läuft nach 14 Tagen am Mittwochmorgen aus. Eine erste Runde von umfassenden Friedensgesprächen, an der US-Vizepräsident J. D. Vance und auf iranischer Seite unter anderem der einflussreiche Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf vorvergangenes Wochenende in Islamabad teilgenommen hatten, war ohne Ergebnis geblieben. Historisch war das Treffen im Serena-Hotel dennoch: Derart hochrangige Vertreter der iranischen Führung und der US-Regierung hatten seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 nicht mehr zusammengesessen.
In Islamabad gingen Analysten am Montag davon aus, dass Iran nun den Preis für weitere Verhandlungen mit den USA in die Höhe treiben will. Trump habe den Krieg begonnen, ohne das Ende zu bedenken, heißt es in der pakistanischen Hauptstadt. Namentlich zitieren lassen will sich indes niemand. Aus diplomatischen Kreisen heißt es, am Mittwoch könnten die Gespräche beginnen. Aber die politische Führung und das Militär, das in Pakistan die mächtigste Institution ist, schweigen offiziell.
Die Preise für Rohöl ziehen sofort nach dem Vorfall mit dem iranischen Frachtschiff wieder an
Die USA hatten am 28. Februar gemeinsam mit Israel ihren Waffengang gegen Iran begonnen. Zu Beginn gab Trump neben der Vernichtung des iranischen Atomprogramms auch einen Regimewechsel in Teheran als Ziel aus. Die USA töteten eine Reihe von hochrangigen Mitgliedern des Regimes, darunter den Obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei. Doch nur wenige Tage später setzte ein Expertenrat in Iran dessen Sohn Modschtaba Chamenei als neues Oberhaupt ein. Irans Regime ist den USA zwar militärisch unterlegen. Es ist aber nicht gestürzt. Das werten Beobachter bereits als Erfolg für Iran, während Trump in diesem Krieg bislang noch nichts Handfestes vorweisen kann.
Zwar hat Iran unter den Folgen der US-Bombardierungen gelitten, aber aus strategischer Sicht hat Teheran neben seinem Atomprogramm eine weitere Trumpfkarte in die Hand bekommen: die Straße von Hormus. Iran hat Hoheit über die Meeresenge. Am Freitag ließ Iran die Passage kurzzeitig öffnen, am Samstag wieder schließen.
Durch die Straße von Hormus werden so viele Rohstoffe verschifft, dass der globale Handel die Folgen von Trumps begonnenem Krieg drastisch zu spüren bekommt. Auch dessen eigene Wähler leiden, sie beschweren sich über höhere Benzinpreise an den amerikanischen Tankstellen. Auch aus diesem Grund dürfte Trump daran interessiert sein, die militärische Auseinandersetzung gegen Iran bald zu beenden. Wie sensibel die Märkte auf die Lage in der Straße von Hormus reagieren, zeigte sich erneut am Montag: Nach dem Vorfall mit dem iranischen Frachtschiff zogen die Preise für Rohöl drastisch an.
In Islamabad hat die Regierung alle Vorkehrungen für eine mögliche zweite Gesprächsrunde zwischen den Kriegsparteien getroffen. Zufahrtsstraßen zum Serena-Hotel, in dem das Treffen erneut stattfinden soll, sind weiträumig abgesperrt. Gäste mussten ihre Zimmer verlassen, Buchungen wurden storniert. In der pakistanischen Hauptstadt gibt es ein großes Sicherheitsaufgebot von Polizisten, Soldaten und paramilitärischen Einheiten. Rund um den Militärflugplatz in der an Islamabad angrenzenden Garnisonsstadt Rawalpindi schränkten die Behörden den Verkehr massiv ein.

